Blutdrucksenker Salzdiät?

Regina Philipp
6. Februar 2009, 07:57
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Die WHO propagiert seit 2003 den täglichen Salzkonsum auf 5-6 Gramm zu reduzieren
    foto: reuters/nacho doce
    Die WHO propagiert seit 2003 den täglichen Salzkonsum auf 5-6 Gramm zu reduzieren

Jahrzehntelange Debatte um das gefährliche Salz - Zuverlässige Daten noch ausständig

Aktueller Anlass um das Salz ins Visier zu nehmen: Die angeblichen Pläne der EU-Kommission, das beliebte Salzstangerl zu verbieten. Mittlerweile ist bekannt, dass das Salzstangerl bleibt und die EU Österreichs Bäckern nicht vorschreiben will, wie viel Salz in die diversen Teigwaren kommt. Vielmehr ist eine Verordnung zur freiwilligen Ausweisung von Nährwertprofilen geplant, um die irreführende Verwendung des Begriffs „gesundes Lebensmittel" zu Werbezwecken zu verhindern. „Gesund" ist dann nur mehr, was sich nach objektiven Kriterien auch überprüfen lässt.

Alles in allem, ein durchaus redlicher Versuch die Bevölkerung zu gesunder salzarmer Ernährung zu motivieren. Vorausgesetzt es stimmt, dass Salz tatsächlich ungesund ist. Dem Mineral wird nämlich nachgesagt hauptverantwortlich für die Entstehung von Bluthochdruck zu sein. Begründet wurde diese schädliche Wirkung jahrzehntelang folgendermaßen: Wer salzig isst, trinkt mehr und bindet mehr Wasser im Körper. Das Blutvolumen steigt und der Druck auf die Gefäßwände erhöht sich.

Zu einfach

Mittlerweile sind sich Experten zumindest in diesem Punkt einig: So einfach funktioniert der menschliche Organismus nicht. In Wahrheit ist der Salzhaushalt wesentlich komplexer reguliert, wie unter anderem Forscher am Institut für Luft- und Raumfahrt in Köln bereits 2004 bewiesen. Sie entdeckten Wasser unabhängige Salzspeicher in der menschlichen Haut. Die Weltgesundheitsbehörde WHO propagiert indessen seit 2003, den täglichen Salzkonsum auf 5-6g zu reduzieren.

Im Tierversuch bestätigt

Die Debatte um das „gefährliche" Salz wird schon seit den 70er Jahren sehr intensiv geführt. Damals hat ein Tierversuch des US-Forschers Lewis Dahl dem Ruf des Minerals besonders geschadet. Nachdem er Ratten mit salziger Nahrung gefüttert hatte, starben diese bald nach dem ihr Blutdruck zuvor deutlich gestiegen war. Ein Experiment, das wie sich herausstellte, nicht auf den Menschen übertragbar war, denn die verabreichten Salzmengen lagen umgerechnet auf den Menschen bei einem halben Kilogramm täglich.

Kein Mensch würde diese Menge überleben, geschweige denn freiwillig zu sich nehmen. Dennoch wurde das Salz ab diesem Zeitpunkt zum Feindbild gemacht. Die Wissenschaft beschäftigt sich seither mit der Frage: Ist das Salz tatsächlich hauptverantwortlich für Bluthochdruck? Die Intersalt-Studie aus dem Jahr 1988 sollte die Lösung bringen. 10079 Teilnehmer in 32 Ländern nahmen daran teil. Die Validität der damals erhobenen Daten wird seither ebenfalls wiederholt in Frage gestellt, die Ergebnisse völlig diametral interpretiert.

Noch keine Einigung

Im Falle des Salzkonsums scheint also eine Einigung schwierig. Im Jahr 2002 und 2004 hat die Cochrane Collaboration zur Frage der Bedeutung des Kochsalzes als Risikofaktor für erhöhte Blutdruckwerte zwei Reviews veröffentlicht. (Karl-Ludwig Resch, Kochsalz und Bluthochdruck: Abschied von einem lieb gewonnenen Feindbild? Journal für Pharmakologie und Therapie Ausgabe 1/2005, S. 4-13). Die Erkenntnisse kurz zusammengefasst: Für die mittel- und langfristige positive Auswirkung einer Salzrestriktion auf den Blutdruck fehlt es bis heute an zuverlässigen Daten. Die allgemeine Empfehlung für Gesunde sich salzarm zu ernähren kann damit nicht aufrecht erhalten werden. Bei Hypertonikern muss individuell überprüft werden, ob eine Salzreduktion sich blutdrucksenkend auswirkt oder nicht.

Gefährlich Salzdiät?

Wer sich also für die salzarme Kost entscheidet, darf sich hinsichtlich des Blutdrucks keine allzu großen Wunder erwarten. Im Gegenteil - jetzt werden der Salzdiät sogar negative Auswirkungen unterstellt: Ein erhebliches Salzreduzieren lässt angeblich Blutfette ansteigen, macht insulinresistent und aktiviert das Renin-Angiotensin-System. Womit sich Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden wieder erhöht. (phr, DerStandard.at, 6.2.2009)

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Flüssigkeit

Hebt es auch den Blutdruck, wenn man sich rechtschaffen ein Paar Maß reinschüttet? Sollte man als Hypertoniker auf Schnaps umsteigen?

"Kein Mensch würde diese Menge überleben, ..."

Woran würde man sterben?

Osmose!

(Nicht zu verwechseln mit "Osmosis Joe")
http://de.wikipedia.org/wiki/Osmo... _im_Alltag

Ich salze gerne und kräftig - und habe niedrigen Blutdruck. Vermutlich, weil ich kaum Fleisch esse.

stimmt bei mir nicht

ich esse "zu viel" Salz und habe gute Blutdruckwerte mit einer Tendenz nach unten - am Fleischkonsum kann's aber nicht liegen ^^, denn ich nehme auch Fleisch zu mir. Der Mensch ist ein Omnivore (Gemischt-Fresser) ;-))

diuretika bei essentieller hypertonie?wo haben sie studiert?

Plus

Was denn sonst? Was heisst denn bloß das "plus" bei zB: Blopress PLUS oder Atacant PLUS?

...

...wenn sie so etwas fragen, dann frage ich sie: wo haben sie denn studiert?

bzw. wann hatten sie die letzte fort- oder generell ausbildung. diuretika sind die erste behandlungsstufe der essentiellen hypertonie. ...

Das sagt das akh-consillium:
Prinzipiell kann mit jedem Präparat begonnen werden (in der Regel niedrig dosierte Diuretika, Beta-Blocker, ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten).

am besten wird sein

essen wie bei oma ... vergessts die ganzen ernährungsberater.

Wenn denn die Oma z.B. der mediterranen Küche huldigt: Warum nicht ?


nur oma ist mit mitte 70 gestorben

wir hoffentlich erst mit mitte 80

Opa wurde 86, Oma nur 78

Na, ja...

Ich darf den genialen Ludwig Hirsch zitieren:

"Wie ich klein war, hat's mir einegstopft die Knödln,
hat's glauert mit dem Pracker in der Hand;
hat's mir auch umdraht schon den Magen,
es war ihr wurscht, sie hat mi gschlagen,
so lang, dass i schon angfangt hab zum Beten:
Lieb Jesukind, laß d'Oma doch verrecken."

http://www.ludwighirsch.at/textindex... _omama.htm

na ja,...

nicht allen hat es bei der oma geschmeckt;-)

Aja, und noch was...

Das mit dem individuell bei Hypertonikern ist auch nicht richtig, sondern auch für sie ist, auch bei geschwächten Nieren, mehr Salz besser. Das Problem ist nur, dass der Blutdruckanstieg kurz nach dem Salzgenuss länger andauert, weil die Nieren schlechter/langsamer arbeiten. Erst wenn genug Flüssigkeit nachefüllt wurde, sinkt der Blutdruck wieder. Aber die Nieren erholen sich schnell durch den erhöhten Flüssigkeitsanteil im Blut und die schnellere Durchputzgeschwindigkeit dadurch. Und dann ist der Bluthochdrucker wieder gesund.

scheint so.niemand ist perfekt aber das ist körperverletzung wenn sie hypertonikern vorschlagen daß sie recht viel salz futtern sollen.und schon mal was von strömungssgesetzen gehört?abhängigkeit der geschwindigkeit vom durchmesser, und mit dem druck war da auch noch was?

Körperverletzung wäre, wenn man ihnen etwas vorschlägt oder verschreibt, was schadet, Diuretika zB. Eine Erhöhung des Flüssigkeitsanteil im Blut wirkt sich positiv auf einen zu hohen Blutdruck aus. Auch die Arterien werden es danken, wenn sie sich nicht mehr so fest zusammenpressen müssen, um das zu wenige Blut vorwärts zu bringen. Weiters vergrößert sich die Oberfläche der Artereien, was natürlich zu einer besseren Versorgung der Zellen führt.

mit diese aussagen fliegen sie in jeder prüfung durch.und zwar zurecht :-/ bin erschüttert über soviel unsinn

Ist schon klar, dass ein Bluthochdrucker nicht gesund werden darf, und schon gar nicht mit solchen banalen Mitteln.
Aber es ist trotzdem so, wie ich es hier beschrieben habe. Dass ich damit bei jeder Prüfung durchfallen würde, kann schon sein. Da wäre ich ja auch eine schlechte Ärztin.

Na, endlich!

Danke, danke, danke!
(D.h., ICH brauch mich ja nicht bedanken, ich hab's ja immer schon gewusst.)
Es ist immer wieder interessant, wie ein einziger ... Liebenswürdiger die Menschheit für Jahrzehnte dazu bringt, sich durch ungesunde Ernährung selbst zu schaden.

Kürzer gefasst:
Im Bluthochdrucker ist zuwenig Flüssigkeit.
Arterien pressen sich zusammen, um das zu wenige Blut auch in die Extremitäten zu schicken.
Salz bindet Wasser.
Salz essen macht Durst, Mensch trinkt.
Mensch enthält mehr Flüssigkeit. Juhuuh.

Aber das Renin-Angiotensin-System ist schon in Ordnung, das weiß schon, was es tut, nur der Hämatokrit steigt dadurch - muss er aber -, und das ist gefährlich.

Mehr Salz zu essen senkt übrigens den Blutdruck, und zwar eben WEGEN des größeren Blutvolumens. Die Arterien haben nämlichen einen ähnlichen Dilatationsreflex wie der Chef.


Und nächste Woche besprechen wir die gesättigten Fettsäuren.
Und übernächste den Zucker.

Und ich hoffe noch auf die baldige Erkenntnis: Bewegung ist ungesund. Couchpotatoes leben gesünder!

Manche Arten von Bewegung sind tatsächlich ungesund. Laufen zB macht auf Dauer die Gelenke kaputt. Eine Couchpotatoe lebt tatsächlich gesünder als ein Läufer, sofern die Sitzfläche und die Rückenlehne im richtigen Winkel zur Erdoberfläche sind und aus den richtigen Materialien besteht. Nur Schwimmen und Sex ist noch gesünder.

Sex im Wasser!

Kann ich aus medizinischer Sicht nicht empfehlen.

Durch die höhere Dichte des Wassers werden Bewegungen erschwert, bzw. kommt es zu Überlagerung von Wellen. Ich würde es nur getrennt machen.

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