Wasserschlacht im Salzburger Wahlkampf

3. Februar 2009, 19:29
6 Postings

Das Hallenbad in der City sollte abgerissen werden, wenn das geplante "Spaßbad" am Stadtrand Realität wird - Die grüne Bürgerliste will es erhalten

Vier Wochen vor der Salzburger Gemeinderatswahl eröffnet die Bürgerliste eine Wasserschlacht und fordert den Erhalt des Paracelsusbades

***

Salzburg - Noch schwimmen Schülergruppen, Wassersportler und Pensionisten unbehelligt ihre Längen im Paracelsusbad in der Salzburger Innenstadt - was mit dem Hallenbad in wenigen Jahren passieren soll, wenn das geplante "Spaßbad" am Stadtrand in Liefering Realität wird, ist aber ungewiss. Vier Wochen vor der Gemeinderatswahl am 1. März wird die Zukunft des Paracelsusbads endgültig zum Streitthema. Jetzt hat nämlich die grüne Bürgerliste ihre Liebe zu dem Bad entdeckt.

Die sechs Schwimmbahnen im Paracelsusbad seien zeitweise permanent belegt, sagt der grüne Planungsstadtrat Johann Padutsch. Viele der 50 Salzburger Schulen müssten schon jetzt abgewiesen werden. Geht es nach der Bürgerliste, sollen das Paracelsusbad und das angrenzende Kurhaus erhalten und für sechs bis acht Millionen Euro modernisiert werden.

Schließung beschlossen

Der Haken daran: Der Gemeinderat hat bereits Ende 2007 - auch mit den Stimmen der Bürgerliste - beschlossen, das Paracelsusbad nach der Fertigstellung des Spaßbads (geschätzte Kosten: 51 Millionen Euro) zu schließen und das Grundstück zu verkaufen. Mehrere internationale Hotelketten interessieren sich für die Toplage neben dem Mirabellgarten. Sechs Millionen Euro aus dem Verkauf sind fix für den Bau des neuen Erlebnisbads an der Autobahn verplant. Macht zusammen mit der Sanierung des alten Hallenbads Mehrkosten von mindestens zwölf Millionen.

Günstige Kredite

Wer soll das bezahlen? Das Land, das Unterrichtsministerium und ein privater Betreiber des neuen Spaßbads sollen einspringen, meint Padutsch. Die Stadt könne über das kommunale Konjunkturpaket günstige Kredite aufnehmen: "Wenn sich Salzburg Verschwendungen wie Olympiabewerbungen leisten kann", dann seien auch zwei Hallenbäder finanzierbar. Immerhin leisteten sich auch Klagenfurt zwei, Innsbruck drei und Linz sogar vier Hallenbäder.

In einer Umfrage des Salzburger Fenster sprachen sich 69 Prozent der Stadtbürger für den Erhalt des Paracelsusbads aus. Die politisch unbedeutende KPÖ forderte schon im Dezember: "Schwimmen darf kein Luxus werden!"

Architekturhistoriker für Erhalt

Für den Erhalt des Bades sind auch der Architekturhistoriker Norbert Mayr ("bemerkenswertes Dokument der Baukultur der 50er-Jahre") und Peter Haibach von der Salzburger Verkehrsplattform ("Stadt der kurzen Wege"). FPÖ-Chef Andreas Schöppl sagt, auch er sei "immer schon" für das Hallenbad und als einziger Gemeinderat gegen den Abriss gewesen.

Ablehnung für den Meinungswandel der Bürgerliste kommt von Rot, Schwarz und Orange. "Egal, wie man es auch dreht oder wendet, Investitionen in zwei Bäder sind unfinanzierbar", sagt SPÖ-Baustadtrat Martin Panosch. Und ÖVP-Vizebürgermeister Harald Preuner spricht von einem "nie einlösbaren Wahlzuckerl". Und ist damit ausnahmsweise einer Meinung mit Doris Tazl, die für das BZÖ antritt. (Markus Peherstorfer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

  • Das Paracelsusbad in der Salzburger Innenstadt soll bald trockengelegt werden. Doch nun, mitten im Wahlkampf, setzt sich plötzlich die grüne Bürgerliste für den Erhalt ein
    foto: der standard/berger/neumayr

    Das Paracelsusbad in der Salzburger Innenstadt soll bald trockengelegt werden. Doch nun, mitten im Wahlkampf, setzt sich plötzlich die grüne Bürgerliste für den Erhalt ein

Share if you care.