Barbie tut gut

3. Februar 2009, 11:31
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Helga Kernstock-Redl weist der umstrittenen Puppe eine wichtige und einzigartige Funktion zu - Negative Auswirkungen kann sie keine finden

Wien - Mit gertenschlankem Körper, Modelmaßen und divenhafter Schminke erblickte die Barbie-Puppe vor 50 Jahren das Licht der Welt. Ihr Siegeszug ist seither ungebrochen - auch wenn ihre Attribute nicht unbedingt auf ein ideales Kinderspielzeug schließen lassen und die unrealistischen Körpermaße durchaus umstritten sind. Aus pädagogischer Sicht erweist das blonde Püppchen durchaus wertvolle Dienste und übernimmt laut Psychologin und Autorin Helga Kernstock-Redl heute genauso wie vor Jahrzehnten eine wichtige und einzigartige Funktion.

"Positive Rollenspiele"

"Es gibt kaum Spielzeuge, bei denen eine Puppe eine Erwachsene ist", erklärte Kernstock-Redl vom Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP). "Mädchen setzen sich dadurch, ganz ähnlich wie in Rollenspielen oder beim Verkleiden, mit der Erwachsenen-Rolle auseinander." Statt selbst den Lippenstift oder die Schuhe von Mama aus- bzw. anzuprobieren, versetzen sie Barbie in die Welt der Großen und identifizieren sich damit - ähnlich wie mit einer Prinzessin, einem Popstar oder einer TV-Heldin. Einziger Unterschied: Barbie hat keine Superkräfte, sondern übernimmt eine Alltags-Rolle, ist Ehefrau, Babysitter oder auch Ärztin.

Wenn Kinder Rollen mit der Puppe ausprobieren oder eine Zukunft durchspielen, ist das pädagogisch durchaus wertvoll, betonte die Psychologin. "Prinzipiell ist es normal und gut, dass sich Mädchen in diese Position hineinversetzen und ein Stück "erwachsen" spielen und damit sehr positive Gefühle verbinden." Dabei werden auch verschiedene berufliche Situationen von der Balletttänzerin bis zur Dressurreiterin "geübt".

Von ihrer Aufgabe als Hausmütterchen hat sich Barbie dabei in den vergangenen fünf Jahrzehnten freilich verabschiedet, sie übernimmt heute immer öfter auch moderne Rollen von der Businessfrau bis zum Rockstar. Ihrer Bedeutung hat dies laut Kernstock-Redl keinen Abbruch getan: "Kinder und ihre Entwicklung sind gleichgeblieben", so die Autorin über die Wichtigkeit der Rollenspiele. "Das haben sie seit jeher gemacht und daran wird sich nichts ändern." Meist sei die Puppe auch ein wichtiger sozialer Faktor, zum Beispiel beim sozialen Kontakt zu Freundinnen.

Negative Auswirkungen gäbe es nicht

An schlechte Auswirkungen durch die irrealen Körpermaße und die endlos langen Beine der Puppe glaubt die Psychologin nicht: "Mir ist keine Studie bekannt, die tatsächlich eine negative Folgewirkung beweist." Problematisch sei es, wenn neben Barbie nicht genug andere Vorbilder im eigenen Umfeld oder in den Medien existieren, und die Puppe somit zur Norm werden würde. Erst dann würden Kinder ihre sonst sehr realistische Einschätzung nach dem Motto "Es ist ja nur im Spiel" verlieren.

"Dass Schlank-sein 'in' ist, merken Kinder nicht nur an der Barbie, sondern an jeder Comic-Serie, in jedem Schaufenster und bei jedem Treffen von Erwachsenen, die sich über ihr Gewicht beklagen", so Kernstock-Redl. "Dick-sein macht ein extrem schlechtes Gewissen und gehört neben Dumm-sein und Hässlich-sein zu jenen 'Abweichungen von der Ideal-Norm', unter der Kinder am meisten leiden." Um diese Sichtweise zu ändern, müsse die Gesellschaft samt Werbung und Forschung einen drastischen Schwenk vollziehen - weg vom Durchschnittswert für das Gesunde hin zum Gespür dafür "was mir langfristig gut tut". (APA)

 

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    Barbie übernehme bei der Einübung in zentrale unterschiedliche Rollenmuster eine positive Funktion, meint die Psychologin.

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