Heldenkult um einen toten Landeschef

3. Februar 2009, 17:55
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Ehemaliger NS-"Heldenplatz" soll Haider gewidmet werden

Klagenfurt - Es dauerte gerade einmal eine Woche, da waren die Schilder der umbenannten Jörg-Haider-Brücke schon wieder weg. Ob es sich bei dem Diebstahl um einen Bosheitsakt oder um Souvenirjäger handelt, konnte die Polizei vorerst nicht eruieren. Die vom verstorbenen Landeshauptmann Haider initiierte Brücke führt ins zweisprachige Kärnten.

Fanartikel von Jörg Haider jedweder Art sind nach wie vor äußerst begehrt. Der Kult um den tödlich verunglückten Landeshauptmann hat längst jedes Maß gesprengt.
So schmücken nach wie vor Blumen, Buketts und Kerzen die Unfallstelle bei Lambichl, die einer Pilgerstätte gleicht. In der Nacht zu Haiders 59. Geburtstag stellten unbekannte Spender dort ein kleines Denkmal in Form eines Lindenblatts aus Marmor auf. Die Marmorskulptur wurde mit dem Schriftzug "Jörg" , einem stilisierten Kärntner Wappenlöwen und Haiders Geburts- und Todesdatum versehen.

Teures Marterl

Bald soll dort auch ein Marterl dazukommen, das der Kärntner Künstler Giselbert Hoke gestalten soll. Angeblich soll es nicht - wie zunächst vom BZÖ verlautet - 30.000, sondern 200.000 Euro kosten. Landeshauptmann Gerhard Dörfler wollte das Marterl zunächst vom Land bezahlen lassen, besann sich jedoch nach heftigen Diskussionen. Jetzt soll es über Spenden finanziert werden.

Ein privater Grundstücksstreifen für Parkplätze wurde am Unfallort bereits angekauft, damit Trauernde sich dort längere Zeit aufhalten können, ohne den Verkehr zu beeinträchtigen.
Landeshauptmann Dörfler hat mittlerweile auch das Autowrack, in dem Haider verunglückte, auf Kosten des BZÖ und damit des Steuerzahlers um 40.000 Euro angekauft. Es könnte versteigert werden und der Erlös in die von Witwe Claudia geplante Jörg-Haider-Stiftung fließen. Bis zu 70.000 Euro sollen schon geboten werden. Ein Künstler bot an, aus dem Wrack ein Denkmal zu gestalten, was die Witwe jedoch ablehnte.
In Klagenfurt will man den Park vor dem Landhaus in Jörg-Haider- Platz umbenennen. Allerdings erst nach den Wahlen. Dort befindet sich ein Brunnen, den die Kärntner Künstlerin Kiki Kogelnik, zeitlebens eine vehemente Haider-Kritikerin, der Landeshauptstadt als künstlerisches Vermächtnis hinterlassen hat. Der Landhaus-Park hieß in der Nazi-Zeit übrigens "Heldenplatz" und diente den Nationalsozialisten als Paradeplatz. Auch in Lienz will man dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann einen Platz widmen. (stein/DER STANDARD-Printausgabe, 4. Feber 2009)

 

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