Wir sind die Schlechten!

3. Februar 2009, 11:37
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Es hilft nichts: Eine "Bad Bank" muss her - Eine Glosse

Die Finanzkrise ist ganz unten angekommen. Beweise? Ach, fragen Sie doch einfach im Bekanntenkreis herum, falls Sie's selbst noch nicht auf einen Maskenball geschafft haben. Da treten ganze Horden an zu Sandlern abgewrackten Kleinanlegern auf, mit leeren Dopplerflaschen und schnapsroten Nasen. Urlustig. Wird dabei noch die ortsansässige Bankfiliale gehörig durch den Dreck gezogen, ist ihnen der 1. Preis in der Gruppenwertung praktisch nicht zu nehmen.

Jetzt heißt es Nägel mit Köpfen machen. Das Bankenproblem muss gesamtheitlich betrachtet und bekämpft werden: Eine "Bad Bank" muss her, damit das Vertrauen in die um ihren Wertpapier-Müll erleichterten Institute wieder greifen kann. Ein paar Punkte wären dabei aber zu beachten, soll das Modell ein Erfolg werden.

Zunächst ist festzustellen, dass der Name "Bad Bank" imagemäßig grundsätzlich nicht zu tadeln ist, ergeben doch - wie jeder aus der Schule weiß - zwei Minus ein Plus. Die flotte Kurzversion "BaBa" würden die Österreicher darüber hinaus mit Sicherheit sofort in ihre Herzchen schließen.

Weiters tun sich Synergie-Effekte auf wie sonst nur die Germknödeln von der Oma: Eine österreichische "Bad Bank" eignete sich nämlich hervorragend für die geplante Leiharbeiter-Stiftung. Die Ausbildung der Kollegen tut nichts zur Sache; dass ein Bankmitarbeiter seine eigenen Produkte auch wirklich durchschaut, war zuletzt ja nicht nur nicht sehr chic, sondern eher schon ein Kündigungsgrund.

Für den Werbeslogan - Achtung Kleinanleger! Es folgt eine perfide Gemeinheit! - Anleihen bei aktuellen Werbeauftritten österreichischer Banken zu nehmen, könnte sich jedoch als Bumerang erweisen. "Vertrauen vernichtet" wäre zu ehrlich, das glaubt nicht einmal die Finanzaufsicht. Vielmehr bietet sich ein Versatzstück an, schamlos zusammengeklaut von einem Internet-Provider und vom aktuellen Berliner Bürgermeister: "Wir sind die Schlechten. Und das ist gut so." Unterlegt wird das Ganze mit Michael Jacksons "I'm Bad". Der Welthit ist zwar aus 1987 und damit schon steinalt, aber sein Interpret hat den Riesenvorteil, dass er erstens billiger ist als damals, zweitens authentischer.

Und wo wir gerade beim Thema sind: Der Begriff "Zombie-Bank", der für "Bad Banks" auch hie und da verwendet wird, sollte selbstredend tunlichst vermieden werden. Als Zombies gelten gemeinhin Wesen ohne Seele, und gerade die Investmentbanker sollten ja nicht in der "Bad Bank" mit den Folgen ihrer Taten konfrontiert werden, was schlimme Auswirkungen auf ihre Psyche hätte, sondern ruhig weiter in ihren angestammten Geldhäusern Dienst schieben. Und sollte die "Bad Bank" wider Erwarten nicht greifen, sprich, die entrümpelten Institute nicht wieder in Fahrt kommen wie Michael Jackson auf einem Kinderfasching, dann helfen ohnehin auch keine Scheintoten mehr. Dann droht eher schon der Totenschein. (Martin Putschögl, derStandard.at, 3.2.2009)

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