"Beschämende" Bonusbezüge trotz Krise

4. Februar 2009, 08:50
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Trotz Wirtschaftskrise und Bankverstaatlichungen blieben die Boni der Wallstreet-Banker 2008 hoch

US-Präsident Barack Obama plant einem Zeitungsbericht zufolge eine Obergrenze für Managergehälter von 500.000 Dollar (389.135 Euro) für Firmen, die staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen weiter berichtet, will Obama die Maßnahme am Mittwoch bekanntmachen.

Geplant sei auch ein Verbot für Bonuszahlungen, die über das Gehalt hinausgingen. Normale Aktiendividenden seien davon ausgenommen. Obama hatte am Dienstag in Fernsehinterviews angekündigt, am heutigen Mittwoch Stellung zu seinen Vorstellungen über Managergehälter angesichts der Finanzkrise zu nehmen.

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Der Aufschrei war groß. "Beschämend" nannte Barack Obama die Bonuszahlungen für die Wall-Street-Banker, die diese 2008 trotz Finanzkrise und globalem Jobabbau für sich verzeichnen konnten. Während ausgehend von der New Yorker Wall Street die Schockwellen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft brandeten, belohnten sich die Manager der US-Wertpapierindustrie mit geschätzt 18,4 Milliarden Dollar an Boni. Für den neuen US-Präsidenten ist das der "der Gipfel der Verantwortungslosigkeit".

Die Bonuszahlungen für das Vorjahr werden damit zwar um knapp 44 Prozent geringer ausfallen als 2007, doch Aktionäre und Politiker machen Druck auf eine Reform der Bezahlung von hochrangigen Managern.

Die letzten zwei Jahrzehnte standen ganz im Zeichen der gewinnabhängigen Bezahlung. Zuletzt kamen bereits deutlich mehr als zwei Drittel der Managergehälter aus einer variablen Prämie. Das Kalkül hinter den hohen Boni ist einfach: Manager und Angestellte sollten auf Linie gebracht werden. Sie sollten an denselben Unternehmenszielen arbeiten wie die Eigentümer, - im Falle der großen börsenotierten Gesellschaften die Aktionäre - also den hohen Dividenden und Gewinne.

Top-Manager erhielten daher als Prämie Aktienoptionen. Diese Optionen sind abhängig vom Aktienkurs. Zu einem gewissen Zeitpunkt, meistens am Ende eines Quartals, räumen die Optionen das Recht ein, Aktien des Unternehmens zu einem gewissen Preis zu kaufen. Steigt der Kurs des Unternehmens an der Börse, steigt auch der Wert der Option. Dem Bonus im Falle eines steigenden Aktienkurses steht kein Malus bei fallenden Kursen gegenüber.

"Exzessiv hoch"

Doch mit der Finanzkrise sinkt nicht nur der Wert der Optionen. Aktionäre realisieren, dass die Angleichung der Interessen, die sie mit der Ausgabe der Optionen zum Ziel hatten, nicht eingetreten ist. So haben die Pleitemanager zahlreicher US-Banken (siehe Fotos) ihre Institute trotz Erfolgsprämien im Jahre 2007 nur wenige Monate später an die Wand gefahren. Gerade im Finanzbereich waren die vergangenen Jahre dabei von einem regelrechten Exzess der Manager geprägt - und das zu Unrecht, wie jüngst eine Studie feststellte. Laut Studienautor Thomas Philippon von der New York University waren die Gehälter, die in der Finanzbranche seit 2000 gezahlt worden sind, "exzessiv hoch". Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nur eine weitere Phase mit derart unverhältnismäßigen Gehältern: die 1930er.

In den USA und Europa sind die Bankenrettungspakete daher an die Bedingung gekoppelt, dass die Manager auf ihre Bonuszahlungen verzichten. Die US-Regierung wird bereits in dieser Woche neue Regeln für ihre Bankenpakete bekanntgeben. Neben einer Richtlinie für die Kreditvergabe werde Barack Obama die Boni kürzen.

Nichtsdestoweniger versuchen Geldinstitute nach wie vor, Mitarbeiter mit hohen Boni zu ködern. So hat die Schweizer UBS trotz ihrer eigenen Probleme im letzten Quartal 2008 mehr als 200 Börsenmakler von US-Firmen abgeworben. Die versprochenen Bonuszahlungen sind knapp dreimal so hoch wie bei der Konkurrenz. Experten bezeichneten die Boni als "einen der aggressivsten Deals", die es in der Branche je gegeben habe. Für 2008 möchte die UBS trotz Verlustes mehr als eine Mrd. Euro an Boni ausschütten, knapp ein Drittel des Geldes, das sie von der Regierung als Rettung erhalten hat.

Die UBS steht wegen angeblichen Bonuszahlungen in Milliardenhöhe unter Beschuss, weil gleichzeitig Verluste und weiterer Stellenabbau erwartet werden. (Lukas Sustala, red, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

  • John Thain, CEO Merrill Lynch:
15,6 Mio. Dollar
    foto: epa

    John Thain, CEO Merrill Lynch:

    15,6 Mio. Dollar

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    Marcel Ospel, UBS:

    21,2 Mio. Dollar

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    Richard Fuld, CEO Lehman Brothers:

    71,9 Mio. Dollar

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