Drei Zylinder, zwei Piloten und ein Titel?

3. Februar 2009, 17:02
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Triumph schickte die Daytona zum Nachschärfen. Die Britin wurde dadurch so gut, dass sie erneut in die WM geschickt wird und 2010 um den Titel mitfahren soll

Jetzt einmal ehrlich: Wer denkt sich nicht seinen Teil, wenn er einen Gebückten auf einer 600er an der Ampel stehen sieht? Durch das Spiegelvisier hört man das leise Wimmern, das seine Energie aus den schmerzenden Handgelenken zieht. Die Ampel springt auf grün. Der Supersportliche hakelt die Erste rein, und noch bevor er in den Drehzahlbereich vordringt, wo der Motor wirklich so was wie Drehmoment und Leistung erzeugt, singt unser Pilot im Stop&Go schon wieder das Lied der Sehnenscheidenentzündung.

Was? Abseits des Stop&Go soll eine Supersport klass sein? Auf der Autobahn? Gehn S' bitte. Hinterm Windschild zsammgefaltet wie ein schlechtes Origami, auf der A1 am Kabel ziehen und mit 250 Sachen ins Ländle fliegen? Auf der schnurgraden Strecke ist der einzige Nervenkitzel der, ob man die Reiben vor der Baustellen-Radarkasten-Attrappe auf 60 km/h herunterbremsen kann und am Baustellen-Ende, wo die Häh steht, wieder über 220 auf der Uhr hat, damit man den Führerschein auch sicher nie wieder bekommt. Von der Landstraße reden wir gar nicht. An jedem Waffenradlpedal liegt am Kurvenausgang mehr Drehmoment an, als an einer in den Drehzahlkeller runtergezangelten 600er. Von uralten dominierenden Hondas wird man dabogen wie ein Knie im Schneidersitz.

Einzig die Triumph Daytona darf man auch abseits der Rennstrecke fahren, wenn es denn schon sein muss. Aber die ist ja eh kein 600er-Supersportler, obwohl sie ein 600er Supersportler ist. Mit dem 675 ccm großen Dreizylinder drückt Triumph zumindest um eine handvoll mehr Drehmoment auf den Hinterpatschen als jeder japanische Reihenvierer. Von unten heraus, also dort, wo man das Moach auf der Straße braucht, gilt sowieso kein Vergleich zwischen Drei- und Vierzylinder. Die Sitzposition ist auf der Daytona auch so - keine Ahnung wie das geht -, dass man sich nicht vorkommt, als wäre man gerade im Fitnessstudio ungfähr in einem Dehnungsgerät eingeklemmt worden. Trotzdem ist alles supersport.

Trotzdem, oder nein, gerade deswegen gehören die Vollverkleideten auf die Rennstrecke und nicht vor Bahnübergänge, auf Dorfstraßen und Asfinag-Parcours mit Zeitnehmung am Donauufer oder dem Wechsel. Glauben S' mir, wenn ich Ihnen sag, dass Sie mit einem Transponder auf der Rennstrecke mehr Freude haben werden. Die Triumph-Ingenieure sehen das genauso. Mit 50 Updates haben sie die Daytona verbessert. Das Grundkonzept aber bleibt: 675 Kubik, Dreizylinder und geile Lichtmaske im Böse-Mietze-Katze-Design. Modifiziert hat man am Fahrwerk, an den Bremsen und am Motor, aus dem die Briten noch mehr Leistung holen. Die Daytona hat vorne jetzt eine radikale Radialbremse mit zwei schwimmend gelagerten 308 Millimeter-Scheiben. Das Fahrwerk ist nun vollverstellbar.

Und weil die Zahl „Drei" bei Triumph ja quasi dazu gehört, hat man der Daytona drei Kilo runtergerissen und ihr dafür drei PS mehr eingehaucht. Der Motor dreht nun noch höher, hat mehr Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich. Triumph hat auch gleich eine ordentliche Zubehör-Palette aufgestellt: Schaltautomaten, Schalldämpfer, die diesen Namen schon fast nicht mehr verdienen oder der Racing-ECU, mit dem Race-Ingenieure ins Mapping eingreifen können.

Triumph hat da eine echte Rennmaschine hingestellt. Und um das zu beweisen, fahren die Briten in der Supersport-WM - 2009 mit dem werkunterstürzten Team „Triumph BE1 Racing" aus Italien. Am Gashahn werden der 36 Jahre alte Australier Gary „King of Slide" McCoy und der um zwei Jahre jüngere Italiener Gianluca Nannelli reißen. Triumph-Pressesprecher Uli Bonsels zum WM-Einsatz: „Triumph hat bereits im letzten Jahr ein Team in der Supersport-WM unterstützt. Es handelte sich dabei um das Team „Triumph-SC", ebenfalls in Italien beheimatet.

Unser Engagement in der WM war von vornherein mittel- bis langfristig angelegt. Wir sind nicht davon ausgegangen, gleich im ersten Jahr ganz vorne dabei zu sein und die Erfahrung und den Entwicklungsvorsprung der japanischen Hersteller in nur einer Saison aufholen zu können. Aufbauend auf den Erfahrungen des letzten Jahres sind wir aber guter Dinge, in diesem Jahr das eine oder andere Mal aufs Stockerl fahren zu können. Wir sehen die Supersport-WM als gutes Marketing-Instrument, das Image von Triumph im sportlichen Bereich deutlich zu stärken und die Konkurrenzfähigkeit unserer Daytona 675 unter härtesten Wettbewerbsbedingungen zu beweisen."

Teammanager Giuliane Rovelli hat klare Vorstellungen für die nächsten beiden Jahre: „Unser Ziel muss sein, in jedem Rennen unter die Top 10 zu kommen, um den Grundstein zu legen, 2010 um den Titel mitfahren zu können." Na hoffentlich bleibt es dann nicht bei Platz drei. (Text: Guido Gluschitsch)

Informationen:
Triumph

Marke: Triunmph
Type: Daytona
Motor: flüssigkeitsgekülter 3-Zylinder
Hubraum: 675 ccm
kW (PS):92 KW (125PS) bei 12500 U/min
Nm:72 Nm bei 11750 U/min
Antrieb:6 Gang
Rahmen: Leichtmetall-Brückenrahmen
Radstand: 1395 mm
Lenkkopfwinkel: 23,5º
Nachlauf: 89,1 mm
Gabel: 41 mm USD, volleinstellbar
Federbein: Zentralfederbein
Bremse vorne: 2 x 308 mm Monoblock, radial
Bremse hinten: 220 mm Scheibe
Reifen vorne: 120/70 ZR 17
Reifen hinten: 180/55 ZR 17
Sitzhöhe: 825mm
Gewicht:162 kg trocken
Tank: 17,4 Liter
Preis: 12.890,- €

 

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    foto: werk/montage: derstandard.at
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