Heftige Turbulenzen in der Luftfahrt

3. Februar 2009, 17:23
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Die Lufthansa überrascht mit mehr Gewinn, während sich SAS von tausenden Mitarbeitern trennen muss. Bei der AUA verhandelt die Führung am Donnerstag mit dem Betriebsrat über ein Gesamtkonzept

Wien/Stockholm/Moskau - Mitten in der Wirtschaftskrise überraschte die Lufthansa am Dienstag mit einer höheren Ergebnisprognose für 2008: Die zweitgrößte europäische Airline hat im Vorjahr besser verdient als zuletzt vorausgesagt. Während die AUAvon einem Verlust von 475 Mio. Euro ausgeht, erwartet die künftige AUA-Eigentümerin Lufthansa ein operatives Ergebnis von 1,3 Mrd. Euro. Zuletzt wurden 1,1 Mrd. Euro (nach 1,4 Mrd. im Jahr 2007) prognostiziert.

Ausschlaggebend dafür war eine insgesamt stabilere als prognostizierte Ergebnisentwicklung im vierten Quartal. Das überrascht, weil das vierte Quartal für alle Airlines zu den schlechtesten seit langem zählte. Erlösausfälle durch eine spürbar nachlassende Nachfrage wurden kompensiert durch einen gesunkenen Ölpreis und das Kostensenkungsprogramm "upgrade", das bereits vor Monaten eingeleitet wurde.

Gleichzeitig warnte die Lufthansa vor zu hohen Erwartungen. "Das Marktumfeld entwickelt sich schwierig, und die Nachfrageschwäche hält unvermindert an."

Erst kürzlich hatte die Airline Kurzarbeit für 2600 Mitarbeiter bei der Frachttochter Cargo angekündigt. Laut Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber ist eine Ausweitung auf weitere Beschäftigte nicht ausgeschlossen. "Aus heutiger Sicht ist das nicht geplant, aber es hängt natürlich von der weiteren Wirtschaftsentwicklung ab." Die Nachfrage sei um durchschnittlich zehn Prozent eingebrochen.

SAS streicht Stellen

Ganz anders ist die Situation beim Star-Alliance-Partner SAS. Die skandinavische Airline, die mehrheitlich den Ländern Norwegen, Dänemark und Schweden gehört, hofft mit einem neuen Eigentümer Lufthansa auf bessere Zeiten. Doch bis es so weit ist, muss SAS, ähnlich wie die AUA, Hausaufgaben erledigen: 2008 wurde bei einem Umsatz von knapp fünf Mrd. Euro ein Verlust von 590 Mio. Euro eingefahren. Die Lehren daraus: zurück an den Start. Der Heimmarkt ist künftig der Norden Europas: Rund 3000 Mitarbeiter müssen gehen, das Streckennetz wird ausgedünnt und die Flotte um 14 Maschinen verkleinert. Zudem kündigte SAS überraschend eine Kapitalerhöhung über sechs Mrd. Kronen (rund 560 Mio. Euro) an, was nicht ganz der Marktkapitalisierung von knapp 7,1 Mrd. Kronen entspricht. Damit rüstet sich das Unternehmen offenbar für den Fall, noch länger ohne Partner auskommen zu müssen. 5600 Mitarbeiter werden die Gruppe verlassen, weil Beteiligungen abverkauft werden.

Maßnahmen, die bei der AUA noch anstehen. Die Vorschau intern für die nächsten Monate lautet: minus 40 Prozent bei der Fracht und minus 20 Prozent bei den Passagieren. Zum Vergleich: In Deutschland rechnet der Branchenverband heuer mit einem Passagierrückgang um fünf Prozent. Morgen, Donnerstag, treffen sich Betriebsrat, Gewerkschaft und Vorstand, um über die geplanten Maßnahmen zu sprechen.

Boden-Betriebsrats-Chef Alfred Junghans erwartet, dass im Konzern Doppelgleisigkeiten etwa bei Tyrolean und AUA gestrichen werden. Zudem sollten die Mitarbeiter von Boston Consulting, die bisher nur für Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch tätig waren, verabschiedet werden, wünscht sich Junghans. Die Notwendigkeit, Mitarbeiter abzubauen, sieht er derzeit noch nicht. Doch auch er ist Realist: Wenn bei der AUA Flieger am Boden bleiben, werde man nicht umhin kommen, über Mitarbeiterabbau zu reden.

Die Passagierrückgänge bei der AUA treffen freilich auch andere Dienstleister: Bernhard Kotlan, Vertreter der Save (früher Airest-Restaurants) am Flughafen, verzeichnete im Jänner ein Umsatz-Minus in Wien um 14,6 Prozent. Er hofft, dass im ersten Quartal das "Tal der Tränen" durchschritten sein wird.

S7 in Turbulenzen

Die zweitgrößte russische Airline S7, die noch im Sommer der trudelnden AUA unter die Arme greifen wollte, kommt infolge der Finanzkrise selbst in Turbulenzen. S7 teilte Anleihehaltern auf ihrer Homepage mit, dass sie "im Zusammenhang mit der sich in den vergangenen Monaten verschlechternden Situation auf den Finanzmärkten und den begrenzten Möglichkeiten, Bankkredite aufzunehmen, plant, sich an die Investoren mit einem Vorschlag über die Restrukturierung ihrer Obligationsverpflichtungen zu wenden".

Dabei soll die russische SAO Raiffeisenbank helfen. Ein Treffen mit den Investoren ist laut einem Zeitungsbericht innerhalb der nächsten fünf Tage geplant. Laut russischen Medien hätte die Fluglinie bis Dienstag Anleihen in Höhe von 2,3 Mrd. Rubel (rund 50 Mio. Euro) tilgen müssen. Die russische Regierung lehnte ein Kreditgesuch der angeschlagenen Fluglinie ab. Zuvor hatte die S7 bereits die Bestellung von 15 Boeing 787 Dreamliner für rund 2,4 Mrd. Dollar storniert. Die S7, die im Besitz der Familie Filjow steht, hatte die Flieger im Mai 2007 bestellt, um die alten Flugzeuge aus sowjetischer Produktion zu ersetzen. (Claudia Ruff, Verena Diethelm, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

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    Die Deutschen trotzen der Krise, sparen aber dennoch.

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    Bei der skandinavischen Airline werden tausende Mitarbeiter abgebaut.

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    Am Donnerstag treffen sich AUA-Betriebsrat und Vorstand.

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