Blutdrucksenker Salzdiät?

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Die WHO propagiert seit 2003 den täglichen Salzkonsum auf 5-6 Gramm zu reduzieren
    foto: reuters/nacho doce
    Die WHO propagiert seit 2003 den täglichen Salzkonsum auf 5-6 Gramm zu reduzieren

Jahrzehntelange Debatte um das gefährliche Salz - Zuverlässige Daten noch ausständig

Aktueller Anlass um das Salz ins Visier zu nehmen: Die angeblichen Pläne der EU-Kommission, das beliebte Salzstangerl zu verbieten. Mittlerweile ist bekannt, dass das Salzstangerl bleibt und die EU Österreichs Bäckern nicht vorschreiben will, wie viel Salz in die diversen Teigwaren kommt. Vielmehr ist eine Verordnung zur freiwilligen Ausweisung von Nährwertprofilen geplant, um die irreführende Verwendung des Begriffs „gesundes Lebensmittel" zu Werbezwecken zu verhindern. „Gesund" ist dann nur mehr, was sich nach objektiven Kriterien auch überprüfen lässt.

Alles in allem, ein durchaus redlicher Versuch die Bevölkerung zu gesunder salzarmer Ernährung zu motivieren. Vorausgesetzt es stimmt, dass Salz tatsächlich ungesund ist. Dem Mineral wird nämlich nachgesagt hauptverantwortlich für die Entstehung von Bluthochdruck zu sein. Begründet wurde diese schädliche Wirkung jahrzehntelang folgendermaßen: Wer salzig isst, trinkt mehr und bindet mehr Wasser im Körper. Das Blutvolumen steigt und der Druck auf die Gefäßwände erhöht sich.

Zu einfach

Mittlerweile sind sich Experten zumindest in diesem Punkt einig: So einfach funktioniert der menschliche Organismus nicht. In Wahrheit ist der Salzhaushalt wesentlich komplexer reguliert, wie unter anderem Forscher am Institut für Luft- und Raumfahrt in Köln bereits 2004 bewiesen. Sie entdeckten Wasser unabhängige Salzspeicher in der menschlichen Haut. Die Weltgesundheitsbehörde WHO propagiert indessen seit 2003, den täglichen Salzkonsum auf 5-6g zu reduzieren.

Im Tierversuch bestätigt

Die Debatte um das „gefährliche" Salz wird schon seit den 70er Jahren sehr intensiv geführt. Damals hat ein Tierversuch des US-Forschers Lewis Dahl dem Ruf des Minerals besonders geschadet. Nachdem er Ratten mit salziger Nahrung gefüttert hatte, starben diese bald nach dem ihr Blutdruck zuvor deutlich gestiegen war. Ein Experiment, das wie sich herausstellte, nicht auf den Menschen übertragbar war, denn die verabreichten Salzmengen lagen umgerechnet auf den Menschen bei einem halben Kilogramm täglich.

Kein Mensch würde diese Menge überleben, geschweige denn freiwillig zu sich nehmen. Dennoch wurde das Salz ab diesem Zeitpunkt zum Feindbild gemacht. Die Wissenschaft beschäftigt sich seither mit der Frage: Ist das Salz tatsächlich hauptverantwortlich für Bluthochdruck? Die Intersalt-Studie aus dem Jahr 1988 sollte die Lösung bringen. 10079 Teilnehmer in 32 Ländern nahmen daran teil. Die Validität der damals erhobenen Daten wird seither ebenfalls wiederholt in Frage gestellt, die Ergebnisse völlig diametral interpretiert.

Noch keine Einigung

Im Falle des Salzkonsums scheint also eine Einigung schwierig. Im Jahr 2002 und 2004 hat die Cochrane Collaboration zur Frage der Bedeutung des Kochsalzes als Risikofaktor für erhöhte Blutdruckwerte zwei Reviews veröffentlicht. (Karl-Ludwig Resch, Kochsalz und Bluthochdruck: Abschied von einem lieb gewonnenen Feindbild? Journal für Pharmakologie und Therapie Ausgabe 1/2005, S. 4-13). Die Erkenntnisse kurz zusammengefasst: Für die mittel- und langfristige positive Auswirkung einer Salzrestriktion auf den Blutdruck fehlt es bis heute an zuverlässigen Daten. Die allgemeine Empfehlung für Gesunde sich salzarm zu ernähren kann damit nicht aufrecht erhalten werden. Bei Hypertonikern muss individuell überprüft werden, ob eine Salzreduktion sich blutdrucksenkend auswirkt oder nicht.

Gefährlich Salzdiät?

Wer sich also für die salzarme Kost entscheidet, darf sich hinsichtlich des Blutdrucks keine allzu großen Wunder erwarten. Im Gegenteil - jetzt werden der Salzdiät sogar negative Auswirkungen unterstellt: Ein erhebliches Salzreduzieren lässt angeblich Blutfette ansteigen, macht insulinresistent und aktiviert das Renin-Angiotensin-System. Womit sich Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden wieder erhöht. (phr, DerStandard.at, 6.2.2009)

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