"Böse Banken" bereiten Probleme

4. Februar 2009, 17:42
33 Postings

Mit "bösen Banken" sollen die Bankbilanzen aufgepäppelt werden. Kritik an der Lösung kommt von Experten

Wien - In Österreich werden Stimmen gegen "Bad Banks" als Mittel gegen die Finanzkrise laut. Diese "bösen Banken" sind eigens geschaffene staatliche Institute, die marode Wertpapiere aus den Bankbilanzen in ihre Bücher nehmen sollen, um die Finanzkrise zu lindern. Klaus Liebscher, ehemaliger Gouverneur der österreichischen Nationalbank, warnte im ORF-Morgenjournal, dass die Risiken von "bösen Banken" hoch seien. Zudem werde das staatliche Budget belastet und die Gefahr bestehe, dass Österreich sein eigenes Kredit-Rating - die Kreditwürdigkeit der Republik - durch eine derartige Maßnahme verschlechtere.

Gefordert von US-Experten

Liebscher äußerte damit Kritik an einer Lösung, die derzeit besonders in den USA von Experten gefordert wird. Die Probleme im Bankensektor sollen dadurch an der Wurzel gepackt werden: Denn Geldinstitute lechzen weltweit nach frischem Kapital und ächzen unter den Verlusten, die ihnen durch hochriskante Wertpapiere in ihren Bilanzen drohen.
Die bösen Bankensollen den Geschäftsbanken diese Wertpapiere abkaufen. Weiteren Abschreibungsbedarf auf die Wertpapiere sollen die staatlich geschaffenen Institute vornehmen.

Doch zahlreiche Probleme ergeben sich bei den bösen Banken:

Wertpapiere: Die erste Frage ist, welche Wertpapiere die böse Bank kaufen soll. So könnten Hypothekenkredite, Unternehmensanleihen und strukturierte Produkte von den Banken erworben werden. Doch viele der problematischen Wertpapiere sind sehr komplex.

Preis: Die wichtigste Frage bei einem Bad-Bank-Schema ist allerdings, zu welchem Preis die einzelnen Wertpapiere gekauft werden. Franz Hahn, Forscher am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo, glaubt, dass es lange dauern könnte, überhaupt einen Preis zu finden, denn oft gebe es für die Anlagen derzeit keinen Markt, also auch keinen Preis. Die böse Bankmuss aber mit den Geschäftsbanken auf einen Nenner kommen und auch laufend die Papiere bewerten.

Finanzierung/Verluste: Während die Bad Bank die Wertpapiere in den eigenen Büchern stehen hat, könnten weitere Verluste anfallen. Diese belasten das Eigenkapital der bösen Bank. Daher könnte der Staat auch nach der Schaffung der Bank erneut zur Kassa gebeten werden, um Verluste der Bad Bank abzufedern.

Organisation; Ganz praktisch ist auch die Frage nach der Administration noch nicht beantwortet. Allein die Suche nach den richtigen Preisen der Wertpapiere sei mit "enormem Aufwand" verbunden, so Wirtschaftsforscher Hahn. Die böse Bank benötigt jedenfalls zahlreiche Analysten, die regelmäßig die Wertpapiere bewerten und überwachen.

Rückwicklung: Am Ende der Laufzeit des Schemas wird ein Kassasturz gemacht und die Frage gestellt,welche Kosten die Bad Bank im Staatshaushalt über die gesamte Dauer verursacht hat. Geht es nach Wirtschaftsforscher Hahn, sollten die Verluste aus dem Programm von den Banken getragen und die Gewinne sozialisiert werden. Nur dann könnte die Politik der Öffentlichkeit das richtige Signal geben.

Teufel steckt im Detail

Der Teufel bei den Bad Banks steckt im Detail, doch die Befürworter werden nicht müde, den Erfolg dieses Ansatzes etwa in der schwedischen Bankenkrise der 90er-Jahre zu beschwören.
Doch die Situation heute ist nicht leicht mit der schwedischen Krise zu vergleichen, warnt Hahn. Damals lösten einfach gestrickte, heimische Hypothekenkredite den Absturz aus. Das Epizentrum der aktuellen Finanzkrise sind aber hochkomplexe, stark verschachtelte Finanzprodukte. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2.2009)

 

Share if you care.