Khol will nicht über Graf diskutieren

4. Februar 2009, 18:18
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Der Ex-Nationalratspräsident sowie ein parlamentarischer Mitarbeiter Grafs und der RFS-Obmann sagen ab - Amon weist FPÖ-Vorwürfe zurück

Andreas Khol lehnt seine Einladung zur heutigen ORF-Sendung Club 2 mit dem Thema "Wie rechts ist Österreich?" ab. Der Grund: "Eingeladen wurde ich zu einer Diskussion mit vier Teilnehmern, mittlerweile sind es jedoch acht. In einer so großen Runde ist sinnvolles Gespräch zu Grundsatzfragen nicht möglich", argumentiert er in einer Aussendung. Wenig später haben auch Walter Asperl, parlamentarischer Mitarbeiter von Martin Graf und Olympia-Mitglied, und der RFS-Chef Philipp Schrangl ihre Teilnahme zurückgezogen. Ob ein Ersatz für die drei Gäste gesucht wird, wusste man Mittwochmittag auf Anfrage von derStandard.at beim ORF noch nicht. Die Sendung soll jedenfalls stattfinden.

Diskussionsthema Graf

Auf der Gästeliste stehen neben den drei Geladenen die Filmschaffende Ruth Beckermann, Journalistin Christa Zöchling, Margarita Döller von Grafs Fussballverein "Hellas Kagran" und Unternehmensberater Volker Kier (LiF). Moderiert wird die Runde von Michael Köhlmeier.

Diskutiert werden soll laut einer Vorabinformation vorrangig über Martin Graf, so Khol: "Daran bin ich nicht interessiert, allzumal es für mich immer ein Grundprinzip war und ist, weder meine Vorgänger noch meine Nachfolger im Amt des Nationalratspräsidenten öffentlich zu bewerten."

FPÖ: "ORF bekommt immer mehr eine linke Schlagseite"

Asperl und Schrangl schließen sich Khol an und sagten am Mittwochvormittag ebenfalls ab: "Mittlerweile habe sich herausgestellt, dass es sich um eine offensichtlich politische Inszenierung mit dem Ziel handelt, das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten zu beschädigen und die Debatte über Martin Graf künstlich wieder aufleben zu lassen, die in Wahrheit mangels Grundlage längst schon für beendet erklärt worden ist", heißt es in einer Aussendung der FPÖ. Der ORF bekomme immer mehr eine linkslinke Schlagseite. Trotzdem wünschen die beiden den verbliebenen Diskutanten "einen interessanten Diskussionsverlauf".

Amon weist FPÖ-Vorwürfe zurück

"Wir bedauern die Absage der 'Club 2'-Gäste Andreas Khol, Walter Asperl und Philipp Schrangl", so TV-Chefredakteur Karl Amon. Der Vorwurf, dass es sich beim heutigen 'Club 2' um eine 'ORF-Inszenierung zur Beschmutzung des Amtes des Dritten Nationalratspräsidenten' handelt, sei "schärfstens zurückzuweisen".

Um die Teilnahme von Asperl und Schrangl sei bereits Ende vergangener Woche bei FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl angefragt worden. Anfang der Woche habe zuerst Walter Asperl zugesagt und gestern dann Philipp Schrangl. "Sie waren ebenso über den Grundtenor der Diskussion informiert wie Herr Khol", so Amon, "die Auswahl der Diskutanten, die in der Verantwortung der zuständigen Redaktion liegt, folgt einzig und allein dem Gebot der Objektivität und Überparteilichkeit, im Bestreben, dem ORF-Publikum eine spannende und interessante Diskussion zu einem aktuellen, gesellschaftsrelevanten Thema zu präsentieren". (red/derStandard.at, 4. Februar 2009)

  • Zumindest drei Stühle bleiben beim Club 2 am Mittwochabend leer.
    foto: orf/thomas ramstorfer

    Zumindest drei Stühle bleiben beim Club 2 am Mittwochabend leer.

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