Spitäler melden 2000 tote Zivilisten

6. Februar 2009, 20:33
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Regierung in Colombo sieht Schlussphase des Kampfes gegen die LTTE-Rebellen

Colombo - Bei den schweren Gefechten zwischen der Armee und der tamilischen Rebellenorganisation LTTE im Nordosten Sri Lankas sind nach unabhängigen Angaben mindestens 2000 Zivilisten getötet worden, darunter hunderte Kinder. Mindestens 2000 weitere Unbeteiligte seien zudem in den vergangenen Tagen verwundet worden, erfuhr die Deutsche Presse- Agentur dpa am Freitag aus zuverlässigen Quellen, die sich auf Krankenhäuser und Augenzeugen im Kampfgebiet beriefen und unabhängig von den Konfliktparteien sind.

Mehr als 800 der insgesamt mindestens 4000 Toten und Verwundeten seien Kinder im Alter von unter 15 Jahren, hieß es weiter. Die tatsächliche Anzahl der zivilen Opfer liege vermutlich noch weit über diesen Zahlen, die auf Daten beruhten, die in den vergangenen Tagen eingegangen seien. Es sei davon auszugehen, dass die Anzahl der zivilen Opfer weiter drastisch steige.

LTTE eingekesselt

Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) sind nach Angaben der Armee inzwischen auf einem nur noch 170 Quadratkilometer großen Landstrich an der Nordostküste Sri Lankas von Soldaten eingekesselt. Internationale Hilfsorganisationen schätzen, dass in dem Gebiet noch rund 250 000 Zivilisten festsitzen. Die Armee geht dagegen von etwas mehr als 100.000 Zivilisten im Kampfgebiet aus. Die Hilfswerke haben die Konfliktparteien mehrfach aufgefordert, die Sicherheit der eingeschlossenen Zivilisten zu garantieren.

Angriffe auf Hilfsorganisationen

Die im Konfliktgebiet verbliebenen Hilfsorganisationen wurden unterdessen erneut aus dem Regierungslager angegriffen. Der Abgeordnete Wimal Weerawansa forderte am Freitag, den Chef des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) auszuwechseln. Weerawansa kritisierte, das Rote Kreuz sei nicht neutral, sondern unterstütze die LTTE medizinisch. Das IKRK wies dies zurück.

Kurz nach den Äußerungen des Abgeordneten kam es vor dem IKRK- Hauptquartier in Colombo zu einer gewaltsamen Demonstration, obwohl die Straße durch Sicherheitskräfte abgeriegelt ist. Demonstranten warfen Steine und beschädigten Scheiben des Büros der unabhängigen Hilfsorganisation. Kritiker warfen den Sicherheitskräften vor, die Demonstration zumindest geduldet zu haben. Verletzte gab es nicht.

Präsident Mahinda Rajapakse sagte nach Angaben seiner Regierung in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, die Offensive gegen die LTTE sei keine Bedrohung für die tamilische Zivilbevölkerung im Norden des Inselstaats. Die Streitkräfte hätten vielmehr den Auftrag, die Menschen von einer "brutalen Terrororganisation" zu befreien.

Unterdessen setzte die Armee ihren Vormarsch gegen die LTTE fort. Die Luftwaffe teilte mit, Kampfjets hätten am Freitagabend zwei Angriffe auf eine wichtige LTTE-Stellung geflogen. Seitdem sei die Kommunikation der LTTE unterbrochen. Ein Militärsprecher teilte mit, Truppen hätten in der Küstenregion Chalai die letzte Basis der See- Tiger, der marine-ähnlichen Einheit der LTTE, erobert. (APA/dpa)

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    Armeesoldaten in Mullaitivu, einer der Hochburgen der Tamilen. 

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