Verzweifelter Kampf gegen Jobdesaster in Spanien

3. März 2009, 17:47
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Die Arbeitslosenzahl kratzt an der 3,5-Millionen-Grenze und liegt damit am höchsten Stand seit 13 Jahren

Granada - Die Schlangen vor den Arbeitsämtern werden länger. Die Arbeitslosenzahl kratzt an der 3,5-Millionen-Grenze und liegt damit am hächsten Stand seit 13 Jahren. 3.481.589 Spanier - 154.058 mehr als noch im Jänner - sind aktuell ohne Arbeit. Binnen eines Jahres stieg damit laut Spaniens Arbeitsmarktservice (INEM) die Arbeitslosenzahl um 1,1 Millionen Menschen.

Die Zahl der Arbeitslosen könnte auch auf mehr als vier Millionen zulegen, wenn die Maßnahmen der sozialistischen Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero nicht im laufenden Monat erste Wirkung zeitigen. Darunter fällt etwa eine Acht-Milliarden-Euro-Spritze für öffentliche Infrastrukturprojekte und eine jüngst von der EU genehmigte Milliarden-Direkthilfe für die Autobranche. Die reformierte "Verschrottungsprämie" zieht nun Auto-Käufer an. Kehrseite bleiben Arbeitslosenhilfen, die sich in der viertgrößten EU-Volkswirtschaft mit 2,5 Milliarden Euro monatlich summieren.

Hart trifft die Rezession auch Spaniens Jugend. Versäumnisse in der Bildungspolitik und prekäre Beschäftigungsverhältnisse in der geplatzten Immobilien-, der kränkelnden Saison-Tourismusbranche und eine auf Sparflamme produzierende Industrie tragen dazu bei. In Andalusien, dessen Bevölkerungszahl ähnlich der Österreichs ist, sind fast 100.000 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Landesweit sind es rund 442.000. Im Boomsommer 2007 waren "nur" 220.000 junge Spanier beschäftigungslos.

Noch stärker trifft die Rezession ausländische Arbeitnehmer. Nun pflücken Spanier Oliven und werken bei der Winter-Erdbeerernte in Huelva - einst eine reine Migranten-Domäne. Zur staatlich geförderten Heimkehr ließen sich die aber wenigsten motivieren.

Maravillas Rojo, Arbeits-Staatssekretärin, hofft, dass die neuen, zusätzlichen Maßnahmen, die in Absprache mit den Sozialpartnern am kommenden Freitag im Ministerrat beschlossen werden sollen, eine baldige Linderung der Arbeitsmarktlage bringen. Arbeitsminister Celestino Corbacho glaubt gar "die Talsohle bald erreicht zu haben". Unternehmer und die OECD fordern hingegen, Entlassungen günstiger zu regeln. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

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