Burschenschaften planen Festkommers

4. Februar 2009, 14:19
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Festrede für Martin Graf eine "Ehre" - Bis zu 1.000 Teilnehmer erwartet

Innsbruck - Mehrere schlagende Burschenschaften haben anlässlich des Gedenkjahres "200 Jahre Tiroler Freiheitskampf" von 19. bis 21. Juni einen Festkommers in der Tiroler Landeshauptstadt geplant. "Für den Ehrenschutz haben wir bei Nationalratspräsident Martin Graf angefragt", teilte ein Organisationsmitglied der APA am Mittwoch mit. Dabei könne mit bis zu 1.000 Teilnehmern "von Flensburg bis Bozen" gerechnet werden, hieß es vonseiten des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW).

Graf freut sich auf die Einladung: "Es ist eine Ehre, zum Gedenken an den Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer vor mehr als 1.000 Akademikern reden zu dürfen", meint er in einer Aussendung. Den Ehrenschutz will er jedoch nicht übernehmen: Dies sei bei solchen Veranstaltungen nicht üblich. 

"Weit rechts außenstehend"

"Anlässlich des Gedenkjahres versuchen die 'deutsch-national und völkisch' gerichteten Burschenschaften in eine Stoß- und Schlagrichtung zu gehen", erklärte Andreas Peham von der Abteilung Rechtsextremismusforschung am DÖW. Federführend seien vor allem die Innsbrucker Verbindungen Brixia und Suevia, welche als "politisch weit rechts außenstehend" gelten.

Es sei gut möglich, dass Martin Graf als "Alter Herr" der als rechtsextrem geltenden Wiener Burschenschaft Olympia den Ehrenschutz übernehme. "Immerhin ist er 'das Symbol' für die Erfolge der deutsch-nationalen gesellschaftlichen Durchdringungsstrategien", fügte Peham hinzu.

"Schockiert" zeigten sich die Jungen Sozialisten Tirol (JUSOS) über eine derartige Veranstaltung. "Das Jahr 2009 sollte den Anspruch haben, kritisch über die Tiroler Geschichte zu reflektieren und nicht, in Anlehnung an Martin Graf, mit 'Nazidreck' einen traurigen Höhepunkt zu liefern", äußerten Sie sich in einer Aussendung.

Dreitägige Veranstaltung

"Völlig unverständlich" sah FP-Chef und LAbg. Gerald Hauser die "hysterisch geschürte Aufregung von linken und kommunistischen Gruppen" hinsichtlich des Treffens. Bei den Studentenverbindungen handle es sich um seit 160 Jahren für die Grundrechte und Freiheiten der Menschen aktive Organisationen, die auf dem Boden der österreichischen Verfassung und Gesetze ihre studentische und akademische Tradition pflegen, gab der Landesparteiobmann der Tiroler Freiheitlichen in einer Aussendung bekannt.

Geplant ist laut den "Innsbrucker wehrhaften Korporationen" eine dreitägige Veranstaltung mit Sonnwendfeier, Totengedenken, Festkommers sowie abschließend einem Sonnwendfrühschoppen. Laut Peham hätten die großen Kommerse wie dieser bisher immer in der Dogana des Innsbrucker Congress stattgefunden.(APA/red, derStandard.at, 4. Februar 2009)

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