FIS-Präsident Kasper schlägt Alarm

5. Februar 2009, 11:42
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Weniger Skifahrer in den Kernländern - Skisport soll wieder leistbarer werden - "Zwei Wochen Karibik sind billiger als Winter-Urlaub"

Val d'Isere - Der Tirol Berg in Val d'Isere ist am Mittwochabend Schauplatz einer spannenden Podiumsdiskussion über die Zukunft des Skisports gewesen. Gian Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), schlug dabei angesichts der rückgängigen Skifahrer-Zahlen in den Kernländern wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien oder Frankreich Alarm. Die wichtigsten Ansatzpunkte sind seiner Meinung nach die Senkung der Preise sowie der Versuch, die Jugend wieder für den Skisport zu begeistern.

"Die Preise sind bei dieser Problematik etwas sehr Wesentliches. Denn derzeit ist ein zweiwöchiger Karibik-Urlaub billiger als ein Winter-Urlaub", meinte Kasper. Als weitere Gründe für den Rückgang führte der Schweizer den Klimawandel sowie die Migration an, denn Zuwanderer-Kinder würden von ihren Eltern einfach wenig bis überhaupt nicht zum Wintersport gebracht.

Gegensteuern will Kasper durch ein Wiederaufleben der Schulskikurse und die Initiative "Bring Children to the Snow", eine laut Kasper "Millionen-Kampagne" der FIS. Ganz anders ist die Lage laut Kasper zum Beispiel in Südkorea, davon hat er sich erst vor wenigen Wochen im Rahmen der Snowboard-WM überzeugt. "Da sind die Skipisten bis vier Uhr früh geöffnet und abertausende Kinder sind bis Mitternacht auf dem Schnee."

Kasper forderte, dass Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren überall auf der Welt gratis skifahren sollen. Dem stimmte auch Deutschlands Ski-Doppel-Olympiasieger Markus Wasmaier zu, und machte sich gleichzeitig für ein besseres Standing des Sports in der Gesellschaft stark. "Bei uns in Deutschland ist der Sport fünft- oder sechstrangig. Und in der Schule streichen sie die Turnstunden auf eine pro Woche zusammen."

Klar scheint, dass Events wie das Air & Style der Snowboarder in Innsbruck oder der Show-Parallel-Slalom der Alpinen in Moskau eine starke Anziehungskraft auf die Jugend haben. Doch Kasper warnte, sich davon blenden zu lassen. "Natürlich könnte man als Prolog für Kitzbühel eine Skirampe in Wien aufbauen. Aber das soll nicht die Zukunft des Skisports sein, denn das hat nur noch sehr wenig mit Skisport zu tun", bezog Kasper eine klare Stellung in dieser Frage.

Eine große Chance für den Jugendsport bietet sich 2012 auf österreichischem Boden mit den ersten Olympischen Jugendspielen in Innsbruck. Wasmaier betonte jedoch, dass dieser Schuss nicht nach hinten losgehen dürfe. "Es besteht die Gefahr, dass viel zu früh das Wettkampfdenken überhandnimmt und der Körper sehr rasch ausgelaugt wird", meinte der Bayer, der die Folgen seiner Profikarriere selbst sehr stark im Rücken und im Kniebereich spürt.

Doch Hannes Maschkan, der Marketing-Chef der Innsbrucker Spiele, betonte, dass gerade bei Jugend-Olympia der Spaß- und Event-Faktor besonders im Vordergrund stehen wird. "Wir wollen die Jugendlichen begeistern und sie sollen bei diesen Spielen zusammen finden." (APA)

 

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    FIS-Präsident Gian Franco Kasper setzt auf die Kampagne "Bring Children to the Snow".

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