Internationaler Gerichtshof zieht Seegrenze neu

3. Februar 2009, 16:58
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Schwarzmeer-Streit um Öl- und Gasvorkommen - Sowohl Rumänien als auch die Ukraine sind mit dem Urteil zufrieden

Den Haag/Bukarest/Kiew - Im jahrzehntelangen Streit um Ölvorkommen im Schwarzen Meer hat der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag die Seegrenze zwischen der Ukraine und Rumänien neu gezogen. Demnach bekommt Rumänien das Recht, knapp 80 Prozent des von beiden Seiten beanspruchten 12.400 Quadratkilometer großen Festlandsockels mitsamt der Gas- und Ölvorkommen zu nutzen, wie das Außenministerium in Bukarest am Dienstag mitteilte. Kiew wertete das Urteil ebenfalls als Erfolg.

Die nun festgelegte Grenze verläuft südlich der kleinen Schlangeninsel. Die Ukraine will die rund um das 17 Hektar große Eiland (Insula Serpilor/Smejny Ostriw) vermuteten Öl- und Gasvorkommen ausbeuten. Die Richter in Den Haag legten für die wirtschaftliche Nutzung einen Umkreis von 12 Seemeilen um die Insel fest. Zwischen Rumänien und der Ukraine tobte seit Jahren ein Streit um das Gebiet, nachdem die kommunistische Führung in Bukarest die Insel nach dem Zweiten Weltkrieg der damaligen Sowjetunion geschenkt hatte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion fiel das Eiland an die Ukraine.

Zehn Millionen Tonnen Erdöl im Festlandsockel

Moskau hatte in sowjetischer Zeit auf der Schlangeninsel, die keine Trinkwasservorkommen hat, eine Radarstation mit Reichweite bis ins Mittelmeer gebaut. Es wird geschätzt, dass im Festlandsockel zehn Millionen Tonnen Erdöl sowie eine Milliarde Kubikmeter Erdgas lagern. Für die Förderung haben Energiekonzerne wie OMV, British Petroleum und Royal Dutch/Shell Interesse bekundet.

Zahlreiche Sagen ranken sich um die Insel. In der Antike soll Achilles, Held des trojanischen Krieges, auf dem damals Leuke (Weiße Insel) genannten Eiland begraben worden sein. Im 19. Jahrhundert fand man dort Reste eine Achilles-Tempels. Anderen Legenden zufolge galt sie als Zufluchtsort der Seelen von Verstorbenen.

In den vergangenen sechs Jahren hatten die Ukraine und Rumänien vergeblich versucht, sich in Verhandlungen auf den Verlauf der Schwarzmeergrenze zu einigen. Der Streit um das Gebiet im Schwarzen Meer kam bereits 1967 zwischen Rumänien und der früheren Sowjetunion auf. 1997 vereinbarten Bukarest und Kiew, die Ressourcen in dem umstrittenen Gebiet nicht auszuschöpfen. Rumänien brachte den Fall 2004 vor den Internationalen Gerichtshof, der im Auftrag der Vereinten Nationen für die Beilegung von Streitfällen zwischen Staaten zuständig ist. (APA/Reuters)

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