Internet für die Dörfer Afrikas

3. Februar 2009, 08:43
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95 Prozent aller Afrikaner haben keinen Zugang zum Internet. Nicht zuletzt, weil es an der nötigen Festnetzinfrastruktur mangelt. Satellitenverbindungen könnten helfen, die digitale Lücke zu schließen.

Für viele Afrikaner, die zerstreut auf dem Land leben, ist das Mobiltelefon zu einem beinahe unersetzlichen Kommunikationsmedium geworden. Nicht zuletzt, weil das Festnetz angesichts nicht ausgebauter Infrastruktur sie nie erreicht hat.

Internet

Ganz zu schweigen vom Internet. Gerade einmal fünf Prozent der afrikanischen Bevölkerung haben Zugang zum weltweiten Informations- und Kommunikationsnetz. Für mobile Datenübertragung übers Handy sind die eher einfachen Geräte, die die Menschen hier nutzen, kaum geeignet. Auch sind die drahtlosen Netze für Datenübertragung meist sehr langsam.

Verschiedene Projekte, die zur Verbreitung des World Wide Web auf dem Schwarzen Kontinent beitragen sollen, setzen deshalb auf Satellitenverbindungen, die sich als stabiler und schneller erweisen. Seit einigen Monaten engagiert sich auch der Internetkonzern Google auf diesem Gebiet. Gemeinsam mit der Universität von Michigan hat das Unternehmen in dem 4000 Einwohner zählenden Entasopia in Kenia ein Pilotprojekt gestartet, um den Menschen Zugang zum Internet über Satellitentechnologie zu ermöglichen, berichtet die New York Times. Die Verbindung zum Internet funktioniert über eine kleine Satellitenschüssel, die über ein Solarpanel mit Strom versorgt wird. Im Gemeindeamt stehen ein paar Computer, mit denen die Bewohner von Entasopia mit dem "Rest der Welt", entfernt arbeitenden Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern über das Internet kommunizieren können.

Anbindung

Google, das unter anderem die Gebühren für die Satellitenanbindung übernimmt, streckt mit der Unterstützung des Projekts in Entasopia auch die Fühler nach neuen Geschäftsfeldern aus. Doch ob sich derartige Satellitenstationen in ländlichen Gegenden auch wirklich selbst tragen bzw. Profite abwerfen können, ist ungewiss. Der Anschluss ist für eine afrikanische Gemeinde zwar von großem Nutzen. Doch allein die Gebühren für das Satellitenbreitband belaufen sich auf monatlich 700 Dollar (547 Euro), ein Betrag, den sich nur wenige wirklich leisten können.

An dem Projekt in dem 100 Kilometer von der kenianischen Hauptstadt entfernt gelegenen Ort lässt sich auch gut verfolgen, was es bedeutet, den Menschen neue Kommunikationswege zu ermöglichen. James Mathu, der für das kenianische Landwirtschaftsministerium gearbeitet hat, berät in Entasopia Bauern über nachhaltige Methoden in der Landwirtschaft. Dank der stabilen Internetverbindung kann er Anfragen in die Bezirksstadt Kajiado weiterleiten anstatt dafür eine Tagesreise auf sich nehmen zu müssen. Er schätzt, dass er sich so bis zu 12.000 kenianische Schilling (rund 120 Euro) pro Jahr sparen kann. In einem Land mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Höhe von 1325 Euro ein riesiger Betrag.

Nutzung

Joseph Kasifu nutzt das Internet, um anderen zu helfen. Der 40-Jährige, dessen Beine aufgrund von Kinderlähmung verkrüppelt sind, verrichtet normalerweise auf der Farm seiner Familie leichte Hilfsarbeiten. Behinderungen gelten in weiten Teilen Afrikas immer noch als böses Omen, viele Kinder werden deshalb gleich nach ihrer Geburt ausgesetzt. Kasifu hat deshalb ein Netzwerk aufgebaut, das von Behinderung betroffenen Menschen hilft. Über das Internet hat er unter anderem ein kurzes Video heruntergeladen, das über ihre Notlage aufklären soll.

Doch nicht Kosten allein sind ein Hemmschuh für die Verbreitung von Internet in Afrika. Nur wenige haben bisher die Chance, den Umgang mit Computern zu erlernen. An dem Projekt in Entasopia beteiligte Hilfsorganisationen bieten daher entsprechende Kurse an, die besonders von jungen Menschen gerne angenommen werden.

Sinnfragen

Ob das Projekt wirklich Sinn macht, fragt sich indessen Nthenja Mulie von der Hilfsorganisation Acumen Funds. Schließlich scheitere die Entwicklung in Afrika weniger am Internetmangel. Andererseits, meint er, "angesichts der vielen Probleme ist es eigentlich egal, wo man anfängt, etwas zu verbessern." (DER STANDARD Printausgabe, 03.02.2009)

 

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