Jagd auf Mörder endete in Österreich

6. Februar 2009, 14:26
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Mann hatte Kreditkarte des Toten dabei - Arme des 35-jährigen Opfers wurden in der Isar entdeckt, der Rumpf in Tschechien

Die Polizei nahm am Dienstag im Burgenland einen mutmaßlichen Mörder aus Deutschland fest, der einen Bekannten getötet und zerstückelt haben soll. Auch im Fall eines getöteten Mädchens gibt es einen Verdächtigen - Von Gudrun Springer

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München/Nickelsdorf/Paderborn - Am Grenzübergang Nickelsdorf war die Flucht zu Ende. Dienstagabend haben Zielfahnder des österreichischen Bundeskriminalamts dort den Deutschen Heiko K. festgenommen. Der 39-Jährige wird verdächtigt, den 35-jährigen Markus S. in München ermordet und zerstückelt zu haben. K. und S. hatten dort vor drei Jahren gemeinsam als Köche gearbeitet. In einer ersten Einvernahme soll K. gesagt haben, dass er den Kopf seines Ex-Kollegen in den Inn geworfen und die Beine von S. in einem Wald in Tschechien gebracht habe.

Der mutmaßliche Mörder hat in Oberösterreich ein Lokal betrieben. Dabei habe er Geld veruntreut, so Sicherheitsdirektor Lißl. Der Mann hatte laut Polizei rund 50.000 Euro Schulden: Er habe einige Gaststätten "in den Sand gesetzt". "Wie haben Ermittlungsansätze", sagte Lißl am Freitag. Es gebe aber derzeit keine Hinweise, dass sich Teile der zerstückelten Leiche in Oberösterreich befinden würden. Er bestätigte jedoch, dass es gegen Heiko K. Erhebungen wegen betrügerischer Aktivitäten im Zusammenhang mit dem von ihm gepachteten Gasthaus im Innviertel gegeben habe.

Der verschuldete Mann plante offenbar, sich in Mexiko eine neue Existenz aufbauen, erklärte die Münchner Polizei. Dazu habe er sich von seinem Ex-Kollegen Geld borgen wollen. Bei einem Treffen seien die beiden deswegen in Streit geraten, K. habe seinen Bekannten getötet.

Spaziergänger

Zunächst hat ein Spaziergänger am 30. Jänner die beiden Arme des Opfers im seichten Wasser der Isar gefunden. Die Finger waren abgeschnitten. Die Polizei nahm Abdrücke von den Handflächen. Es handelte sich um jene von Markus S., den Angehörige seit dem 22. Jänner nicht mehr erreicht hatten. Wenige Tage später fand ein Spaziergänger dann den Rumpf des Ermordeten in einem Waldstück in Tschechien.

Über den genauen Tathergang ist noch nichts bekannt. Nach dem Mord soll der Verdächtige im Zickzack durch Bayern und angrenzende Länder gefahren sein. In den vergangenen Tagen war K., der 2008 von Bayern nach Österreich gezogen war, mit dem Auto seines Opfers unterwegs und zahlte mit dessen Kreditkarte.

Tatmotiv Habgier

Die Münchner Polizei informierte die österreichischen Behörden darüber, als K. wieder in Österreich vermutet wurde. Laut Ermittlern war es dadurch "innerhalb kürzester Zeit" möglich, ihn zu fassen. Als Tatmotiv gilt Habgier als wahrscheinlich, Genaueres ist nicht bekannt.

"Es gibt drei Gründe, warum ein Täter eine Leiche zerstückelt", erklärt Kriminalpsychologe Reinhard Haller. "Erstens: Wegen logistischer Überlegungen. Der Leichnam wird zerstückelt, um ihn besser entsorgen zu können. Zweitens: Es besteht großer Hass, es gab vielleicht einen längeren Konflikt. Dann geht es um die Degradierung des Menschen. Oder drittens: Der Täter ist ein schwerer Sadist."

Internationaler Haftbefehl

Auch in einem anderen Mordfall in Deutschland berichtete die Polizei am Mittwoch von einen Ermittlungserfolg: Drei Wochen nach dem Fund der Leiche der achtjährigen Kardelen am Südufer des Möhnesees im Sauerland wurde ein dringend Tatverdächtiger ermittelt. Dabei soll es sich laut Polizei um einen 29-jährigen Türken aus Paderborn, der Heimatstadt des Opfers, handeln. Gegen den Mann wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Die Polizei hatte rund 1000 Hinweise in dem Fall erhalten. 60 Ermittler befassen sich damit. Laut Obduktionsergebnis ist das türkische Mädchen einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen. (APA/Gudrun Spinger, DER STANDARD Printausgabe 5.2.2009)


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    Mitte Jänner ist in diesem Waldstück am Möhnesee die Leiche der achtjährigen Kardelen gefunden worden. Seit Mittwoch fahndet die Polizei international nach einem konkreten Tatverdächtigen

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