Nanopartikel transportieren Blei

4. Februar 2009, 15:07
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Bislang wurde angenommen, dass Blei geringe Distanzen im Sickerwasser zurücklegt

Wien - Ein Wiener Forscher konnte zeigen, dass natürlich vorkommende Nanopartikel eine Rolle beim Transport des eigentlich wenig mobilen Bleis spielen können. Blei verlagert sich nur langsam im Boden, "weniger als einen Meter in 50 Jahren", meinte Frank von der Kammer von der Universität Wien am Mittwoch. Bisher sei man nur davon ausgegangen, dass Blei im gelösten Zustand geringe Distanzen im Sickerwasser zurücklegt und dann wieder am Boden haftet. Nun stellte sich heraus, dass gerade sehr kleine Eisenoxid-Nanopartikel zum Transport von Blei in der Umwelt beitragen können und diese Nanopartikel sowohl in Böden als auch Gewässern vorkommen.

"Wenn Blei transportiert wird, dann haftet es an den Nanopartikeln", so der Umweltgeowissenschafter. Dabei sind die natürlich vorkommenden Nanopartikel überall anzutreffen, sie bewegen sich auch im Wasser. Ob nun ausschließlich die Nanopartikel für den Blei-Transport verantwortlich sind oder wie groß die Bedeutung des Wassers ist, sei bisher noch nicht geklärt.

Hintergrund

"Bei der Betrachtung von Nanopartikeln muss man drei Klassen voneinander unterscheiden", so von der Kammer. "Die eine Gruppe sind natürlich vorkommende Nanopartikel, die auch ohne menschliches Zutun in der Natur und Umwelt in großer Zahl vorhanden sind. Sie entstehen häufig und zerfallen wieder." Die zweite Gruppe umfasse die so genannten anthropogenen Nanopartikel, die durch menschliche Aktivitäten entstehen. Beispiele dafür sind Feinstäube und Nanoteilchen, die bei Verbrennungsvorgängen freigesetzt werden. "Zur dritten Gruppe gehören technisch hergestellte Nanopartikel, die man auch mit dem Schlagwort Nanotechnologie bezeichnet."

Rolle von Nanopartikeln

Für den Forscher ist die Erkenntnis, dass Nanopartikel in der Umwelt eine Rolle spielen, eine wichtige Botschaft. Sind bereits die natürlich vorkommenden Kleinstpartikel in Prozesse involviert, müsse man etwa auch mit den künstlich hergestellten Nanopartikeln vorsichtig sein, "wenn wir sie in großen Mengen in die Umwelt einbringen". Über ein besseres Verständnis der Umwelt ließen sich auch eventuelle Risiken besser einschätzen.

Seitdem bleihaltiges Benzin in weiten Teilen der Welt der Vergangenheit angehört, sind die Bleiimmissionen in Böden und Oberflächengewässer zwar drastisch gesunken. Trotzdem sind Böden und Sedimente nach wie vor durch die jahrzehntelange Verwendung von Blei belastet.

Huminstoffe

Der Forscher widmete sich bei seiner Untersuchung vor allem den nur wenige Nanometer kleinen Huminstoffen, also Abbauprodukten von Biomaterialien wie Blätter oder Gras, sowie Eisenoxid-Nanopartikeln im Größenbereich von etwa ein bis 40 Nanometer (ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters). Seine Ergebnisse veröffentlichte von der Kammer gemeinsam mit Martin Hassellöv von der Universität Göteborg im Dezember im Fachmagazin "Elements" (Titel der Untersuchung: "Iron Oxides as Geochemical Nanovectors for Metal Transport in Soil-River Systems"). (APA/red)

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