Das Kunsthistorische – ein Bordell

4. Februar 2009, 17:39
27 Postings

KHM-Direktorin distanziert sich von der Abbildung des Museums in einer Werbung fürs Etablissement Babylon

Wien - An den lasziven Damen in Dessous, die mit Engelsflügeln auf einem übermannshohen Leuchtplakat für das Babylon werben, geht man nur mit Mühe emotionslos vorüber. Manch einer meint, dass die Ankunftshalle des Flughafens in Wien-Schwechat kein passender Ort dafür wäre. Aber nur wenige lenken den Blick aufs Wesentliche - und stellen sich die Frage, warum gerade das Kunsthistorische Museum als Puff dient.

In der Tat stellen sich die Damen auf der prächtigen Stiege des KHM zur Schau. Sabine Haag, der neuen Generaldirektorin, ist das Plakat peinlich: "Ich distanziere mich ganz entschieden von der Vermietung unserer Räumlichkeiten an fragwürdige Unternehmen" , sagt sie.

Vorgefallen ist die pikante Angelegenheit unter ihrem Vorgänger Wilfried Seipel: "Am 5. Dezember 2006 hat die Repro-Abteilung des KHM die Hauptstiege für Film- und Fotoaufnahmen an die Saiko Film KEG vermietet, die ein Musikvideo für das Label Vienna Scientists unter der Regie von Hannes Rossacher aufnehmen wollte", so Haag.

"Das KHM wurde nicht davon in Kenntnis gesetzt und hätte auch damals nicht die Genehmigung erteilt, dass dieses Video vom Etablissement Babylon für Werbezwecke weiterverwendet werden darf und hat danach rechtliche Schritte dagegen eingeleitet. Leider ohne Erfolg." Eines aber ist unbestritten: Nirgendwo sonst gibt es mehr barbusige Frauen als im KHM. Vor allem aus der Barockzeit. (trenk / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2.2009)

  • In der Ankunftshalle des Flughafens: Werbung fürs Babylon. 
 
 
    foto: standard/urban

    In der Ankunftshalle des Flughafens: Werbung fürs Babylon.

     

     

Share if you care.