Der Villacher, den es doppelt nach Vancouver zieht

4. Februar 2009, 19:22
1 Posting

Erstmals bei Österreichs Eishockeyteam dabei ist der Kärntner Michael Grabner, der von den Canucks gedraftet wurde und auf eine NHL-Karriere hofft

Hannover/Wien - Das traf sich nicht schlecht. Die Vancouver Canucks würden sich glücklich schätzen, könnten sie den Olympia-Fans in einem Jahr zumindest einen ihrer Cracks präsentieren. Dieser Crack, der dann quasi Heimvorteil hätte, könnte ein Villacher sein. Michael Grabner hatte also kaum Probleme, die Freigabe fürs Team zu bekommen, das in Hannover heute, Donnerstag, gegen Slowenien, am Samstag gegen Deutschland und am Sonntag gegen Japan um die Olympia-Quali spielt.

Die Canucks hatten auch insofern ein Einsehen, als sie Grabner (noch) nicht in ihrer NHL-Truppe einsetzen. Er geht fürs Farmteam, für Manitoba Moose, in Winnipeg und in der AHL (American Hockey League) auf Torjagd, ist mit 19 Treffern in 38 Partien erfolgreichster Scorer des Klubs. "Zu Saisonbeginn ist die Scheibe nicht reingegangen", sagt der 21-Jährige, "eigentlich müsste ich bei dreißig Toren stehen." Nicht auszuschließen ist, dass er noch in dieser Saison zu seinem NHL-Debüt kommt. Die Canucks, die gestern Carolina empfingen, hatten zuletzt achtmal en suite daheim verloren.

Insofern muss sich Grabner hin- und hergerissen fühlen. Einerseits hat er sich zu freuen, wenn "sein" Klub Vancouver in der NHL gewinnt, andererseits kommt er wohl eher zu NHL-Einsätzen, wenn Vancouvers Stürmer Ladehemmung haben. Oder sich gar verletzen. Grabner: "Natürlich wünsche ich keinem, dass er sich verletzt. Andererseits ist das meine größte Chance." 2006 wurde er von den Canucks als Nummer 14 gedraftet, er war 18 Jahre alt. Mit 16 war er von Villach zu den Spokane Chiefs übersiedelt, bei denen er sich in der höchsten kanadischen Juniorenliga durchsetzen konnte. Drei Vorbereitungscamps bestritt er mit Vancouver, im vergangenen Herbst wurde er erst sehr spät nach Winnipeg zurückgeschickt.

Stärken des 1,83 Meter großen und 82 Kilogramm schweren Flügelstürmers sind seine Schnelligkeit, seine Stocktechnik, sein Zug zum Tor. Er ist kein echter Riegel, sieht sich selbst "eher auf der dünnen Seite". Da kommen ihm die neuen Eishockeyregeln in Nordamerika zugute, die kleineren Spielern mehr Möglichkeiten als früher geben. Grabner: "Es gibt einige NHL-Spieler meines Typs, die sich sehr gut behaupten." Sein Vorbild derzeit ist der 20-jährige Patrick Kane, der für die Chicago Blackhawks stürmt. Vancouver hat Grabner bereits bis 2011 gebunden, mit einem sogenannten Zweiwegvertrag. Kommt er in der NHL zum Einsatz, verdient er zehnmal so viel wie in der AHL. Abgerechnet wird pro Tag, drei Tage NHL wären also schon gleich viel wert wie ein Monat AHL.

Beim 4:0 Österreichs im Test gegen Dänemark gab Grabner seinen ersten Assist im Team. Das erste Tor könnte er sich für die Olympia-Qualifikation aufgehoben haben. Mit Oliver Setzinger und Philipp Lukas bildet er jedenfalls die schnellste Angriffslinie Österreichs. Möglich, dass sie in Hannover so richtig einschlägt. Und dass dann nicht nur Grabner in Vancouver geigt. Früher oder später. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 5. Februar 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Grabner spielt in Hannover mit Österreich ums Ticket für die Spiele 2010. Er hätte in Vancouver sozusagen Heimvorteil.

Share if you care.