Aufständische sprengten Brücke am Khyber-Pass

3. Februar 2009, 11:17
3 Postings

Nachschubroute von Pakistan nach Afghanistan wieder unterbrochen - Pentagon: Nicht genug Truppen zur Kontrolle im Süden

Peshawar - Aufständische haben im Nordwesten von Pakistan eine Brücke gesprengt und damit eine wichtige Nachschubroute für die NATO-Truppen in Afghanistan zeitweise unterbrochen. Der pakistanische Regierungssprecher Hidayat Ullah erklärte am Dienstag, die Aufständischen hätten die Brücke am Khyber-Pass am frühen Morgen gesprengt. Die meisten Versorgungsgüter für die ausländischen Truppen in Afghanistan treffen per Schiff in der pakistanischen Hafenstadt Karachi ein und werden dann über den Pass in das Nachbarland transportiert.

Islamistische Aufständische haben in jüngster Zeit vermehrt Anschläge auf die Route verübt. Deshalb will die NATO, dass der Nachschub künftig auch über Russland und andere benachbarte zentralasiatische Staaten in das Land gelangt.

Pentagon: Nicht genug Truppen zur Kontrolle Südafghanistans

Die Stärke der internationalen Truppen in Afghanistan reicht laut dem US-Verteidigungsministerium nicht aus, um den umkämpften Süden des Landes unter Kontrolle zu halten. Im Frühjahr und Sommer 2008 gab es den deutlichsten Anstieg von Angriffen der Aufständischen seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001, wie es in einem Pentagon-Bericht heißt, der dem US-Kongress vorgelegt wurde. Die Taliban forderten die von ausländischer Militärhilfe abhängige Regierung in Kabul nicht nur im Süden und Osten des Landes, sondern "zunehmend auch im Westen" heraus.

Besonders in Südafghanistan, "wo die Ressourcen nicht ausreichend konzentriert sind, kann Sicherheit nicht hergestellt oder aufrechterhalten werden", erläutert das Pentagon. In diesen Regionen hätten die Rebellen die afghanische Bevölkerung weiter unter Kontrolle. Der Aufstand könne daher mit dem derzeitigen militärischen, wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Vorgehen nicht bekämpft werden: "Die Taliban haben sich nach ihrem Sturz neu organisiert", sie leisteten einen hartnäckigen Widerstand, der sich weiter entwickle.

Gewalt hat deutlich zugenommen

Dem Bericht zufolge hat die Gewalt in Afghanistan im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Die Angriffe von Rebellen und die Anschläge auf den Hauptverbindungsstraßen des Landes stiegen demnach im Vergleich zu 2007 um 33 beziehungsweise 37 Prozent. Auch Sprengstoffanschläge etwa auf Bauprojekte nahmen demnach deutlich zu. Nach Einschätzung des Pentagons ist in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg von Anschlägen auf solche Ziele zu rechnen, die vergleichsweise wenig gesichert sind. Jedoch planten die Aufständischen vermutlich auch weitere große Anschläge wie den Mordversuch an Präsident Hamid Karzai im April 2008.

Das Pentagon veröffentlichte den Bericht zu einem Zeitpunkt, zu dem der neue US-Präsident Barack Obama die Stärke der US-Truppen in Afghanistan in den kommenden zwölf bis 18 Monaten um 30.000 Soldaten erhöhen will. Bisher sind 36.000 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Obama hat ein entschiedeneres Vorgehen angekündigt. Nach Medienberichten strebt er einen härteren Kurs gegenüber Karzai an, der nunmehr als "potenzielles Hindernis" betrachtet werde. Die Einsetzung des Paschtunen Karzai in Kabul war als Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung interpretiert worden. Karzai galt lange Zeit als Vertrauensmann des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI. (APA/AP/AFP)

 

Share if you care.