Kakao seit 1.000 Jahren begehrt

3. Februar 2009, 18:24
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WissenschafterInnen entdeckten Spuren von Trinkschokolade in Gefäßen der Anasazi-Kultur im heutigen New Mexico

Albuquerque/Göttingen - Die UreinwohnerInnen New Mexicos im Südwesten der heutigen USA schätzten bereits vor rund 1.000 Jahren heiße Schokolade als Getränk. HistorikerInnen der Universität New Mexico fanden in Trinkgefäßen der Anasazi-Kultur bei archäologischen Grabungen in Pueblo Bonito Spuren eines Kakaogetränks.

Da Kakao jedoch nur in den weit südlicheren präkolumbianischen Kulturen Mexikos kultiviert wurde, beweist der Fund den Kulturaustausch zwischen den Pueblo-Bonito-Indios und Mittelamerika. Die zylinderförmigen Becher, auf denen der Kakao gefunden wurde, stammen aus der Zeit um 1000 bis 1125 n.Chr. Erst vier Jahrhunderte später begann mit der Ankunft der Spanier in Amerika die weltweite Verbreitung des Kakaos.

"Aztekische Händler haben die Kakaobohne aus dem mexikanischen Veracruz nach Pueblo Bonito gebracht", bestätigt auch Michael Schultz, Humanmediziner an der Universität Göttingen. Schultz war selbst mehrfach an Ausgrabungen in Pueblo Bonito beteiligt. "Da Kakao so teuer war, war er auch bei den Azteken nur der Oberschicht vorbehalten. Schon allein deshalb wollten die Anasazi nicht darauf verzichten", so Schultz.

Zahlreiche Funde

Beide Kulturen hätten den Kakao in ihre Riten integriert. "Der Kakao war nicht nur lecker, sondern besaß religiöse Bedeutung." Aus Mesoamerika sind Kakao-Rituale mit Vasen bekannt, die dieselbe Zylinderform wie die vorgefundenen Becher besitzen.

Dass es in Pueblo Bonito eine regelrechte Kultur des Kakaotrinkens gab, zeigen mehrere Funde. Neben 166 kunstvoll bemalten Zylindergefäßen entdeckten die ForscherInnen einen Stein, mit dem die Kakaobohne zu Pulver zerstampft wurde, sowie Rührstäbe, die man in Mittelamerika schon früh für das Schäumen von Getränken verwendete.

Den deutlichsten Hinweis lieferte jedoch der Fund des Biomarkers Theobromin. Dabei handelt es sich um einen dem Koffein verwandten Wirkstoff, der dem Kakao eine anregende Wirkung verleiht. Das Theobromin stammt ausschließlich von der Kakaopflanze, die auch in früheren Jahrhunderten nur im tropischen Süden Mexikos wuchs.

Handel per Hand mit Ameisenbären und Papageien

Erstaunlich sei laut Schultz besonders die Leistung der HändlerInnen, die den Kulturaustausch zwischen Nord und Süd bewirkten. "Auf den Handelsrouten, die bis in die 2.000 Kilometer entfernte Toltekenstadt Tula führten, wurden auch Ameisenbären oder Papageien gehandelt. Die Azteken importierten hingegen die türkisen Mineralien der Anasazis." Für die Reisen nahmen die HändlerInnen zahlreiche Strapazen auf sich. Da ihnen weder Lasttiere noch Fahrzeuge zur Verfügung standen, mussten alle Waren mit der Hand getragen werden, bemerkt der Göttinger Humanmediziner abschließend. (pte/red)

  • Die Analyse von rund 1.000 Jahre alten Gefäßen zeigte, dass bereits sehr früh ein reger Kakao-Handel zwischen Mittel- und Nordamerika existierte.
    foto: american museum of natural history/photo by marianne tyndall

    Die Analyse von rund 1.000 Jahre alten Gefäßen zeigte, dass bereits sehr früh ein reger Kakao-Handel zwischen Mittel- und Nordamerika existierte.

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