Schwarzer Häfen

10. Februar 2009, 18:24
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Wie guter Kaffee, sagt Harley, ist die Sportster 883 Iron: stark und schwarz. Mit 883 Kubik ist sie kein Verlängerter

Eigentlich wollte ich anders Titeln. Griffiger. Etwa: „Harley baut ein Drecksgerät". Das hätte aber nicht nur allzu leicht falsch verstanden werden können, sondern das hätte auch jemand in den falschen Hals kriegen können. Und bevor mir eine Rockerbande aus lauter V2-Patriotismus den Kopf so zurecht rückt, dass er mir abfällt, muss ich erklären, dass „Drecksgerät" keine Beleidigung ist, sondern eher so etwas wie ein Ehrendoktortitel. Und das kommt so:

Belaguru ist einer der schrägsten Typen die ich kenne. Er fährt eine großvolumige Yamaha Cruiser. Sie ist unter allen Choppern sofort zu erkennen. Belaguru findet Motorräder von der Stange nämlich einfallslos. Custombiking passt aber auch nicht zu ihm. Was er macht, ist eher Downsizing. Er hat sich rostige Bleche gebastelt, die er dort montierte, wo es bei der Original-Yamaha blitzt und funkelt. Inzwischen ist er sogar Experte im Schnellverrosten. Belaguru hat seine neue 1300er Yamaha mattschwarz lackiert. Und das hat er, zumindest auf den ersten Blick, lieblos gemacht - in Wahrheit hat er lange nach der richtigen Farbe gesucht. Seine Yamaha schaut armseelig aus und deswegen ist sie so edel, verrucht, böse und dreckig. Und weil man Gegenständen, die man besonders lieb hat, Kosenamen gibt, hat auch seine Maschine einen; „Drecksgerät" passt vortrefflich zur abgetakelten Reiben, die Belaguru meist mit sprühenden Fußrasten durch die Tiroler Kurven schießt.


Das "Drecksgerät" im Dreck ist dann quasi artgerechte Haltung.

Auf dem Weg zu einem der letzten Harley-Treffen dürfte ein hochrangiger Milwaukee-Cruiser vom schrägen Belaguru und seinem aufsetzenden Drecksgerät so gedemütigt worden sein, dass der Amerikaner sich gerade noch die Farbe des Pferdes des sprühenden Reiters merkte. Harley baut inzwischen nämlich selbst solche „Drecksgeräte". Harley-Designer Frank Savage - nicht zu verwechseln mit dem "Wunderbare Jahre"-Schauspieler Fred Savage, der beim Denken die selbe Stimme hat wie Tom Magnum - schmückt jetzt, nach der 1200er, auch die Sportster 883 als „Iron" mit dem „Dark Custom"-Look. Chrom war gestern, Motor, Luftfilter, Öltank, Speichenräder, Zahnriemenabdeckung tragen jetzt Schwarzmatt. Ganz schön lässig.


Künstliche Alterung heißt die Methode, mit der Belaguru seine Yamaha pimpte.

Mit lässig sind wir auch schon beim Motor. 53 bescheidene PS holt die Harley aus dem abgedunkelten Langhuber-V2. Das Drehmoment von 70 Newtonmetern liegt schon bei 3.750 Umdrehungen an. Ist aber wohl auch nicht der Ausbeute letzter Wert, wenn man sich erinnert, dass der um 187 Kubikzentimeter kleinere Ducati-V2 aus der 696er-Monster letztes Jahr auch 69 Newtonmeter verabreichte, wenn auch erst bei 7.750 Umdrehungen. Um die Hetzerei geht es bei Harley aber ohnedies nicht, wie wir wissen. Look, Sound und Feeling sind die Keynotes in Milwaukee. Deshalb bietet Harley Davidson die 883 auch gedrosselt auf 34 PS an - damit schon Führerscheinneulinge ein „Drecksgerät" fahren können. Und bei der Leistung ist es gut, dass die 883 Iron schwarz ist, weil gleichnamige Striche auf den Asphalt wird sie nicht zaubern.


Die Harley-Davidson 883 Iron ist das "Drecksgerät" von der Stange.

Magisch wirkt auf den ersten Blick aber das Heck der 883 Iron. Es hat kein Rücklicht. Brems- und Rücklicht wurden sauber in die hinteren Blinker integriert. Schaut super dirty aus - als ob man das Lamperl schon verloren hätte. Die Blinker haben übrigens eine automatische Rückstellung. An der Gabel hat Harley klassische Faltbälge montiert - natürlich in schwarz. Und noch etwas haben sich die Amerikaner vom Belaguru-Drecksgerät abgeschaut: Es gibt keinen Soziussitz.

Für die 883 kann man das Soziusplatzerl einfach nachordern. Belaguru löst das Sozius-Platz-Problem auf seinem Drecksgerät natürlich stilsicher: Er hat sich auf den hinteren Koderer, mit einem Netz, einen Fetzen gespannt, auf dem seine „kranke Schwester" sich knackige Popsch-Muster holt. (Text: Guido Gluschitsch)

  • Belaguru setzt stilistische Maßstäbe. Er erfindet das "Drecksgerät" und Harley findet die Aktion anscheinend nachahmenswert.
 
 
    foto: belaguru

    Belaguru setzt stilistische Maßstäbe. Er erfindet das "Drecksgerät" und Harley findet die Aktion anscheinend nachahmenswert.

     

     

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