Verbund-Chef drängt auf raschen Ausbau

3. Februar 2009, 13:39
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Anzengruber will 2,4 Milliarden Euro investieren, um die Importabhängigkeit Österreichs zu bremsen - "Investitionen würden Staat keine Euro kosten"

Wien  - Der neue Verbundchef Wolfgang Anzengruber drängt auf einen raschen Ausbau der Wasserkraft in Österreich. Allein der Verbund könnte 2,4 Mrd. Euro in den Ausbau von Kraftwerken investieren, die rund 2,3 Mrd. Kilowattstunden Strom erzeugen. "Wir hätten die Finanzierung oder könnten sie machen und den Staat würde das keinen Euro kosten", sagte Anzengruber am Montagabend im Zigarrenclub.

"Wenn wir nicht bald entsprechende Schritte setzen, könnte die Importabhängigkeit Österreichs weiter steigen", befürchtet der Verbund-Boss, außerdem sei ihm unklar, wie Österreich seine Kyoto-Ziele ohne die Umsetzung des Masterplans Wasserkraft erreichen wolle, sagte Anzengruber. Seit acht Jahren muss Österreich etwa 10 Prozent seines Strombedarfs aus dem Ausland einführen. "Ich würde es komisch finden, wenn man darauf verzichtet", sagte der Neo-Chef des größten Players unter den heimischen Stromfirmen.

Großes Potenzial

Dem im Mai 2008 vorgestellten Ausbauplan zufolge hat Österreich ein - noch wirtschaftlich sinnvoll realisierbares - Gesamt-Ausbaupotenzial bei Wasser von 13 Terawattstunden (TWh) (ohne Antasten von sensiblen Projekten wie Hainburg). In einem ersten Schritt bis 2020 könnten 7 TWh - etwa 12 Prozent des heimischen Stromverbrauchs - umgesetzt werden, womit rund 6.000 Arbeitsplätze geschaffen und 3 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden könnten.

Insgesamt sind beim Verbund 26 Projekte am Laufen, in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, die von Machbarkeitsstudien über Erneuerung von Maschinen bis zum Bau oder Ausbau von Kraftwerken reicht. Zu den größten Vorhaben zählen derzeit der Bau eines zusätzlichen Pumpspeichers bei Kaprun Limberg II, das bis 201 fertiggestellt sein soll, sowie Reißeck II (Kärnten) bis 2016. Weit gediehen ist ein Gemeinschaftskraftwerk am Inn, bei dem nur noch die Landtagsentscheidung aussteht, heißt es beim Verbund. Den nächsten Schritt bei Kaprun - Limberg III - macht Anzengruber von der Fertigstellung der 380 KV-Leitung in Salzburg abhängig.

"Kein Krischen"

Obwohl die derzeitige Krise, "eine veritable, kein Krischen" sei, warnte Anzengruber vor einer "Inflation von Krisen und Masterplänen". Die Ankündigungen seien gut, mindestens so wichtig sei allerdings die Umsetzung. Er forderte von der Politik eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für die zahlreichen Projekte und eine "Abkehr vom Floriani-Prinzip". Der Verbund habe aus der Vergangenheit gelernt und versuche auf Umwelt-Bedenken weitgehend einzugehen "aber ein Eingriff bleibt es". Anzengruber bekräftigte auch seine Pläne für einen Ausbau von "neuen" erneuerbaren Energieträgern wie Biomasse, Sonne oder Wind, die fossile Brennstoffe noch lange nicht ersetzen könnten. "Wir brauchen alles" und dazu noch eine Energieeffizienzplan um dem steigenden Energiebedarf Herr zu werden, betonte der Verbund-Boss.

Sein Gehalt als Verbund-Chef bezeichnete Anzengruber auf entsprechende Fragen als gerechtfertigt. Das Einkommen von rund 820.000 Euro - 550.000 Euro davon fix, plus 50 Prozent Prämie, sei im Geschäftsbericht veröffentlicht und er stehe dazu. Er "halte nix von Flagellantentum" und einem "gewaltsamen "Nach unten-Lizitieren". Die exorbitanten Gehälter etwa in den USA seien aber durchaus zu hinterfragen.

Strompreisanstieg erwartet

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney konstatiert einen Rückgang der Investitionen in der Elektrizitätsbranche wegen der Krise und prophezeit einen Anstieg der Strompreise an den Großhandelsmärkten um bis zu 50 Prozent für die Zeit danach.

Nach einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie haben sich durch die Krise die Fremdkapitalkosten für Investitionen um bis zu 120 Basispunkte erhöht. Die notwendigen Investitionen in den europäischen Kraftwerkspark von 30 bis 35 Mrd. Euro pro Jahr würden aktuell nicht mehr in vollem Umfang getätigt. Laut A.T. Kearney sinken vor allem die Investments in die erneuerbare Stromerzeugung durch kommerzielle Investoren. Verbundchef Wolfgang Anzengruber hatte am Dienstag dagegen Vorhaben, heuer eine Milliarde Euro zu investieren, bekräftigt. (APA)

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