Abschied von "beamteten" Mandataren

3. Februar 2009, 18:59
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Wie die Ex-Grünen-Chefin Voggenhubers Ablöse erlebt hat

Zur Erregung über die grüne Kandidatur zur EU Wahl von einer nicht Betroffenen, doch beobachtender Gast beim Bundeskongress der Grünen in Klagenfurt:
Es präsentierten sich drei KandidatInnen für den 1. Platz auf der Liste. Ulrike Lunacek erhielt für ihren lebendigen, engagierten Bericht die meisten Stimmen, es folgte Johannes Voggenhuber, als Dritte wurde die gegenwärtige zweite grüne EU-Mandatarin, die Tirolerin Eva Lichtenberger gewählt. Johannes Voggenhuber, der schon vorab mehrfach erklärt hatte er würde nur und ausschließlich den ersten Listenplatz akzeptieren, verweigerte den 2. Platz und verließ den Kongress. Das positionierte Eva Lichtenberger automatisch auf Platz 2.

Runde zwei Wochen später hatte es sich Johannes Voggenhuber anders überlegt und wollte nun doch kandidieren. Das dafür verantwortliche Gremium lehnte mit 17 zu 12 Stimmen eine Nachnominierung ab. Gewiss wäre es klüger und der grünen Sache dienlicher gewesen, hätte Johannes gleich den 2. Platz eingenommen, der ihm genauso erlaubt hätte, die ihm richtig erscheinende EU-Politik fortzusetzen. Dass ihm der 2. Platz zu minder war, ist bedauerlich, hat aber wohl mit seiner hohen, manchmal überhöhten Selbsteinschätzung zu tun, die ihm schon vor Jahren die Abwahl als grüner Bundessprecher beschert hatte. Als er vorher, 1987, als grüner Stadtrat in Salzburg abgewählt wurde, holte ich ihn als damalige Vorsitzende nach Wien, weil ich der Meinung war, die Grünen könnten nicht auf ihn und seine Fähigkeiten verzichten.

An Voggenhubers hoher Intelligenz und Wortgewalt ist nicht zu zweifeln, leider sind seine emotionale (und soziale) Intelligenz nicht auf derselben Höhe. Jetzt von einer inszenierten Kabale zu sprechen, um ihn hinaus zu drängen, scheint mir eine Verschleierung der von ihm selbst herbei geführten Tatsachen zu sein. Tatsache ist allerdings auch, dass eine Reihe prominenter Grüner, darunter Alexander van der Bellen im Sinne der oft reklamierten Erneuerung und Verjüngung einen Wechsel begrüßt haben.
"Beamtete" Mandatare sollte es nicht geben, auch wenn verdiente, aber schon sehr lange in ihren Funktionen verharrende Funktionsträger damit zu kämpfen haben. (Freda Meissner-Blau, DER STANDARD-Printausgabe, 4. Feber 2009)

 

*Freda Meissner-Blau, ehemals Bundespräsidentschaftskandidatin und von 1986-1988 erste Parteiobfrau der Grünen

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