Handel zahlt nicht mehr jeden Preis

5. Februar 2009, 17:46
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Der Markt für Handelsimmobilien ist im Umbruch. Ablöseforderungen und Mietpreise sinken, auch in Toplagen bleiben immer mehr Flächen leer

Wien - Einfach sei die Suche nach Standorten in Österreich nicht, vor allem dann nicht, wenn man nicht bereit sei, dicke Geldbündel für ho-he Mietablösen auf den Tisch zu legen. Harald Wittig will sich bei seiner Expansion vom flauen Konsum nicht bremsen lassen. Mit Runners Point, einem deutschen Spezialisten für Laufschuhe, ist er in Österreich bereits vertreten. Jetzt will er auch mit der jungen Sneakers-Marke Sidestep den Sprung über die Grenze schaffen. Sein Ziel sind 15 Shops in Fußgängerzonen und Einkaufscentern, zwei gibt es schon.

Üppige Ablösezahlungen

Die große Hürde für den Einstieg seien üppige Ablösezahlungen, die selbst in Einkaufscentern gefordert würden und Ausmaße erreichten, die der Handel in Deutschland so nicht kenne, seufzt er. Wirtschaftlich sei das nicht, vielmehr riskant. Denn wer könne schon vorab wissen, ob der Standort halte, was er verspreche. Die hohen Ablösen seien spezifisch für Österreich, ärgert sich auch Harald Harbusch, der die Expansion der deutschen Jeanskette Mister*Lady leitet. Er verwehre sich dagegen, das könne nicht Sinn des Handels sein, und dies sei auch in Deutschland nicht üblich.
Das turbulente Konjunkturumfeld lässt Handelsketten manchen Expansionsplan überdenken. Und das hat Folgen auf die Immobilienbranche. Die Händler ließen sich von Vermietern nicht mehr erpressen, meint Michael Ehlmaier, Chef des Immodienstleisters CPB.
"Sie müssen härter kalkulieren und sind nicht länger bereit, jeden Preis zu bezahlen, auch nicht für Toplagen." Folge sei, dass die Leerstandsrate steige. Viele Ablöseforderungen hätten sich halbiert, die Mietpreise für hochwertige Lagen seien um zehn bis 20 Prozent gesunken. 500 Euro wurden etwa zu Spitzenzeiten für den Quadratmeter Geschäftsfläche auf der Wiener Edelmeile Kohlmarkt bezahlt, nun sei er auch schon um 300 bis 350 Euro zu haben, wissen Experten. Und mehr Händler als früher nehmen mit Seitenstraßen vorlieb.

Überhitzter Markt kühlt ab

Der Markt war überhitzt und habe zu viele Goldgräber angezogen, ist Ehlmaier überzeugt. "Jetzt nähert er sich einem vernünftigen Niveau an." Auch wenn er sich damit keine Freunde unter Projektentwicklern mache, aber die aktuelle Entwicklung sei wichtig und schaffe faire Rahmenbedingungen.
In Vorsicht übt sich derzeit fast der gesamte Handel und drosselt quer durch die Sparten sein Expansionstempo. Wurden im Vorjahr noch gut 2200 neue Standorte gesucht, so sind es heuer nur noch 1800, zeigt eine Studie des Consulters Regioplan. Selbst der Textilhandel, traditionell eine der expansionsfreudigsten Branchen, hat die Wachstumspläne für heuer um 13 Prozent zurückgeschraubt.

Kleine Läden weichen

Alles in allem kommen auf zehn Eröffnungen in der Woche 17 Filialschließungen: Kleine Läden weichen den Großflächenanbietern.
Ehrgeizige Expansionspläne gibt es nach wie vor genug. Der niederländische Dessousriese Hunke-möller verspricht heuer den Markteintritt in Österreich. Mister*Lady will drei weitere Shops starten. Cecil und Mexx stellen jeweils etwa 20 Läden in Aussicht, Street One kann sich zehn zusätzliche vorstellen. Und ständig auf Standortsuche sind auch Fussl und Vögele. Die Vergangenheit zeigt: Maximal ein Viertel der angepeilten Textilfilialen wird tatsächlich eröffnet. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6.2.2009)

 

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