Millionenschwere Ballerina

4. Februar 2009, 18:00
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In London und New York wurden die ersten Prüfungen in Zeiten der Finanzkrise bestanden, in Wien stehen sie noch bevor

Ist Marktfrische derzeit das Zünglein an der Waage?
Eine Zwischenbilanz von Olga Kronsteiner


New York / London / Wien - Der noch vor wenigen Tagen von Pessimisten der Szene befürchtete Crash blieb vorerst aus. Die Oldies meisterten ihren Auftritt auf der Bühne des internationalen Kunstmarktes bravourös und wurden ihrem Ruf nach den Beständigsten neuerlich gerecht. Den Vergleich zu 1993 - damals verlor deren Preisindex gegenüber 1990 mehr als die Hälfte seines Werts - hatten Beobachter schon parat.

Umsonst. Sowohl bei Sotheby's als auch bei Christie's hielten sich Gemälde Alter Meister Ende vergangener Woche in New York besser als erwartet. Zu diagnostizieren gibt es allenfalls eine Justierung, die sich in leicht rückläufigen Verkaufsquoten spiegelt. Die Umsätze sind von einer Bauchlandung weit entfernt: Christie's spielte in zwei Sitzungen 14,71 Millionen Dollar ein. Sotheby's verbuchte nach 158 Besitzerwechseln 63,88 Millionen Dollar. Zweimal wurden Zuschläge jenseits der Zehn-Millionen-Dollar-Marke bewilligt, darunter 12,96 Millionen Dollar für eine klassizistische Landschaft von William Turner, dem zweithöchsten Preis, der jemals für ein Werk des Briten erzielt wurde.

Am Abend des 3. Februar setzte die von Sotheby's in London ins Rennen geschickte Riege der Impressionisten nach und bescherte dem jungen Jahr 2009, dank einer Ikone des Impressionismus, den ersten Weltrekord: Drei Verehrer hatten sich für Edgar Degas legendäre Bronze einer 14-jährigen Balletttänzerin eingefunden. Den längsten Atem bewies schließlich ein Bieter aus Asien, der sich die 105 cm große und 1922 ausgeführte Bronze 13,25 Millionen Pfund (14,82 Mio Euro) kosten ließ.

Weltrekord für einen Degas

In der Sektion Deutsche und Österreichische Kunst überzeugten Ernst Ludwig Kirchners Straßenszene von 1913 zum Limit von 5,4 Millionen Pfund, sowie - etwas unter den Erwartungen von bis zu 1,8 Millionen Pfund - die an die Erben nach Oskar Federer restituierte Istanbul-Ansicht von Oskar Kokoschka (1,49 Mio Pfund / 1,67 Mio Euro). Insgesamt durfte Sotheby's nach 22 Verkäufen einen Umsatz von 32,56 Millionen Pfund notieren. Mit Spannung lauert man nun der Performance von Christie's, deren Sale bei Redaktionsschluss noch im Gange war.

Der Weltrekord für eine Degas-Skulptur ist umso beachtlicher, als der jetzige Einbringer eben diese Tänzerin im Februar 2004 bei Sotheby's für "nur" fünf Millionen Pfund erworben hatte. Marktfrische scheint also derzeit nicht das relevante Zünglein an der Waage zu sein. Das ist beruhigend, da so manches demnächst in Wien zur Versteigerung gelangende Kunstwerk ohne dieses Kriterium auskommen muss.

Im Rahmen der Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten im November 2008 hatten die Kunsthändler Giese & Schweiger Max Oppenheimers Die Geißelung für 580.000 Euro angeboten. Das aus Wiener Privatbesitz stammende Ölbild blieb unverkauft und buhlt nun in breiterem Umfeld bei der 72. Kunstauktion im Kinsky mit einer Taxe von 350.000-700.000 Euro um einen neuen Besitzer. Die Chancen auf einen neuen Auktionsrekord sind groß. Den bislang höchsten Wert spielte Villa Grisebach im Juni 2005 ein, mit netto 160.000 Euro für eine der unzähligen Streichquartett-Versionen von 1946.

Bestseller an der Freyung

Mit der am 24. Februar an der Freyung anberaumten Auktion werden im Kinsky die Feierlichkeiten rund um das 15-jährige Firmenjubiläum abschließen. Zu diesem Zweck hat man rund 160 Kunstwerke aller Sparten zusammengetragen, für die das Expertenteam rund um Otto-Hans Ressler zwischen 5,8 und 9,8 Millionen Euro erwartet. Dazu sollen Bestseller wie Angelica Kauffmann (Allegorien der Temperantia und der Justitia, Gemäldepaar 250.000-450.000 Euro) oder Rudolf von Alt (Der Konstantinbogen und das Kolosseum, 130.000-200.000 Euro) ebenso beitragen wie Rookies. In diese Frischlingskategorie muss - angesichts der seltenen Auftritte in der Auktionsbranche - auch Helmut Ploberger gezählt werden. 2001 wechselte sein Stillleben - Auf dem Tisch, unter dem Tisch von 1925 über das Dorotheum für knapp 73.000 Euro in eine deutsche Privatsammlung, die sich nun zwischen 80.000 und 140.000 Euro erhofft.

Dass man selbst schlechten Nachrichten Gutes abgewinnen kann, beweist aktuell Otto Rudolf Schatz' gleichnamiges Gemälde (180.000-250.000 Euro) von 1946. Das Ölbild stammt aus der Sammlung Wilfried Daims, Mitglied der katholischen Widerstandsbewegung 1940-45 und Gründer des privaten Instituts für politische Psychologie. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.2.2009)

 

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    "La Petite Danseuse de Quatorze Ans"  - Impressionistisches Posing zum Rekordpreis: 14,82 Millionen Euro spielte Edgar Degas’ Pose einer Tänzerin von 1922 in London ein

     

     

  • Ikone der österreichischen Neuen Sachlichkeit: Herbert Plobergers "Stillleben – Auf dem Tisch, unter dem Tisch"  soll "im Kinsky"  am 24. Februar zwischen 80.000 und 140.000 Euro bringen.
 
 
    foto: im kinsky


    Ikone der österreichischen Neuen Sachlichkeit: Herbert Plobergers "Stillleben – Auf dem Tisch, unter dem Tisch"  soll "im Kinsky"  am 24. Februar zwischen 80.000 und 140.000 Euro bringen.

     

     

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