Staatsgeld für Mikrokre­dite steckt in Banken fest

3. Februar 2009, 18:36
72 Postings

Von den 600 Millionen Euro sind nur 200 Millionen frisches Geld, davon 100 EIB-Mittel aus Brüssel, die für Innovationen reserviert sind

Wien - Die Hoffnung klammer Klein- und Mittelbetriebe, aus der staatlichen Förderbank AWS würde ab Mai ein wahrer Geldregen strömen, dürften enttäuscht werden. Denn wohl bekommt die Austria Wirtschaftsservice (AWS) aus dem Titel Konjunkturpaket mehr Geld, für Mikrokredite (bis 30.000 Euro) stehen allerdings nur 50 Millionen Euro zur Verfügung.
Selbige wird auch in Zukunft allerdings ebensowenig die AWS vergeben, sondern wie ERP-Kredite bisher, die Geschäftsbanken. Dass letztere dabei knausrig sind, liegt nicht an der Kreditklemme, sondern an der mickrigen Bezahlung durch die AWS. Sie gewährt den Kommerzbanken pro Kredit nur 500 Euro Verwaltungsgebühr und 0,5 Prozent des aushaftenden Obligos, was als Deckungsbeitrag zu wenig sei, wie Banker ätzen.

Die beste Hilfe gegen diese solcherart künstlich verstärkte Kreditklemme, wie sie Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ankündigte, wäre nach Meinung von AWS-Insidern daher eine Verpflichtung für die - zunehmend mit Staatshilfe versorgten - Banken, diese Mikrokredite zu vergeben. Die AWS könne diese Kredite allein deshalb nicht selbst administrieren, weil ihr Manpower und flächendeckend Filialen fehlten. Zur Veranschaulichung: Mit 50 Mio. Euro können maximal 1700 Kredite á 30.000 Euro gewährt werden. In der AWS rechnet man mit rund 2000 Mikrokrediten für KMU.

Nicht zum Schleuderpreis

Allerdings: Zum Schleuderpreis oder an Betriebe schlechter Bonität könnte die AWS Kredite auch dann nicht vergeben, wenn sie bereits eine Vollbanklizenz hätte: Weil einen ERP-Kredit prinzipiell nur kriegt, wer auch eines Kommerzkredits würdig ist. Laut Gesetz muss ein ERP-Kredit zu hundert Prozent besichert sein, etwa durch Bankgarantien. Und: Selbst, wenn der ERP-Fonds 80 Prozent der Besicherung übernimmt, muss für 20 Prozent eine Bankgarantie her.

Ein genauer Blick lohnt auch bei den nun als Allheilmittel gepriesenen 600 Mio. Euro für KMU-Kredite. Sie bestehen derzeit, wie AWS-Chef Johann Moser am Dienstag eingestand, lediglich aus 200 Mio. Euro frischen Gelds (davon 50 sind laut Konjunkturbelebungsgesetz 2008 für besagte Mikrokredite reserviert, Anm.). Der große Rest, also 400 Mio. Euro, ist für ERP-Kredite, Darlehen etc. reserviert, wie sie die AWS/ERP seit Jahrzehnten vergibt.
Bleiben also 150 frische Millionen zur Verteilung und die sollen, wie Moser ausführte, bevorzugt in Forschungs-, Entwicklungs- und Energieinvestitionen fließen. Der Hintergrund: Dieses Geld stammt aus der Europäischen Investitionsbank (siehe Wissen) und wird - aufgefettet um Staatshaftung - von der AWS an Banken und/oder Unternehmen weiter gegeben.

Wie in den Erläuterungen des Konjunkturbelebungsgesetzes zu lesen, knüpft die EIB ihre 50-prozentige Risikoübernahme an Auflagen: Es müssen Umwelt- oder Energieinnovationen finanziert werden. In der AWS rechnet man mit sechs Krediten und 100 Millionen Euro Gesamtvolumen pro Jahr.

Bleiben Betriebsmittel- und Überbrückungsgarantien: Sie wurden zwar per Gesetz auf bis zu zwei Mio. Euro verdoppelt, bei den Richtlinien für Risiko und Erweiterungsfinanzierung sei das Finanzministerium säumig, heißt es. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Staatsgeld wird auch künftig nicht billiger zu haben sein. Kränkelnde Betriebe haben es auch beim Förderriesen AWS schwer.

Share if you care.