Facebook-Gruppen als "Leuchtfeuer von Aktivisten"

3. Februar 2009, 14:42
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Grün-Anhänger sind längst nicht die einzigen, die das Internet für ihre Zwecke mobilisieren - Viel mehr, als Aufmerksamkeit zu erzeugen, bringen diese Initiativen aber nicht

Es liegt im Trend, sich auf Facebook zu registrieren, um mitzuverfolgen, was die "Freunde", die man womöglich seit Jahren nicht mehr gesehen hat, immer so treiben. Das haben längst auch Politiker bzw. Partei-Anhänger erkannt. Sie nutzen das Internet gezielt, um Stimmung zu machen. Da gibt es Gruppen, die Arigona Zogaj unterstützen, welche, die Fekter aus dem Land haben wollen, oder eben ganz aktuell jene, die sich mit dem Grünen Johannes Voggenhuber solidarisch erklären.

Erfolg durch das Erzeugen von Aufmerksamkeit

Doch welches Potenzial steckt hinter solchen Initiativen? Haben Facebook-Gruppen oder politische Weblogs tatsächlich Auswirkung auf die "echte" Politik? Flooh Perlot von der Donau-Uni Krems, der auf das Thema Politische Kommunikation und neue Medien spezialisiert ist, sagt im Gespräch mit derStandard.at: "Facebook-Gruppen, wie jene für Voggenhuber, erzeugen Aufmerksamkeit und dadurch zeigt sich ihr Erfolg." Auf der anderen Seite, so Perlot, müsse man sich aber bewusst sein, dass sie nicht repräsentativ sind. Genauso wenig wie Umfragen auf derStandard.at, wo 85 Prozent meinen, dass es die falsche Entscheidung war, Voggenhuber nicht auf der EU-Liste kandidieren zu lassen.

Trotzdem erzeugen sie ein Stimmungsbild, so Perlot, und es wäre "unprofessionell" von den Parteien, würden sie dem keine Aufmerksamkeit schenken. Es sei als "Leuchtfeuer von Aktivisten" zu sehen, wenn sich interessierte Personen im Internet für bestimmte Anliegen einsetzen. Die Auswirkungen darüber hinaus seien aber nur schwer messbar.

Nur politisch Interessierten bei politischen Gruppen

Erreichen kann man via Internet mittlerweile jedenfalls viele Menschen. Insgesamt haben in Österreich drei Viertel aller Einwohner Zugang zum Internet. Bei 60 Prozent ist die Nutzung intensiv. Aber die allgemeine Internetnutzung entspricht nicht der politischen Internetnutzung. Normalerweise, so Perlot, sind die Personen im Internet politisch aktiv, die das auch im "Real-Life" sind und zum Beispiel Demonstrationen besuchen.

Seitens der Parteien sei nicht bekannt, ob sie Internetaktivitäten - zum Beispiel auf Facebook - gezielt steuern. "Das würden sie auch nicht zugeben und ich möchte es ihnen auch nicht unterstellen", so Perlot. Er erinnert nur daran, dass im Juli 2005 im Vorfeld der Landtagswahlen in der Steiermark ein vierseitiges Papier namens "Medienschulung - Leserbriefe und Postings" der ÖVP aufgetaucht ist, in dem zu lesen war, wie Funktionäre "sachlich unqualifizierte, aber für die Stimmung wichtige Einträge" verfassen können.

Österreichs Parteien auf Facebook

Die österreichischen Parteien sind jedenfalls alle auf Facebook vertreten - zumindest durch ihre Anhängerschaft. Sucht man zum Beispiel "SPÖ" erhält man 30 Treffer. Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann hat kein eigenes Profil, dafür seine Mitstreiterin, SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas - mit solzen 876 Freunden. ÖVP-Gruppen gibt es 25, FPÖ-Gruppen 29. Letztere sind aber hauptsächlich Anti-FPÖ-Gruppen, die etwa "HC Strache NEIN DANKE!!! FPÖ NEIN DANKE!!!" heißen.

Ein beliebtes Thema ist auch Arigona Zogaj. Von "Arigona vs. Schotter-Mitzi - Eine muß raus" (Pro Arigona) bis zu "we don't want to support arigona zogaj!!! go back home!!!" (Contra Arigona) sind die Meinungen breit gestreut. Was bringt einen Facebook-User dazu, so eine Gruppe zu gründen? "Das war eine Frustgeschichte, die aus dem Bauch heraus entstanden ist", erklärt Walter Wratschko, Gründer der oben erwähnten Pro-Arigona-Gruppe.

Politiker, die Facebook häufig nutzen sind, sind neben Rudas Silvia Fuhrmann (ÖVP) oder Eva Lichtenberger (Grüne). Unter den Politikergruppen auf Facebook ist international gesehen die Gruppe "Barack Obama (One Million Strong for Barack)" mit 985.000 Mitgliedern eine der größten.

Politiker und Weblogs

Was Österreichs Politiker mittlerweile immer häufiger nutzen, sind Weblogs. Von beinahe jeder Partei gibt es Vertreter, die für ihre Nachrichten im World Wide Web bekannt sind. Seitens der SPÖ ist zum Beispiel Hannes Swoboda ein eifriger Blogschreiber, bei der ÖVP die ehemalige ÖVP-Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis, seitens der Grünen zum Beispiel Christoph Chorherr.

Politische Weblogs - nicht nur von Politikern, sondern auch von Wählern - findet man auch unter www.politikblogs.at. "Gestartet wurde das Projekt anlässlich der Nationalratswahl 2006", sagt Geschäftsführer Matthias Platzer im Gespräch mit derStandard.at. Jeder kann seinen Blog vorschlagen, der dann von der Redaktion geprüft wird. "Die Grundvoraussetzung ist, dass sich der Blog mit Politik beschäftigt. Die Blogger werden dann ihren Parteien zugeordnet." Parteiunabhängige werden unter "Wähler" zusammengefasst, Blogger von Zeitungen und deren Internetseiten unter "Medien". 53 der insgsamt 125 Blogger sind Wähler, 29 grün, 18 von der SPÖ und 12 von der ÖVP. Das BZÖ besitzt einen Blog, gleich viel wie die PPÖ, die "Piratenpartei Österreichs".

Welcher Blog die höchsten Zugriffszahlen hat, wird nicht gemessen. In der Rubrik "Aktuelle Themen" sieht man die Themen, über die am meisten geschrieben wird. Im Moment sind das Asyl, Medien und Kinder - und natürlich die Debatte um die Grünen. (ros, rwh, derStandard.at, 3.2.2009)

  • Anti-Fekter-Gruppen auf Facebook.
    foto: screenshot

    Anti-Fekter-Gruppen auf Facebook.

  • Politikblogs.at sammelt politische Weblogs.
    foto: screenshot

    Politikblogs.at sammelt politische Weblogs.

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