Autoindustrie spart an allen Ecken

5. Februar 2009, 17:58
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Im Grazer Magna-Werk sind derzeit rund 2.600 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, eine Verlängerung ist möglich

Aurora/Paris/Wien - Der Frank-Stronach-Konzern Magna International schließt wegen der schweren Absatzkrise der US-Autoindustrie ein Fahrwerksteile-Werk in Syracuse (Bundesstaat New York). Davon sind 1400 Arbeitsplätze betroffen. In Österreich sind im Magna-Werk in Graz derzeit rund 2600 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, auch in den Werken Ilz und Lannach wird teilweise kurz gearbeitet (700 von insgesamt 1450 Mitarbeitern).

Ruf nach Staatshilfen

Die US-Autozulieferer verlangen nun auch nach Staatshilfen in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar (16 Mrd. Euro). Um die Hälfte wurde direkt beim Finanzministerium angefragt, sagte ein Branchenvertreter dem Fachmagazin Automotive News, der Rest solle indirekt über die US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler fließen.
Die EU-Kommission hat indessen der französischen Autoindustrie als eine Maßnahme im Kampf gegen die Finanzkrise die Möglichkeit von Zinsermäßigungen für Kredite eingeräumt, die bis Ende 2010 aufgenommen werden.
In Italien muss der Fiat-Konzern nach dem massiven Einbruch der Autonachfrage zu Beginn des Jahres 5000 Personen in die Kurzarbeit schicken.
Erstmals hat auch ein Hersteller verlauten lassen, dass im "Detroit Mitteleuropas" , der Slowakei (Vorjahresproduktion: rund 600.000 Fahrzeuge), Jobs in einem der Autowerke abgebaut werden müssen. PSA (Peugeot-Citroën) streicht 190 Stellen der Stammbelegschaft in Trnava.

"Krise erst am Anfang"

Der Autozulieferer Continental muss sich wegen eines stornierten Großauftrags von Chrysler auf eine Sonderabschreibung gefasst machen. Um den angeschlagenen Autobauer mit Motor- und Getriebesteuerungen zu beliefern, hatte der deutsche Konzern in Costa Rica für 70 Millionen Euro ein Werk gebaut. "Das muss wohl abgeschrieben werden" , hieß es aus Unternehmenskreisen. General Motors gab bekannt, 600 Arbeiter im Werk in Nordmexiko abbauen zu wollen.
Die Lage sei für die Auto- und damit auch die Zulieferindustrie "sehr brisant" , sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer (Uni Duisburg-Essen), "die Krise steht erst am Anfang" . Wie berichtet ging in dieser Woche der Cabrioverdeck- und Türscharnierhersteller Edscha mit europaweit 4200 Mitarbeitern in Konkurs.
Über die Abwrackprämie für Altfahrzeuge in Deutschland freut sich die Branche indessen (die Konsumenten weniger, da die Prämie Rabatte teilweise ersetzt). Jedenfalls verlangt nach den Markteinbrüchen auf den Britischen Inseln auch der dortige Autohändlerverband die Einführung einer Verschrottungsprämie. (Reuters, AP, dpa, APA, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2009)

 

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