Nokia: "Wir zielen nicht auf Nischenmärkte ab"

5. Februar 2009, 09:26
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Handyhersteller Nokia erwartet heuer in Österreich erstmals rückläufige Verkaufszahlen. Greig Williams, neuer Regionenchef, glaubt jedoch an die Kraft neuer Serviceangebote.

Auf Greig Williams, seit 1. Jänner Chef der neugegründeten "Nokia Alps South East" - zu der neben Österreich 14 weitere Länder gehören - kommt eine "herausfordernde" Zeit zu. Der weltweite Wirtschaftsabschwung hat auch die Handybranche erfasst. Prognosen sagen für heuer ein Absatzminus zwischen fünf und zehn Prozent voraus.

Auch für den österreichischen Markt rechnet der 37-jährige Nokia-Manager, der seit 1996 für den weltgrößten Handyhersteller arbeitet, mit stabilen bzw. "leicht rückläufigen" Verkaufszahlen, sagte er im Gespräch mit dem Standard. Der Marktanteil seines Unternehmens liege hierzulande aber immer noch über dem globalen Durchschnitt von 38 Prozent. "Wenn der Markt im Volumen schrumpft, kann er dennoch wertmäßig wachsen, was wir zum Beispiel in der Schweiz gesehen haben", gibt sich Williams optimistisch. "Ich bin überzeugt, dass einige unserer jetzigen Mitbewerber in den nächsten zwei Jahren nicht mehr am Markt sein werden."

Nokia Music Store

Weil Handys mit fortschreitender Technik immer austauschbarer werden, konzentriert sich der finnische Konzern auf die Entwicklung von Service-Angeboten, die dem Konsumenten einen Mehrwert geben, der so attraktiv sein soll, dass sie die Geräte des Herstellers anderen gegenüber bevorzugen. Anfang kommender Woche sperrt das Unternehmen in Österreich den Nokia Music Store auf, kündigte Williams an. Rund fünf Millionen Titel liegen in den Online-Regalen zum Downloaden aufs Handy oder den Computer bereit.

In einem nächsten Schritt soll noch in der ersten Jahreshälfte das Musikabonnement "Nokia comes with Music", das es bisher nur in Großbritannien gibt, angeboten werden. Gekoppelt an ein Nokia-Musikhandy (in Österreich zunächst das 5800 XpressMusic, dem ersten Touchscreen-Gerät der Finnen) erhält der Nutzer ein Jahr lang gegen eine Fixgebühr Zugang zum gesamten Katalog des Music-Stores. Was immer der Abonnement heruntergeladen hat, bleibt danach in seinem Besitz. Nähere Details über Preis und Geräte wollte Williams noch nicht bekanntgeben.

Keine Nischenmärkte

Dass Nokia in den vergangenen Jahren oft den Trends hinterherhechelt - insbesondere dem von Apple mit dem iPhone vorgebenen Trend zu Mobiltelefonen mit berührungsempfindlicher Menüführung - sieht der gebürtige Kanadier mit Fassung. "Wettbewerb gab es schon immer. Es ist sicher wichtig, ein Touchscreen-Produkt zu haben, aber man muss auch breit genug aufgestellt sein, um die Bedürfnisse der Konsumenten zu erfüllen. Wir zielen nicht auf Nischenmärkte ab."

Dass zu viel des Guten aber auch nicht Sinn mache, gibt Williams zu. Heuer werde Nokia sicher keine 60 verschiedenen Modelle auf Markt bringen wie im Jahr zuvor.

Doch der Verkauf von Mobiltelefonen allein sei für einen Hersteller heute zu wenig, betont der Nokia-Manager. Neben Musikservices sieht Williams etwa auch bei E-Mail-Services noch ein weites Betätigungsfeld. Mit der vor kurzem vorgestellten neuen Software Nokia-E-Mail-Service lässt sich fast jede E-Mail-Adresse für Push-Mail nutzen, sodass keine teuren Extradienste für die blitzschnelle Zustellung von Nachrichten abonniert werden müssen.

Balanceakt

Ob sich Nokia mit seinen Online-Angeboten nicht gefährlich tief ins Fahrwasser der Netzbetreiber begibt? "Es war schon immer ein Balanceakt, gleichzeitig mit jemanden zusammenzuarbeiten, mit dem man auch im Wettbewerb steht", meint Williams. Noch immer habe man, besonders mit den Mobilfunkanbietern, eine gegenseitig befriedigende Lösung gefunden.

Erfahrung damit kann Williams in seiner Funktion als Chef der Nokia Alps South East Europe-Region genügend sammeln. In den 15 Ländern der Region gibt es insgesamt 42 Mobilfunkbetreiber. (Karin Tzschentke/ DER STANDARD Printausgabe, 5. Februar 2009)

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Nokia

  • "Wenn der Handymarkt im Volumen schrumpft, kann er dennoch wertmäßig wachsen", ist Greig Williams, Nokia-Alps-South-East-Chef, überzeugt.
    foto: kat

    "Wenn der Handymarkt im Volumen schrumpft, kann er dennoch wertmäßig wachsen", ist Greig Williams, Nokia-Alps-South-East-Chef, überzeugt.

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