Barenboim schlägt "Marshallplan" für den Gaza-Streifen vor

3. Februar 2009, 22:10
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In Dankesrede zur Verleihung der Moses-Mendelssohn-Medaille in

Berlin - Der Generaldirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, hat einen "Marshallplan" zum Wiederaufbau des Gaza-Streifens vorgeschlagen. Deutschland sollte "gerade wegen seiner schwierigen Geschichte" eine führende Position bei der Gemeinschaftsaktion übernehmen, sagte der argentinisch-israelische Musiker nach einer vorab veröffentlichten Dankesrede zur Verleihung der Moses-Mendelssohn-Medaille am Dienstagabend in Berlin. Deutschland sollte lernen, "mit seinen Schuldgefühlen anders umzugehen" und im Zeichen der Wiedergutmachung "dem jüdischen Volk helfen, mit den Palästinensern zurechtzukommen", sagte Barenboim.

Mit dem Marshallplan hatten die USA Westeuropa und besonders die Bundesrepublik beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützt.

Die einzige Lösung des Nahost-Konflikts sei die gegenseitige Akzeptanz beider Parteien, sagte Barenboim. "Dies muss das Ende der israelischen Besetzung, den Abbau der illegalen Siedlungen auf palästinensischem Land und das Ende aller Gewalt bedeuten." Die Weltgemeinschaft solle dafür sorgen, dass alle Parteien in Israel und Palästina einen Dialog ohne Vorbedingungen beginnen.

Mit dem Namen des Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) verbinde sich ein jüdisch geprägter Universalismus, "dessen Ideen mir sehr nahestehen", sagte der Dirigent und Pianist. Für Mendelssohn seien Religion und Vernunft keine Widersprüche gewesen, sondern Ausdruck universeller Vernunft. Was Mendelssohn vor mehr als 150 Jahren verstand, müsse heute erneut gelernt werden: "Je mehr man seinen Gegner versteht und respektiert, desto mehr kann man ihn akzeptieren, und von ihm akzeptiert werden", sagte Barenboim.

Das Moses-Mendelssohn-Zentrum der Universität Potsdam hatte Barenboim für seinen Einsatz für Toleranz, Völkerverständigung und ein friedliches Miteinander in Europa und im Nahen Osten gewürdigt. Preisträger waren unter anderem Ignatz Bubis (1994), Kurt Biedenkopf (1998) und Charlotte Knobloch (2008). (APA/dpa)

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