Schaden durch AvW-Affäre 1,8 Millionen Euro

3. Februar 2009, 15:59
1 Posting

Zöchling: Durch Deal mit RHI-Aktien - Zahl der Mitarbeiter seit Sommer halbiert - Zurücklegung der Konzession auch wegen Gesetzesinterpretation

Wien - Der Wiener Broker RRS wehrt sich gegen die Vorwürfe, die die angeschlagene Kärntner AvW in diversen Sachverhaltsdarstellungen gegen ihn erhoben hat. Nicht die RRS Capital Strategies Services GmbH habe der AvW einen Schaden zugefügt, sondern umgekehrt. Im vergangenen Jahr habe die AvW etwa 144.000 RHI-Aktien bei RRS geordert. Davon habe sie rund 75.000 Stück am 9. Oktober "normal abgekauft", die restlichen rund 69.700 am 10. Oktober aber nicht mehr, sagte RRS-Geschäftsführer Stephan Zöchling am Dienstag zur APA. Dadurch sei der RRS ein Schaden von rund 1,8 Mio. Euro entstanden.

Wie berichtet hat die AvW die RRS beschuldigt, am AvW-Vorstand vorbei nicht genehmigte Geschäfte mit dem ehemaligen Prokuristen der Kärntner Firma abgewickelt zu haben. Laut einer AvW-Anzeige sollen der Ex-Prokurist und ein RRS-Mitarbeiter mit unautorisierten RHI-Aktien-Deals bei der AvW einen Schaden von über 3 Mio. Euro verursacht haben.

Zöchling wies dies heute erneut zurück. Es sei nicht die Aufgabe eines Brokers, zu hinterfragen, warum ein Kunde welche Aktien kauft. RRS unterhalte seit 2005 Geschäftsbeziehungen mit der Firma von Wolfgang Auer von Welsbach. Die 1,8 Mio. Euro seien noch nicht beglichen.

Höhere RHI-Beteiligung angedacht

Außerdem bestätigte Zöchling die früheren Aussagen eines RRS-Mitarbeiters, wonach RRS und AvW im Jahr 2007 darüber nachgedacht hätten, gemeinsam Beteiligungen bei der RHI aufzubauen und der RRS-Co-Geschäftsführer Rene Riefler in den RHI-Aufsichtsrat gehen sollte. Dies wurde aber bei der Hauptversammlung im Mitte 2007 verhindert, weil RHI-Hauptaktionär Martin Schlaff seine Vertrauensleute im Aufsichtsrat durchgesetzt hat. Riefler, ein Gegenkandidat der RHI-Kleinanleger, wurde bei der HV mit 78 Prozent abgelehnt.

Der betreffende RRS-Mitarbeiter arbeite seit Oktober nicht mehr für den Broker, er habe sich selbstständig gemacht. "Ein derartiger Schadensfall beschleunigt Personalreduktionen", meinte Zöchling. Aufgrund der Finanzkrise habe die RRS seit August die Zahl ihrer Mitarbeiter von 15 auf sieben heruntergeschraubt.

Der Regierungskommissär Ernst Malleg, den die FMA am 13. Jänner in die RRS geschickt hat, sei bis zu seiner Abberufung am 30. Jänner nur viermal dagewesen und habe schon am 26. Jänner seinen Abschlussbericht unterschrieben. Die Zurücklegung der Wertpapier-Konzession am 15. Jänner habe auch etwas mit der Interpretation des Wertpapieraufsichtsgesetzes (WAG) 2007 durch die Behörden zu tun. Laut Zöchling bestätigten Wirtschaftsprüfer der RRS am 22. Dezember, über genug Eigenmittel zu verfügen. Bei strenger Gesetzesauslegung habe die RRS die Eigenmittelvorschriften aber nicht erfüllen können. (APA)

Share if you care.