Nicht genügend Ausbildung

3. Februar 2009, 20:06
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Fachinspektor sieht Wissenslücken bei Islam-Lehrern

Wien/Salzburg - Tilmann Schaible kennt das Märtyrerbild, das nun für so viel Aufregung sorgt, schon lange: "Seit Jahren sage ich, dass es für das Schulbuch ungeeignet ist." Entfernen ließ es der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft trotzdem nicht. "Warum, weiß ich nicht" , sagt Schaible.

Der Pädagoge, vor Jahren zum Islam konvertiert, ist von der Glaubensgemeinschaft ernannter Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht in Tirol und Salzburg. Viele neue Lehrer hat er in vier Jahren Amtszeit eingesetzt, ein paar aber auch abgezogen. In Tirol waren es vier, die den Job verloren (und nicht, wie kolportiert, die Hälfte von insgesamt 30 Lehrern). Weil sie eben nicht den Qualitätsansprüchen genügt hätten.
Auf Lehrer, die sich - wie von einer aktuellen Studie beschrieben - gegen die Demokratie aussprechen, ist Schaible aber nie gestoßen: "Ich hatte nicht einen anrüchigen Fall." Was er sich als Erklärung für das Ergebnis aber vorstellen kann: "Es ist möglich, dass der eine oder andere nicht so genau weiß, was Demokratie überhaupt ist." Dazu brauche man eben eine humanistische Grundbildung.

"Nach wie vor gibt es nicht genügend ausgebildete Religionslehrer" , sagt Schaible. Die religionspädagogische Akademie in Wien sei für Lehrer aus dem Westen kein Angebot. Und die regionalen Kurse der Glaubensgemeinschaft brächten nun einmal keinen anerkannten Abschluss. "Wir bräuchten ein Fernstudium" , meint Schaible: "Denn die Lehrer wollen sich ja weiterbilden. Manche fahren dazu extra nach Bosnien."

Die Glaubensgemeinschaft müsse als Reaktion auf die Studie die politische Bildung forcieren, empfiehlt Schaible, "denn wir Lehrer sind die Multiplikatoren" . Das gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium geschnürte Maßnahmenpaket verleitet ihn aber etwas zum Schmunzeln: "Dass bis Ende April ein neuer Lehrplan in Kraft treten soll und sämtliche Lehrmaterialien überprüft werden müssen, ist einfach unrealistisch." (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 4. Feber 2009)

 

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