Wie anpassungsfähig ist das "Ökosystem Wald"?

3. Februar 2009, 16:08
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Austrian Research Center veranstaltet in Baden bis 5. Februar internationales Evolutionsgenetiker-Meeting

Baden - Der Wald gibt der Wissenschaft immer noch Rätsel auf: 130 Evolutionsgenetiker aus aller Welt berichten und diskutieren drei Tage lang in Baden zum Thema "Ökosystem Wald und Klimawandel" Fortschritte und Probleme im Bereich der neuen Forschungsrichtung Ökosystem-Genetik. Veranstalter des von Dienstag bis Donnerstag stattfindenden "EVOLTREE"-Meetings ist die Austrian Research Centers GmbH (ARC).

Wie die ARC in einer Aussendung erläuterten, ist EVOLTREE ein interdisziplinäres Exzellenznetzwerk, in dem 25 führende Forschungsgruppen aus 15 europäischen Ländern an der Erforschung der Evolutionsgenetik der Wälder zusammenarbeiten. Ihr Ziel ist es, wissenschaftliche Grundlagen für Vorhersagen über Auswirkungen des Klimawandels zu erstellen. EVOLTREE wird durch die Europäische Kommission mit 14,3 Mio. Euro finanziert. Projektleiter ist der Wallenbergpreisträger 2006, Antoine Kremer vom Institut INRA (Bordeaux, Frankreich).

Anpassungspotenzial im Mittelpunkt

Das Hauptaugenmerk bei der Forschungsarbeit in EVOLTREE wird auf das Anpassungspotenzial von Bäumen als langlebigste Organismen der Ökosysteme gelegt, deren Fitness durch eine hohe genetische Vielfalt gewährleistet wird. Diese Vielfalt kann durch moderne molekularbiologische Methoden gemessen werden. Wälder sind komplexe Ökosysteme, weshalb es integrierter interdisziplinärer Forschungsansätze bedarf, um in weiterer Folge Reaktionen auf Umwelteinflüsse vorhersagen zu können. Bäume sind jedoch nur ein Bestandteil der Ökosysteme, die im Projekt untersucht werden - zur Systembetrachtung der terrestrischen Biodiversität gehören auch baumassoziierte Insekten, Bakterien und Pilze.

Expertisen von Genetik und Genomik über Ökologie und Systemmodellierungen bis hin zu Bioinformatik führen zur neuen Forschungsrichtung der Ökosystem-Genetik. Ein weiteres Ziel des Forschungsnetzwerks ist es, die wissenschaftlichen Ergebnisse den politischen Entscheidungsträgern im Interesse nachhaltiger Nutzung und Erhaltung der wertvollen Ressource Waldökosystem nahe zu bringen.

Gesamtgenome von 3.500 Bäumen

In Seibersdorf befindet sich das zentrale Ressourcenzentum des Projektes, das ARC ist zugleich Wissens- und Datenbankknoten des Netzwerks: In der weltweit ersten automatisierten Biobank für Wald-Gen-Ressourcen lagert DNA von über 300.000 Genen von Bäumen, Insekten und Pilzen sowie die Gesamtgenome von 3.500 Bäumen aus ganz Europa. Sie dienen für Diversitätsuntersuchungen und als Referenzmaterial für weiterführende Forschungsprojekte.

Das ARC vernetzt forstliche Datenbanken von Partnerinstitutionen in ganz Europa und macht so an unterschiedlichen Instituten gespeichertes Wissen zentral über einen einzigen Zugangspunkt online per Internet such- und nutzbar (http://www.evoltree.eu). Ziel dieses Informationsportals ist die Integration der Forschungsaktivitäten und somit Verringerung der Fragmentierung der Forschungslandschaft im gesamten Europäischen Raum. (APA)

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    Das Hauptaugenmerk bei der Forschungsarbeit in EVOLTREE wird auf das Anpassungspotenzial von Bäumen gelegt.

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