Mit dem Escortservice ins Landesgericht

3. Februar 2009, 19:36
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Prozess um angeblichen Zwang zur Prostitution - Freispruch im Zweifel

Wien - Lore war illegal aus Rumänien nach Wien gekommen, sprach kaum Deutsch, wusste nicht wohin. Da habe sie das Angebot bekommen, einer schwangeren Rumänin zu helfen und später bei ihr als Babysitterin zu arbeiten.

Also habe sie erst die schwangere Maria, die erkrankt war, gepflegt und nach der Geburt aufs Baby aufgepasst. Doch dann sei Maria verreist - und habe ihr eine andere Arbeit aufgetragen, berichtete Lore erst Jahre später. Es seien ihr mehrere Handys zurückgelassen worden - und Zettel, auf denen stand, was sie auf Deutsch zu sagen habe.

"Wunschzettel"

"Welches Mädchen?" habe sie fragen und die Antwort notieren müssen, dann "welche Wünsche?" - und dann noch "die Adresse?". Anschließend habe sie den "Wunschzettel" einem Chauffeur gegeben. Denn Maria habe einen Escortservice mit sieben, acht Mädchen betrieben.

Nach der Rückkehr von Maria sei sie dann selbst zu Kunden geschickt worden. Die Chefin habe gedroht: Wenn sie sich weigere, werde sie Lores Eltern in Rumänien anrufen und alles erzählen.

Schläge

Immer wieder habe Maria sie und die anderen Mädchen angeschrien und ihnen gedroht. Sie habe sie auch gezwungen, aufs Präservativ zu verzichten. Später sei sie von Maria auch einmal geschlagen worden. Sie habe Angst gehabt, weil sie illegal in Österreich war, Angst, ihre Eltern könnten von all dem erfahren.

"Zuführung zur Prostitution"

Maria bestreitet am Dienstag im Wiener Landesgericht diese Vorwürfe. Denn die Anzeige wegen "Zuführung zur Prostitution" war gar nicht von Lore gekommen, sondern vom Vater ihres Kindes, der mittlerweile in Australien lebt und mit dem sie in Rumänien um das Sorgerecht gekämpft hatte. Er habe ihr das alles angehängt - um ihr das Kind wegnehmen zu können. Lore habe ein Verhältnis mit ihm gehabt.

Escortservice

Dass sie ein Escortservice betrieben hat, bestreitet Maria nicht - doch bei dem seien nur sie und ein anderes Mädchen, die "sogenannte Angela", tätig gewesen. Maria dreht den Spieß um: Lore sei schon Prostituierte gewesen, bevor sie sie kennengelernt hatte. Lore habe für ihr Escortservice arbeiten wollen - sie habe aber abgelehnt, "weil sie illegal in Österreich war". Lore wolle sich auch rächen, "weil ich ihr keine Papiere angefertigt habe, damit sie hier arbeiten kann".

Geld für Essen und Zigaretten

Tatsächlich gibt es auch Widersprüche in Lores Aussagen. Einerseits hatte sie bei ihrer Einvernahme ausgesagt, dass sie von Maria nicht weg konnte, weil Maria ihr nur Geld für Essen und Zigaretten gegeben habe. Andererseits erklärte Lore aber auch: Nur, wenn sie nach Rumänien fuhr, habe ihr Maria jeweils 1000 Euro gegeben. Einmal sagte Lore aus, dass Maria ihre neue Telefonnummer nicht kenne. Dann wieder: Sie rufe einmal pro Woche an und bedrohe sie.

Richterin Susanne Lehr spricht Maria schließlich frei: "Ich bin nicht der Meinung, dass die Beweise für ein Urteil ausreichen." Auch wenn die Aussagen der Angeklagten "nicht wahnsinnig glaubwürdig" seien, "reicht das nicht für eine Verurteilung". (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)

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