Wer viel arbeitet, darf gratis studieren

4. Februar 2009, 15:35
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Studien-Umstieg, Zweitstudium, Toleranzsemester: Wer muss wann tatsächlich Studiengebühren zahlen? - derStandard.at hat die Antworten

Seit die neue Studiengebührregelung tatsächlich umgesetzt werden muss, herrscht vielerorts Verwirrung. Zahlen müssen nur jene, die die Mindeststudiendauer und zwei Toleranzsemester überschritten haben. Ausnahmen gibt es bei Erwerbstätigkeit, Zivildienst, Schwangerschaft, Kinderbetreuung oder Behinderung. So weit, so einfach. Trotzdem tauchen durch die neue Regelung Fragen auf, die auch beim Ministerium für Rätselraten sorgen. derStandard.at hat versucht, Antworten auf die Vielzahl an offenen Fragen zum Thema Studiengebühren zu finden.

Gelten die Toleranzsemester (zwei an der Zahl) für das ganze Studium oder pro Abschnitt?

Sie gelten pro Abschnitt (Ausnahme: Bachelorstudien). Wer im ersten Abschnitt kein Toleranzsemester braucht, kann dafür im zweiten Abschnitt zusätzlich zur Mindeststudienzeit drei Toleranzsemester in Anspruch nehmen, innerhalb derer er keine Studiengebühren zahlen muss.

Wenn ich zwei verschiedene Fächer studiere und nur bei einem die vorgesehene Studienzeit um mehr als zwei Semester überschritten habe, muss ich trotzdem Studiengebühr zahlen?

Ja. Wer sich nicht rechtzeitig vom zweiten Studienfach abmeldet, muss zahlen oder verliert den Studienzuschuss. Auch wenn dadurch engagierte Studenten mitunter gezwungen werden einen Gang zurückzuschalten, diese Regelung hat einen Grund: "Würden wir das nicht so handhaben, dann können Studierende, die über der Grenze sind, laufend einfach ein neues Studium inskribieren, nur um nichts zahlen zu müssen", heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. Die ÖH spricht von einem leistungsfeindlichem Gesetz, das leistungswillige Studierende bestrafe.

Ist es nach der neuen Studiengebühren-Regelung klüger, zwei Studien hintereinander als nebeneinander zu absolvieren?

Wer sich nicht sicher ist, ob er zeitlich zurechtkommt, der sollte, um Studiengebühren zu vermeiden, nicht mehrere Fächer inskribieren. Die Unterscheidung eines Hauptstudium oder Nebenstudiums gibt es nicht mehr. Alle Fächer sind gleichwertig – dementsprechend wird auch jeder einzelne Studienfortschritt gewertet.

Angenommen ich setze mein zweites Studienfach, wegen dem ich zahlen müsste, nicht fort, inskribiere aber ein Jahr später wieder: kann ich so die Studiengebühren umgehen?

Nein. Entweder es gilt ein neuer Studienplan (Bachelor), dann beginne ich mein Studium wieder bei Null. Oder es wird im gleichen Studienplan fortgesetzt, was bedeutet, dass man trotzdem zahlen muss, wenn man über der Toleranzsemestergrenze bin. Die

Wird es durch die neue Regelung wieder mehr Menschen geben, die nicht zwecks Studium inskribieren, sondern um Studenten-Ermäßigungen zu erhalten?

Ja, wer Geld sparen will, wird die Schlupflöcher der neuen Regelung nützen. Anstatt für eine Jahreskarte der Wiener Linien 450 Euro zu zahlen, steigen Inskribierte unter 27 Jahren auch ohne Familienbeihilfe mit 128 Euro pro Semesterticket vergleichsweise billig aus. Ein Nachweis über absolvierte Seminare muss nicht erbracht werden. Wer also ein regelmäßiges Einkommen hat, kann unbegrenzt gratis studieren – Studienfortschritt ist egal.

Ich steige vom Magister- auf ein Bachelor-Studium um. Wie wirkt sich das auf die Studiengebühren aus?

Unabhängig von allen Ausnahmeregelungen ist das Studium zunächst kostenlos für Studenten, die ihr Studienfach wechseln oder von einem Magister- auf ein Bachelor-Studium umsteigen. Für sie gelten dieselben Regeln wie für Neuinskribierte: Innerhalb der Mindeststudiendauer müssen demnach keine Gebühren bezahlt werden.

Ich bin erwerbstätig und studiere nebenbei (bin über der Toleranzzeit), wann bekomme ich Studiengebühren rückerstattet?

Das Einkommen muss über der Geringfügigkeitsgrenze von 4.886 Euro pro Jahr liegen. Es zählt allerdings immer das Einkommen des letzten Arbeitsjahres. Wer also erst dieses Jahr zu arbeiten begonnen hat, kann erst im Studienjahr 2010 um eine Rückerstattung der Studiengebühren ansuchen. Wann das zu Unrecht bezahlte Geld wieder auf dem Konto landet, ist von Uni zu Uni verschieden.

Um meine Erwerbstätigkeit nachzuweisen, benötige ich einen Einkommenssteuerbescheid. Den bekomme ich aber nur, wenn ich einkommenssteuerpflichtig (ca. 10.000 Euro/Jahr) bin. Was tue ich, wenn ich unter 10.000 Euro (Einkommenssteuerpflichtig) aber über 5.000 Euro (Geringfügigkeitsgrenze) verdiene?

Dieses Problem trat bei einigen Studierenden auf. Weder Finanzämter noch Ministerium wussten anfangs, wie das zu handhaben ist. Mittlerweile wurden die Finanzämter angewiesen Null-Bescheide auszustellen, die das Einkommen ausweisen, sagt ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums.

Gelten bei Doktoratsstudien dieselben Vorschriften, wie bei anderen Studien?

Ja, auch hier gibt es zusätzlich zu jeder Mindeststudiendauer zwei Toleranzsemester pro Abschnitt. (Teresa Eder, derStandard.at, 4.2.2009)

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