Guter Start im neuen Jahr

5. Februar 2009, 17:41
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Nachdem die Deutsche Bank im Jahr 2008 mit einem Riesenverlust schockte, gelang ihr der Start ins neue Jahr mit guten Erträgen im Jänner

"Sie sehen, wie faszinierend Banking ist." Als der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Donnerstag zur Bilanzpressekonferenz vor die Journalisten tritt, kann er sich einen gewissen Galgenhumor nicht verkneifen. Vor einem Jahr noch konnte der Schweizer für das Jahr 2007 stolz einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden Euro vermelden. Doch nun, wo Deutschlands Branchenprimus die Bilanz für das Jahr 2008 vorlegt, zeigt die Kurve in die Gegenrichtung: 3,9 Milliarden Euro beträgt der Verlust. Zum ersten Mal in ihrer über 50-jährigen Geschichte machte die Deutsche Bank, über das Jahr gerechnet, Verluste.
"Wir sind absolut unzufrieden mit unserem Ergebnis im vierten Quartal und dem daraus resultierenden Verlust im Gesamtjahr" , sagt Ackermann. Schließlich belief sich das Minus allein zwischen September und Dezember 2008 auf 4,8 Milliarden Euro. Doch an diesem Donnerstag zählt vor allem eine Frage: Wie geht es weiter? Und da zeigt sich Ackermann "bei aller gebotenen Vorsicht zuversichtlich für 2009" .
Denn im Jänner hat sein Institut Erträge von 2,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist deutlich mehr als im Jänner 2008, die Summe liegt nur knapp unter dem Spitzenwert von 2007. Dennoch will Ackermann nicht allzu viel Optimismus verbreiten: "Ich bin sehr besorgt über die globale Kreditwirtschaft." Nach Abschreibungen drohten nun vor allem Kreditausfälle. Derzeit könne man nicht absehen, ob die Finanzmärkte nicht erneut von einem Erdbeben erschüttert werden.

Privatkunden im Visier

Im Jahr 2008 schlug sich vor allem das Investmentbanking mit einem Verlust von 8,5 Milliarden Euro negativ zu Buche. Dennoch will Ackermann daran festhalten. In guten Zeiten hat diese Geschäftssparte der Deutschen Bank ja die Gewinne gesichert.
Doch Ackermann hat für die kommenden Jahre auch wieder den zuletzt eher stiefmütterlich behandelten Privatkunden im Blick. Um weniger vom Investmentbanking abhängig zu sein, soll das Geschäft mit den Privatkunden mittelfristig mehr als die Hälfte zum Konzernergebnis beitragen.
Der Chef der Deutschen Bank machte auch noch einmal deutlich, dass sein Haus auch weiterhin ohne staatliche Hilfen auskommen werde. 15 andere deutsche Banken schaffen das nicht, sie haben mittlerweile um Hilfe beim staatlichen Banken-Rettungsfonds angesucht. Als einzige Privatbank hat die Commerzbank eine staatliche Eigenkapitalspritze bekommen.

Neuer Plan

Die zweitgrößte deutsche Bank heckt nun mit dem schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) einen neuen Plan aus. Die beiden prüfen gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt und dem Finanzministerium, ob sie ihre toxischen Papiere nicht in einer gemeinsamen "Bad Bank" auslagern könnten. Dazu könnten Teile der Commerzbank-Tochter Eurohypo (Immobilien- und Staatsfinanzierung) und der HRE zusammengelegt werden. An der Commerzbank hält der Staat ja mittlerweile 25,1 Prozent. Ob die HRE komplett verstaatlicht wird und der Staat notfalls Aktionäre enteignet, steht immer noch nicht fest, die Regierung berät noch.
Die Finanzkrise wirkt sich in Deutschland nun auch auf die Boni der Banker aus. So gilt in der HSH Nordbank, einer Regionalbank für Hamburg und Schleswig-Holstein, die neue Bescheidenheit. Als erste Bank hat sie sich dazu entschieden, die Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter für das Geschäftsjahr 2008 komplett zu streichen. Dies solle auch für die Vorstandsmitglieder gelten. Die HSH Nordbank muss im abgelaufenen Geschäftsjahr nach Schätzungen von Experten mit einem Verlust von zwei Milliarden Euro rechnen. In guten Zeiten hatte der Bonus 24 Prozent eines Jahresgehalts betragen.(Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2009)

 

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