Dittrichs Glasmenagerie

4. Februar 2009, 19:20
posten

Verkauf einer österreichische Studioglas-Sammlung

Heilbronn - Im Gegensatz zu den akribisch gestalteten Glaskunstwerken des Biedermeiers oder aus der Zeit des Jugendstils, überzeugen Objekte der Kategorie Studioglas mit kleinen Blasen, Schlieren und teils wundersamen Formen. Charakteristisch für die in den 60er-Jahren von den USA ausgehende Bewegung steht der am Ofen selbst experimentierende Künstler und die an handwerklicher und künstlerischer Gestaltung von Unikaten orientierte Ausführung. Auf den Markt kommen diese Wunderwerke nur sporadisch, meist in den allgemeinen Glasauktionen versteckt. Mit einer Ausnahme.

Dreimal jährlich pilgern Liebhaber des Spezialsegments Studioglas in das Heilbronner Auktionshaus "Dr. Jürgen Fischer". Weltweit und bis nach Übersee werden die gläsernen Wunderwerke dann verkauft. Das vor mehr als drei Jahrzehnten gegründete Familienunternehmen hatte sich ursprünglich auf den Gebieten der Fayence, Steinzeug sowie siebenbürgischem Kunsthandwerk einen Namen gemacht.

Am 12. Februar steht nun der erste Teil einer österreichischen Privatsammlung auf dem Programm, die um die 450.000 Euro bringen könnte. Der Vater dieser über Jahrzehnte zusammengetragenen Kollektion ist Alfred Dittrich. In Fachkreisen ist der mittlerweile pensionierte Banker vor allem für seine Kennerschaft auf dem Gebiet der tschechischen Glasszene legendär. Die zeitliche (nach 1945) und geografische Einschränkung begründet Dittrich im Vorwort des Kataloges schlicht mit Platzmangel.

Nun will sich Dittrich von 441 seiner Glasobjekte trennen. Zunächst kommen 205 Kunstwerke zur Versteigerung, im Dezember 2009 dann die Verbliebenen. Die aktuellen Schätzwerte liegen zwischen 330 Euro für einen Briefbeschwerer des Designers Karel Wünsch (geb. 1932) oder 450 Euro für den mit Goldmalerei verzierten Drachenbecher Frantisek Tejmls (1933-2004) sowie bis zu 4500 Euro für eine Skulptur aus geblasenem Lampenglas der Glasbildhauerin Vera Lisková (1924-1985). (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2.2009)

 

Share if you care.