Kämpfe und Ausgangssperre

3. Februar 2009, 18:35
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Sunnitische Fraktionen streiten über Sieg in Anbar

Die irakische Armee hat über die gesamte Provinz Anbar ein vorübergehendes Fahrverbot verhängt. Von Montagmittag an herrschte in Falluja sogar 24 Stunden lang Ausgangssperre. Grund waren bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern rivalisierender Parteien, die sich gegenseitig Wahlfälschungen vorwarfen.

Im Irak fanden am vergangenen Samstag in 14 der 18 Provinzen Wahlen zu den Provinzparlamenten statt. Beobachter sagen eine bedeutende Machtverschiebung voraus. Besonders in den mehrheitlich von Sunniten bewohnten Provinzen, zu denen Anbar gehört, wird eine drastische Veränderung erwartet.Bei den letzten Provinzwahlen 2005 haben die Sunniten mehrheitlich die Wahl boykottiert. Nur die Islamische Partei, deren Vorsitzender Vizepräsident Tarek al-Hashemi ist, war damals angetreten. Sie besetzte seitdem alle wichtigen Ämter in Anbar.

Die Stammesführer des Sawha-Rates, die zusammen mit den USA erfolgreich gegen al-Kaida vorgingen, wollen nun auch politisch Einfluss in ihren Provinzen nehmen und stellten sich zur Wahl.
Offizielle Ergebnisse über die Stimmenverteilung gibt es noch nicht. Deshalb schießen derzeit Spekulationen wie Pilze aus dem Boden. Wirft man einen Blick in die Presse, so beansprucht jede Partei für sich den Sieg. So ist es auch in Anbar. Eine Zeitung berichtet, die Gruppierungen der Sawha lägen vorne, die Islamische Partei behauptet sie habe in Anbar die Wahl gewonnen. Unterdessen wurde bekannt, dass der bisherige Chefunterhändler der USA für Nordkorea, Christopher Hill, neuer US-Botschafter in Bagdad werden soll. (Birgit Svensson aus Bagdad, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

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