Stauffenberg-Rüge für Graf

4. Februar 2009, 17:17
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Vergleich mit Widerstandskämpfer empört dessen Tochter

Berlin/Wien - Der Versuch des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ), seine Politik und seinen Widerstand gegen Rücktrittsforderungen von vielen Seiten in die Tradition des deutschen Widerstandskämpfers und Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu stellen, sorgt in der Familie des Hitler-Attentäters für Empörung. Stauffenbergs Tochter, Konstanze von Schulthess, erklärt dem Standard, die Äußerungen Grafs seien "historisch falsch" und "besonders schlimm" .

Graf hatte in einem "offenen Brief" an den Grünen-Abgeordneten Alexander Van der Bellen Parallelen zwischen ihm selbst und Stauffenberg gezogen: Er wie auch der Hitler-Attentäter kämen aus dem national-freiheitlichen "burschenschaftlichen" Lager. Und er wies darauf hin, dass Stauffenberg und seine Gruppe nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 für ihre Ideale mit dem Leben bezahlt hätten.

Diesen Vergleich weist Stauffenbergs Tochter von Schulthess entschieden zurück. "Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte definitiv keinem ‚national-freiheitlichen, burschenschaftlichen Lager‘ an, wie der Herr Abgeordnete in seinem offenen Brief behauptet" , kritisiert sie.

"Wirklich bedauerlich" ist für sie aber nicht nur "die historische Falschmeldung" . Von Schulthess: "Als besonders schlimm erachte ich den Wunsch, den Widerstand des 20. Juli 1944 gegen den nationalsozialistischen Terror in späteren Jahrzehnten zu beliebiger aktuell politischer Münze zu missbrauchen." Graf reihe sich mit seinem Brief "in eine lange Kette solcher Zweckepigonen zwischen ganz linkem und ganz rechtem politischen Spektrum seit 1945 ein" .

Stauffenberg hatte mit einer Gruppe Gleichgesinnter am 20. Juli 1944 versucht, Hitler zu töten. Dieser aber überlebte das Bombenattentat in Ostpreußen, das unter dem Decknamen "Operation Walküre" geplant worden war. Stauffenberg wurde noch am selben Tag in Berlin hingerichtet. Seine Tochter Konstanze kam im Jänner 1945 zur Welt, sie lebt heute in der Schweiz. (bau/DER STANDARD-Printausgabe, 5. Feber 2009)

 

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