Die größte Schlange der Welt

4. Februar 2009, 19:11
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60 Millionen Jahre altes Fossil gibt Aufschluss über die Klimageschichte des Planeten

London - "Wenn die Schlange durch den Gang gekrochen wäre, um mich in meinem Büro zu fressen, dann hätte sie wohl Probleme gehabt, sich durch die Tür zu zwängen", sagt der kanadische Paläontologe Jason Head mit einigem Sinn für Horror. Titanoboa cerrejonensis, die vor 60 Millionen Jahren den Regenwald von Nordkolumbien unsicher machte, "dürfte mir an der dicksten Stelle nämlich bis zur Hüfte gegangen sein", ergänzt der Geologe David Polly.

Außerdem war die Monsterschlange mindestens 13 Meter lang und wog 1140 Kilogramm, wie Head und Polly gemeinsam mit einem Forscherteam im britischen Wissenschaftsmagazin Nature (Bd. 457, S. 715) berichten. Das sind freilich alles eher konservative Schätzungen, die Tinanoboa c. dennoch zur größten Schlange machen, die je auf Erden gelebt hat.

Gefunden wurden die Knochen des Riesentiers an einem recht originellen Ort: in der Kohlemine El Cerrejón im nördlichsten Teil Kolumbiens, dem größten Tagbau Lateinamerikas. Umgeben von Riesenlastern, die täglich rund eine Million Tonnen Kohle abtransportieren, stießen die Forscher auf einige gigantische Schlangenwirbelknochen - und dazu auch noch auf die Überreste der Schlangenbeute: Krokodile und Schildkröten.

Weil nicht ganz klar ist, an welcher Stelle die gefundenen Wirbel tatsächlich platziert waren, könnte es durchaus sein, dass Titanoboa cerrejonensis noch um einiges länger und fetter war. Fest steht jedenfalls, dass der entfernte Verwandte heutiger Riesenschlagen (also von Boas und Pythons, deren längste Exemplare zehn Meter lang werden können) vor etwa 58 bis 60 Millionen Jahren lebte.

Riesengröße braucht Wärme

Entsprechende Zuordnungen wurden durch die ebenfalls gefundenen Überreste der damaligen Pflanzenwelt möglich, die so wie heute tropischer Regenwald war. Titanoboa ist damit auch das größte Landwirbeltier unmittelbar nach dem Aussterben der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren.

Die Forscher ließen es nicht bei der Beschreibung des Tiers bewenden, sondern versuchten auch, seine Lebenswelt zu rekonstruieren. Dabei wiederum half ihnen die Größe des Tiers. Ein Kaltblütler dieser Form kann nur dann eine solche Größe erreichen, wenn die jährlichen Durchschnittstemperaturen bei mindestens 30 bis 34 Grad Celsius liegen. Und das ist wiederum rund zehn Grad über dem Jahrestemperaturmittel, das heute im nordkolumbianischen Regenwald herrscht. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. Februar 2009)

  • Die mindestens 13 Meter lange Titanoboa cerrejonensis lebte am Wasser, wo sie Krokodile und Schildkröten jagte (Illustration: Jason Bourque).
    illustration: nature/jason bourque

    Die mindestens 13 Meter lange Titanoboa cerrejonensis lebte am Wasser, wo sie Krokodile und Schildkröten jagte (Illustration: Jason Bourque).

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