"Für uns Jungfamilien ist die Solar-City ideal"

3. Februar 2009, 16:47
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Skepsis und Wohntraum in der Öko-Mustersiedlung

Linz - Eigentlich wollte sie gar nicht "hierher", gibt eine Mutter zu. An ihrer linken und rechten Hand hält sie jeweils einen Buben fest. Die Kinder sind mit Schal und Mütze eingemummt, durch Sehschlitze schauen vier gerötete Augen hervor. "Beide haben fast 40 Grad Fieber", erklärt die Frau. Doch nachdem nun einmal keine Oma in der Nähe lebt, die auf die Enkel aufpassen könnte, nimmt sie die zwei Grippekranken schnell mit zum Einkaufen.

In Situationen wie diese habe sie ihr neues Zuhause zu schätzen gelernt. Alles sei in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar - das Ärztezentrum mit Apotheke, Nahversorger, Kindergarten, Schulen. "Für uns Jungfamilien ist die Solar-City ideal", muss sie nach drei Jahren zugeben. Ihre anfängliche Skepsis, in eine Satellitenstadt zu übersiedeln, sei verflogen. Als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war, seien sie (notgedrungen) aus der Innenstadt hinaus in die ökologische Mustersiedlung von Linz gezogen.

Abfalltrennung am Lokus

3500 Quadratmeter Sonnenkollektoren erzeugen heute knapp die Hälfte des Warmwassers für die 1300 Genossenschaftswohnungen in der 32 Hektar großen Siedlung in Linz-Pichling. Die restliche Wärme für Wasser und Heizung liefert die Fernwärme (Kraft-Wärme-Kopplung). Doch der Umwelt zuliebe kamen die Bewohner nicht dorthin. "Für die Wohnungssuchenden ist der ökologische Aspekt völlig wurscht" , musste auch Planungstadtrat Klaus Luger feststellen. Lebensqualitätsfaktoren wie Infrastruktur und Naherholung seien ausschlaggebend für die Beliebtheit der Solar-City.

Dem muss Christoph Königsecker dann aber doch widersprechen. Den dreifachen Vater, derzeit in Karenz, überzeugte die "ökologische Bauweise und das Konzept für nachhaltiges Wohnen" . So werde etwa in seiner Anlage das "weltweit größte Versuchsprojekt von Trenn-WCs durchgeführt" , erfuhr er bei einer Informationsveranstaltung. Urin und Stuhl werden dabei getrennt aufgefangen. Aus dem Urin versuche man in einer eigenen Kläranlage Ammoniak zu gewinnen, der Stuhl werde kompostiert, um Dünger daraus herzustellen.

Die Handhabung dieser Toilette erfordere jedoch einiges an Geschick, gesteht Königsecker. In der Klomuschel befinden sich nämlich zwei Löcher, in das vordere muss das kleine, in die hintere das große Geschäft - vor allem für die Kinder keine leichte Aufgabe. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2009)

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