TV-Schwerpunkt für eine Industriespionin

4. Februar 2009, 17:34
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Sieben Spielfilme und eine Dokumentation über die eigenwillige Schau­spielerin ab 5. Februar

"Der Oscar", sagte die frischgebackene Preisträgerin Tilda Swinton im Vorjahr ganz nüchtern, "das ist eine Auszeichnung einer Industrie für ein Industriebauteil. Die Oscars haben überhaupt nichts mit Kunst zu tun. Kunst ist ein amorphes, unbeurteilbares Ding. Ich habe ein sehr beiläufiges Verhältnis zu der Idee, dass ich ein Bestandteil einer Industrie bin. Es ist etwas, mit dem ich spiele, aber mein persönlicher Schwerpunkt oder meine Energien sind nicht darauf gerichtet."

Avantgarde- und Autorenkino

Groß geworden ist die inzwischen 48-jährige Schottin schließlich nicht in Hollywood, sondern in einem ganz anderen filmischen Kontext: dem britischen Avantgarde- und Autorenkino der 80er- und frühen 90er-Jahre - mit "Friendship's Death" von Peter Wollen, als Orlando bei Sally Potter, vor allem jedoch in den Filmen des Malers Derek Jarman. Den Verlust oder vielmehr die Preisgabe dieses Umfelds, an dessen Stelle inzwischen nebulose, sogenannte "creative industries" mit  politischer und finanzieller Unterstützung rechnen dürfen, hat Swinton etwa im Dokumentarfilm Derek wortgewaltig angeklagt.
Sich selbst sieht sie im Gegenzug als eine Art "Industriespionin" auf Sets von Großproduktionen und weiterhin als Partnerin von Filmemachern, die ihren neugierigen Zugang zum Kino teilen.

2008 war die schlaksige, rothaarige Wandelbare als Hochleistungsanwältin in "Michael Clayton", als entfesselte Trinkerin in "Julia", als Weiße Hexe in "Die Chroniken von Narnia" und als rigide Kinderärztin in "Burn after Reading" zu sehen. Zwischendurch hat sie den unterversorgten Kinonärrischen an ihrem Wohnort Nairn erstmals ein eigenes kleines Filmfestival ausgerichtet. Das "Ballerina Ballroom Cinema of Dreams" brachte Fassbinder und Kurosawa und Evergreens wie "Singin' in The Rain" oder "Miss Marple".

Schwerpunkt auf 3sat

Swintons Fans im Einzugsgebiet von 3sat werden ab 5. Februar mit sieben Spielfilmen mit der und einer Dokumentation über die eigenwillige Schauspielerin bedacht. Sie selbst fungiert währenddessen als Jury-Präsidentin der Berlinale. (Isabella Reicher, DER STANDARD; Printausgabe, 5.2.2009)

 

Tilda Swinton-Schwerpunkt auf 3sat

"Am Ende einer Flucht - The Statement": Donnerstag, 5. Februar 2009, 21.00 Uhr (Spielfilm Kanada/Frankreich/USA 2003, Regie: Norman Jewison

"Young Adam - Dunkle Leidenschaft": Freitag, 6. Februar 2009, 22.25 Uhr (Spielfilm, Großbritannien 2003, Regie: David Mackenzie)

"Caravaggio": Samstag, 7. Februar 2009, 20.15 Uhr (Spielfilm, Großbritannien 1986, Regie: Derek Jarman)

"Teknolust": Dienstag, 10. Februar 2009, 23.00 Uhr (Spielfilm, USA/Deutschland/ Großbritannien 2002, Regie: Lynn Hershman-Leeson)

"Orlando": Mittwoch, 11. Februar 2009, 22.25 Uhr (Spielfilm,Großbritannien/Russland/Frankreich/Italien/Niederlande 1992, Regie: Sally Potter)

"The War Zone": Donnerstag, 12. Februar 2009, 22.25 Uhr (Spielfilm, Großbritannien 1998, Regie: Tim Roth)

"Female Perversions - Phantasien einer Frau": Freitag, 13. Februar 2009, 22.25 Uhr (Spielfilm, USA 1996, Regie: Susan Streitfeld

  • Tilda Swinton als schöne Replikantin in "Teknolust": 3sat zeigt den Film am 10. Februar um 23.01 Uhr.
    foto: zdf/mark garrett

    Tilda Swinton als schöne Replikantin in "Teknolust": 3sat zeigt den Film am 10. Februar um 23.01 Uhr.

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