Geteilte Meinungen zu Schmieds Maßnahmenpaket

3. Februar 2009, 14:24
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Hahn hofft auf mehr Qualität durch Uni-Ausbildung - FPÖ sieht "Beruhigungspille" und warnt vor Abschaffung des Religionsunterrichts

Wien - Gemischt sind am Dienstag die Reaktionen auf das von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) präsentierte Maßnahmenpaket für islamische Religionslehrer ausgefallen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) erhofft sich konkrete Verbesserungen über die Lehrerausbildung. Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer sprach von einer bloßen "Beruhigungspille". Verwirrung gab es um Schmieds Äußerungen zum Thema Ethikunterricht. Die FPÖ warnte vor dessen Einführung "durch die Hintertür". Der Cartellverband (ÖCV) freute sich indes, dass Ethikunterricht für vom Religionsunterricht abgemeldete Schüler Pflicht werden solle. Aus dem Unterrichtsministerium hieß es dazu, dass dieser weiterhin nur als zusätzliches Fach für alle Schüler denkbar wäre.

Zweiter Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik

Hahn wiederholte seine Forderung nach einer akademischen Ausbildung für alle islamischen Religionslehrer. Im Ministerium liefen bereits Vorarbeiten, um die vereinbarte Qualitätssicherung auf universitärer Ebene voranzutreiben: Es soll ein zweiter Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Uni Wien eingerichtet werden, parallel sollen dort zwei Lehrgänge mit den Schwerpunkten "Muslime in Europa" sowie "Muslim Community" angeboten werden.

Mölzer bezweifelte, ob das Bekenntnis islamischer Religionslehrer zu Demokratie und Menschenrechten in neuen Dienstverträgen "auch mit Leben erfüllt wird". Es bestünden "mehr als berechtigte Zweifel, ob die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) fähig und willens ist, die ihr im Fünf-Punkte-Programm übertragenen Aufgaben zu erfüllen".

FPÖ warnte vor Abschaffung des Religionsunterricht

Die beiden Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Christen in der FPÖ, die Abgeordnete Heidemarie Unterreiner und der Wiener Stadtrat Johann Herzog, warnten unterdessen, dass Schmied "den Religionsunterricht zukünftig auf leisen Sohlen aus den Schulen verdrängen" und durch Ethikunterricht ersetzen wolle. Das "verdrängt nicht nur auf Sicht den konfessionellen Religionsunterricht, sondern öffnet auch noch Tür und Tor für eine staatlich vorgeschriebene Gesinnung", so die FPÖ-Politiker.

Der Österreichische Cartellverband (ÖCV) nannte es in seiner Aussendung begrüßenswert, dass Schmied eine langjährige ÖCV-Forderung aufgreife. Wer sich vom Religionsunterricht abmelde, müsse Ethik-Unterricht besuchen. "Im Interesse der Schülerinnen und Schüler ist auf eine schnelle Umsetzung zu hoffen", so ÖCV-Präsident Michael Wildling. Im Unterrichtsministerium betonte man jedoch, dass eine Einführung des Ethikunterrichts nur für alle Schüler zusätzlich zum Religionsunterricht vorstellbar sei. Im Frühjahr ist dazu eine parlamentarische Enquete geplant.

AKS fordert generelle Abschaffung

Die SP-nahe Aktion Kritischer Schüler (AKS) forderte in einer Aussendung die generelle Abschaffung des Religionsunterrichts und dessen Ersatz durch "einen Unterricht, in dem sich kritisch mit den verschiedensten Werten und Moralverstellungen auseinandergesetzt wird", so der AKS-Bundesvorsitzende Klaus Baumgartner. Er begrüßte die Verpflichtung, sich zu Demokratie zu bekennen, dies müsse aber für alle Lehrer und nicht nur islamische Religionspädagogen gelten. (APA)

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