Sigrid Pilz

Opfer von Intrigen sehen anders aus

04. Februar 2009 18:42

Woran Voggenhuber wirklich gescheitert ist

Die Grünen haben die Basisdemokratie aus ihrem Programm entfernt" , begründet Johannes Voggenhuber seinen endgültigen Rückzug von der Wahlliste für die EU-Kandidatur. Schade, dass ein streitbarer und kluger Grüner so Abschied nimmt. Sein Ansinnen, mit diesem Abgang auch gleich den Abgesang auf zentrale grüne Werte anzustimmen, muss aber als illegitime Rechtfertigung eigenen Scheiterns zurückgewiesen werden. Genauso wie die Kritik grüner Promis, Funktionärsdemokratie hätte Basisdemokratie ersetzt, oder die Polemik, die Grünen fürchteten ihre Wähler.

Die mehrfach geäußerte Warnung, unsere Wähler/innen würden nicht verstehen, warum Voggenhuber nicht auf der grünen EU-Wahlliste aufscheint, ist jedoch sehr ernst zu nehmen. Daher einige Klarstellungen, die Voggenhuber und seine Unterstützer ihren Sympathisanten offenbar schuldig geblieben sind.

Verschwörungsphantasien

Voggenhuber ist bei der internen Wahl - die übrigens nicht eine abgehobene Bundesspitze, sondern rund 250 Delegierte vorgenommen haben - angetreten mit der Festlegung "Für mich der erste Platz, oder ich gehe!" Er unterlag und ist gegangen. Schade, denn er hat damit mir und vielen anderen Grünen die Chance genommen, ihn hinter einer starken neuen weiblichen Spitze ins Rennen um die EU-Mandate zu schicken. Hat er nach dieser Aktion eigentlich der Basis oder seinen Wählern erklärt, warum er mit seinem eitlen Beharren auf die Alfa-Rolle verhindert hat, dass der Name Voggenhuber auf dem Wahlzettel steht? Wenn er nun argumentiert, die Parteispitze hätte seine Abwahl monatelang geplant und der zweite Platz wäre daher aussichtslos gewesen, dann äußert er absurde Verschwörungsphantasien, diskreditiert die Delegierten als fremdbestimmt und zeigt fehlendes Selbstbewusstsein.

Warum haben die Grünen nach Voggenhubers verlorenem Pokerspiel um Platz eins aber seine überraschende Bewerbung um eine Solidaritätskandidatur auf den hinteren Rängen verhindert, fragen sich viele Beobachter. Sie können nicht nachvollziehen, dass für den renommierten EU-Parlamentarier sogar explizit dort kein Platz sein sollte, wo viele Grüne nur als Zeichen ihrer Unterstützung unwählbare Listenplätze bevölkern. Dieses Nein aber, übrigens wiederum nicht von der Bundesspitze, sondern von allen Länder-Delegierten ausgesprochen, galt nicht der vermeintlichen Solidarität. Es galt dem Versuch, sich - ohne von der Basis gewählt zu sein - mit einer Kampfkandidatur gegen gewählte Spitzenkandidatinnen und die neue Parteiführung in Stellung zu bringen und damit den kommenden Wahlkampf zu einer Konfliktpartie unter Grünen zu machen.

Die Chance, auf einem Listenplatz für die Grünen ins Rennen zu gehen, hat Voggenhuber mit seinem voreiligen Rückzug am Bundeskongress ohne Not selbst zerstört. Schwerer aber wiegt der Schaden, den das grüne Projekt in dem daraus entstandenen Konflikt genommen hat. Wichtige Entscheidungen brauchen nämlich verlässliche und gesicherte Strukturen. Voggenhuber stellt sich öffentlich als Opfer einer Intrige dar und hat damit grüne Freunde quer durchs Land und durch die internen Parteiströmungen in Geiselhaft genommen. Vor allem jene haben viel zu verlieren, die vor Landtagswahlen stehen und geeinte grüne Kräfte brauchen. Wer aber demokratische Entscheidungsstrukturen aushebeln will, weil sie eigenen Interessen im Wege sind, dient nicht der Basisdemokratie, wie Voggenhuber vorgibt, sondern stellt sie infrage. Die populistische Umdeutung des Vorgefallenen in sein Gegenteil ist allerdings eine kommunikative Meisterleistung des EU-Parlamentariers. Man erinnere sich: Voggenhuber ist mit 45,3 Prozent Zustimmung gegen Lunacek auf Platz eins nur knapp und respektabel unterlegen. Opfer von Intrigen sehen anders aus. (Sigrid Pilz/DER STANDARD-Printausgabe, 5. Feber 2009)

 

Sigrid Pilz ist Mitglied des Bundesvorstandes der Grünen.

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Banal Grande
08.06.2009 13:11
Opfer von Intrigen sehen anders aus

Sieger auch. Aber solange die Richtung stimmt, kann es so weitergehen.

Helmut.Hromadnik
 
10.02.2009 16:21
danke ! ein wirklich fairer kommentar.

Weltfremd ?
09.02.2009 22:56
Die Grünen sind für mich ohnehin

nicht mehr wählbar. Mit der seltsamen Einstellung bezüglich der Gelichstellung von Homosexuellen, bitte nicht missverstehen, sie sollen alle Freiheiten haben, aber sie baruchen keine Unterstützung des Staates und der seltsam verstandenen Gleichberechtigungsdebatte zwischen Frauen und Männern, die nicht dieses Ziel wirklich im Auge hat, haben sie meine Unterstützung verloren.
Es wird schwierig in der österreichischen Parteienlandschaft eine Stimme bei Wahlen abzugeben.

emanze c
08.06.2009 08:50

"nicht mehr wählbar"?
Dieser Satz:
"seltsamen Einstellung bezüglich der Gelichstellung von Homosexuellen"
outet sie als Ohnehin-Nie-Wähler der Grünen.

Nissia
27.03.2009 18:23
Nur die Grünen unterstützen noch die Elektroindustrie gegen ihre WählerInnen.

typisch für solche Grünen: erstenm Platz wegschnappen; aber ja seine arbeit und seine waählerInnen behalten wollen. Der Voggenhiber weiß schon warum er gegangen ist.

a propos bitte verbreiten.
WEITERLEITEN - Veröffentlichen
1) Petition gegen Glühbirnenverbot -
http://www.gopetition.com/online/24092.html (Glühlampen)

Gegen die Quecksilber Giftleuchten (u.a. Unbehagen, Depressionen, Epilepsie, Migränen, Haut- und Augenschäden, leichenhafte Beleuchtung, Sondermüll). Findet einen massiven Anklang: http://www.gopetition.com/petitions... tures.html

Mehr hier :
www.lichtundgarbe.at ;
http://blog.iwenzo.de/2009-absc... gluhlampe/ [mit importtipps, tabelle: unter 2% des HAUSHALTSVERBRAUCHS!] und echte Infos)

www.pro-gluehbirne.de

Krank durch energiesparlampen (Leuchtstoffröhren) :
http://www.engon.de/c4/theori... lampen.htm

www.profil.at/articles/... -industrie

Die Grünen im Bett mit der Industrie:
http://www.libertarianz.org.nz/?libzpr=521

Nur die Grünen und die Elektroindustrie unterstützen die Zwangsumstellung auf Quecksilberleuchten: http://www.wienerzeitung.at/DesktopDe... cob=403903


snakeskin09
09.02.2009 09:24
Dialektisch hervorragend

Also V. darf deshalb nicht auf dem letzten Platz kandidieren, da er sich um den zweiten Platz (der ihm übrigens nie angeboten wurde) nicht bewerben wollte. Letzter Platz ist Kampfkandidatur, zweiter Platz wäre Solidaritätskandidatur?
Es kommt aber noch besser. V. ist schuld, wenn die Grünen die EU-Wahl verlieren.
Da baut schon jemand für die Niederlage vor.

emanze c
08.06.2009 08:53

Sie verkennen dass, bei einer Annahme des 2. oder 3. Listenplatzes die bedenkliche Stimmung(smache) nicht entstanden wäre. NACH der populistischen Kommunikation einer "parteiinternen Intrige" bestand die reale Gefahr, Voggenhuber könnte versuchen, sich über Vorzugsstimmen vor Lunacek zu setzen. Dieser Versuch hätte unweigerlich Selbstzerfleischung und gegenseitige Demontage, also noch größeren Schaden für die wahlkämpfende Partei gebracht.

Ihre plakative Darstellung "letzter Listenplatz vs. 2. Platz" entbehrt somit jeglicher Substanz.

MisterHyde
10.02.2009 15:30

natürlich wurde ihm der zweite Platz angeboten! So ist meines Wissens nach der Grüne Wahlmodus, wer auf Platz eins scheitert kann danach auf Platz zwei kanditieren - außer er verlässt den Kongress, dann eben nicht...

echtzeit2
10.02.2009 16:10
*ggg*

...also angeboten wurde Voggenhuber gar nix. Da hätte man sich die Hauptarbeit der ersten Hundert Tage Glawischnig gleich sparen können. Das Glawischnig, von Anbeginn ihrerer Tätigkeit als Bundessprecherin, sich von Voggenhuber gekränkt fühlte, liegt auf der Hand. Voggenhuber kritisierte heftig, die Vorgangsweise der "Inthronisierung" Glawischnig's an den Gremien vorbei auf den Sitz der Bundesprecherin durch Vorgänger Van der Bellen. Dazu hat sich übrigens kein Gremium im nachhinein geäussert. Auch nicht der erweiterte Bundesvorstand.
Glawischnig's Reisen durch die Bundesländer hatte nicht nur das Ziel der persönlichen Vorstellung bei den Ländern; Das Thema Voggenhuber hat da schon auch eine Rolle gespielt ...

Bodo Steinbrech
 
08.02.2009 19:40
Der Fall stellt 2 Fragen

Beherrschen sie a) das politische Handwerk nicht
oder B) sind sie einfach nur dumm?

Die 2 Frage lautet: "Oder" oder doch "und"

Noch nie eine sooo schlechte Abwahl eines misliebigen Mandatars erlebt!
Noch nie sooo schlechtes Krisenmanagement!
Und dabie sind wir in Ö ja einiges gewöhnt!
Sowohl was schlechte wechsel als auch schlechtes Krisenmanagement angeht.

Außerirdischer
06.02.2009 12:54
Wenn es watschelt wie eine Ente, wenn es quakt wie eine Ente, dann...

...ist es vielleicht auch eine Ente?

Anders gesagt: es sieht einfach aus wie ein Machtkampf!

langbeinige alexa21
06.02.2009 13:56
sieht nur so aus

der erweiterte bundesvorstand hat erklaert es ist keine ente und ganz sicher keine maennliche ente und man sollte idese entscheidung die im uebrigen fast einstimmig getroffen wurde respektieren.

die spitze der partei hat mit dieser entscheidung auch gar nichts zu tun.

igov
06.02.2009 08:18
Ich kann leider die angeblich starke neue Spitze

nirgends erkennen. Es ist nun einmal so, dass Frau Lunacek noch nie öffentlich aufgefallen ist. Sie hat kein Profil, sie steht für keine Inhalte, niemand würde sie auf der Strasse erkennen. Sie ist eine verwechselbare Funktionärin die sich vielleicht durch solidarische Arbeit hochgedient hat. Das ist nicht das Jobprofil einer Spitzenkandidatin. Warum verwechseln die Grünen immer noch interene Wertschätzung mit öffentlicher Wirksamkeit. Kein Mensch wählt eine Partei der MusterschülerInnen die nicht auffallen wollen oder können nur weil gleich viele unbekannte und sorry uninteressante Weiblein und Männlein auf der Liste stehen.

Erinaceidae
07.02.2009 20:10

Nie in erscheinung getreten? Ulrike Lunacek ist immerhin eine der beiden SprecherInnen der Europäischen Grünen. Das bedeutet, dass sie von Delegierten aus verschiedensten Ländern gewählt wurde. Auf einem Kongress der Europäischen Grünen. Da braucht man schon Erfahrung und Standing um gewählt zu werden!

Wyle E. Koyote
10.02.2009 16:58
aber kein

mandadat SCNR

snakeskin09
09.02.2009 09:20
Umso schlimmer, dass man sie in Österreich nicht kennt.

kyselak3
 
05.02.2009 23:28
immerhin

bei den grünen rauft man um eine kandidatur für das europa-parlament.

bei rot und schwarz wird man dazu verurteilt.

neutral ino
06.02.2009 15:21

das darum gerauft wird, liegt ja nur daran, dass die freundin von der lunacek in brüssel wohnt. dass sie nach 15 jahren fernbeziehung, endlich eine normale beziehung führen will, ist ja verständlich. eigentlich eh rührend, wie sehr sich die grüne parteispitze um leute kümmert, die ihr wohlgesonnen sind.

perigord
 
09.02.2009 09:41
das ist eine

ganz extrem unsympathische Argumentation.

Einfach widerlich!

Akim
09.02.2009 08:19
Home, sweet home

Glauben Sie allen Ernstes, irgendein EU-Abg. tut sich das permanente Rotieren zwischen Heimat, Straßburg, Brüssel etc. und überhaupt die Politik an, um ein beschaulicheres Familien- oder Beziehungsleben zu führen? Da gibt's bequemere Wege und Lebensprojekte. Fragen Sie mal J.V. (oder den Abg. Mölzer, der diesen Widersinn verzapft hat), wie förderlich so ein Job dem eigenen Beziehungsleben war und ist.

neutral ino
09.02.2009 10:14

ob es bequemere wege gibt, oder nicht, ist irrelevant. die grünen haben, zu recht, immer auf mögliche interessenskonflikte, freunderlwirtschaft, etc. in ministerien etc. aufmerksam gemacht. das kann man aber nur so lange glaubhaft machen, so lange man sich nicht selber für ähnliche verdächtigungen angreifbar macht. und der beste weg dafür ist vorher auf einen MÖGLICHEN interessenskonflikt aufmerksam zu machen - die tatsache, dass frau lunacek in zukunft näher an ihrer lebenspartnerin ist, ist so ein MÖGLICHER interessenskonflikt. der wähler hat ein recht darauf darüber informiert zu sein und dann selber zu entscheiden, ob es für ihn einen interessenskonflikt darstellt.

4simo
 
09.02.2009 13:00
und zur verunglimpfung einer politikerin braucht man nichtmal mehr

reale interessenskonflikte, sondenr muß man sich an mögliche halten!
frau lunack ist eine erfahrene politikerin, die aus keinem andern grund als diesen gewählt wurde,

fischbau
05.02.2009 19:41
spannender wie der fall voggenhuber

die reaktionen der grünen sprechen nun mehr für sich (leider nicht für sie), als der fall voggenhuber.

veryfine 2
05.02.2009 19:23
reinles

erstaunlich! Voggenhuber ist eh weg! Jetzt gehts um den Scherbenhaufen! Viel Glück beim Aufräumen! Aber der Artikel von Pilz soll wohl sagen, dass er für künftige Wahlverluste auch verantwortlich ist! Wie praktisch!

Marcus Octavio
 
05.02.2009 18:35
und was ist nun der unterschied der grünen zu den anderen parteien?

da war ja die fpö bei der letzten wahl mutiger, als man mölzer kandidieren ließ und auch den vorzugsstimmenwahlkampf zuließ.
wer hätte die grüne spitze dran gehindert für diese zwei außerordentlichen kapazunder lunacek und lichtenberger einen vorzugsstimmenwahlkampf zu führen, der den von voggenhuber überflügelt.
man hat einfach angst, wollte genau das vehindern, das eingestehen der eigenen schwäche.

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