"Aktion scharf" gegen Plakatflut

4. Februar 2009, 17:14
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Der Schilderwald ufert im Kärnten-Wahlkampf aus, in Salzburg übt man sich in Selbstbeschränkung

Salzburg/Klagenfurt - Der Wahlkampf in Salzburg und Kärnten ist in die Intensivphase getreten. In beiden Bundesländern werden am 1. März Landtags-, Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen gleichzeitig abgehalten.

In Kärnten ergießt sich dabei eine wahre Anzeigen- und Plakatflut über das Wählervolk. Unzählige Politikerkonterfeis säumen daher in Kärnten Straßen und Plätze - sehr zum Ärger vieler Passanten und Autofahrer. In Villach und Spittal/Drau wurde bereits eine "Aktion scharf" gegen den überwuchernden Schilderwald ausgerufen. Etwa die Hälfte aller Plakatständer wurde dort entfernt. Auch inKlagenfurt überlegt man Ähnliches.

In Kärnten hoffen vor allem BZÖ, SPÖ, ÖVP und FPÖ, ehemalige Wähler aus ihren Reihen, die der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider an sich gebunden hatte, zurückzuerobern.
Das BZÖ verzichtet zwar darauf, seinen toten Parteigründer abzubilden, dennoch ist er im Wahlkampf omnipräsent. Statt dessen präsentieren sich auf Plakaten seine "Erben" Landeshauptmann Gerhard Dörfler, BZÖ-Obmann Uwe Scheuch und Landesrat Harald Dobernig als "orange Seilschaft" , die "garantiert" Haiders Weg weitergeht. "Seinen Weg" plakatiert auch die FPÖ, deren Spitzenkandidat Mario Canori mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Doppelpack auftritt. Die SPÖ gibt ihrem wenig charismatischen Spitzenkandidaten Reinhart Rohr den Anstrich betonter Sachlichkeit und setzt auf Arbeitsplätze, Gesundheitsversorgung für alle und leistbares Wohnen. Die ÖVP positioniert sich als Wirtschaftspartei, als Kontrollpartei sehen sich die Grünen.

Gemütlich in Salzburg

In Salzburg scheinen die Parteien zu wissen, dass eine überbordende Wahlschlacht beim Wähler nicht besonders gut ankommt.

Im eher gemütlich dahindümpelnden Landtagswahlkampf haben die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP je knapp 500 Plakate aufgestellt. Damit kommen sie gemeinsam nicht einmal auf die Hälfte jener Großplakate, die in Kärnten allein vom BZÖ hingeklotzt wurden.
In einzelnen Gemeinden wie etwa im Flachgauer Mattsee hat man sich darauf geeinigt, pro Partei nur ein Plakat zuzulassen. Andere Ortschaften wie etwa Oberndorf haben Wahlplakate gänzlich untersagt.
Inhaltlich interessant am Salzburger Plakatwahlkampf ist vor allem der Paradigmenwechsel bei der Gestaltung der SP-Sujets. Während man in den erfolgreich geführten Wahlkämpfen 1999 und 2004 die Sozialdemokraten immer als Team präsentierte und Spitzenkandidatin Gabi Burgstaller nicht müde wurde, die Bedeutung des gesamten Teams hervorzustreichen, setzt man nun auf ein Solo der Landeshauptfrau. Sie ist fast ausschließlich ohne Mitstreiter zu sehen. Und statt des sympathieheischenden "Eine von uns" von 2004 heißt es nun apodiktisch: "Meine Landeshauptfrau" . (Thomas Neuhold, Elisabeth Steiner, DER STANDARD-Printausgabe, 5. Feber 2009)

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