Pfiffe und Applaus für Merkels Papst-Rüffel

4. Februar 2009, 18:53
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Die deutschen Bischöfe streiten über die Rehabilitierung von "Holocaust-Bischof" Williamson

Als am Mittwoch die Meldung aus dem Vatikan kam, dass der britische Bischof Richard Williamson seine Äußerungen über den Holocaust widerrufen müsse, da konnte man sich im Berliner Kanzleramt eine stille Genugtuung nicht verkneifen. Schließlich war es die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gewesen, die tags zuvor den Papst in ungewöhnlicher Schärfe zu einer Klarstellung aufgerufen hatte. Tenor: Der Vatikan müsse deutlich machen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben könne.

Dieser Papst-Rüffel brachte Merkel in Deutschland einerseits Lob ein. "Hochachtung und Anerkennung" zollte etwa der Zentralrat der Juden. Zustimmung bekam Merkel auch von der Kirchenbeauftragten der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach (CDU). Sie wies darauf hin, dass das Leugnen der Judenvernichtung in Deutschland ein Straftatbestand sei.

Als "unbegreiflich und empörend" bezeichnete hingegen der katholische Bischof aus dem bayerischen Eichstätt, Gregor Maria Hanke, Merkels Intervention. Er sei bestürzt, "wie derzeit sogar von offizieller staatlicher und politischer Seite die Integrität von Papst Benedikt XVI. infrage gestellt wird".

Denn grundsätzlich gilt in Deutschland: Die Politik mischt sich nicht in kirchliche Angelegenheiten ein, die Kirchen halten sich dafür aus der Politik heraus. Protestantin Merkel habe sich vor dem "Hintergrund der Geschichte" ja auch "nicht zu einer kirchlichen Angelegenheit" geäußert, sondern zu einer "politischen", erklärte Merkels Sprecher, Ulrich Wilhelm am Mittwoch.

Streit gibt es auch unter den deutschen Bischöfen. Während Gerhard Ludwig Müller (Regensburg) der Meinung ist, der Papst habe keinen Fehler gemacht und müsse sich auch nicht entschuldigen, fordert der Berliner Erzbischof Georg Sterzinsky den Papst zur Rücknahme seiner Entscheidung auf: "Das muss in Ordnung gebracht werden." (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2009)

 

 

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