Umweltschutz in Chinas Supermarkt

2. Februar 2009, 20:17
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Der Glaube an animalische Heilkräfte bedroht in Indochina ganze Tierarten

Wien/Hanoi - "Die Region ist der Supermarkt Chinas", sagt Marc-Alexander Gross vom World Wide Fund for Nature (WWF) - und meint damit die Länder Indochinas: Vietnam, Kambodscha, Laos und Burma. "Bauxit, Staudämme zur Stromgewinnung, Kautschuk und Holz sind Ressourcen, die China interessieren", erläutert er. Für die Menschen der Region bringt das Geld - für die Natur eher Probleme, bei deren Lösung auch Österreicher helfen sollen.

Der Abbau der Bodenschätze bringt Begleiterscheinungen: Wälder werden illegal abgeholzt, Straßen "wild" gebaut, Urwald in Kautschukplantagen umgewandelt. Dazu kommt illegale Jagd auf Wildtiere, deren Körperteile in der "Traditionellen chinesischen Medizin" abergläubisch besondere Kräfte zugeschrieben werden.

Dieser Glaube dürfte auch hinter der größten Beschlagnahme von Wildtierprodukten in der Geschichte Vietnams stecken, die am Montag bekannt geworden ist. Zwei Tigerskelette, dazu -häute und -pranken, Gallenblasen von Bären und Stachelschweinmägen wurden von der Polizei sichergestellt, berichtet die Umweltorganisation.

Für das Java-Nashorn hätte die Gier nach den "Naturprodukten" fast das Ende bedeutet. 50 Stück dieser Säugetiere gibt es noch, davon sieben bis acht in Vietnam. Neben der "medizinischen" Nachfrage nach der Nase des Tieres hat auch der Vietnamkrieg zur Dezimierung beigetragen. Laut Gross gibt es aber Hoffnung: "Soweit wir anhand von Genproben wissen, sind die überlebenden Tiere nicht verwandt, sodass eine Nachzucht möglich ist." Nun soll ihr Lebensraum besser geschützt werden.

Unbekanntes Säugetier

Größere Reservate sind auch das Ziel eines weiteren WWF-Schwerpunktes - die Rettung der Saolas. Dieses Wildrind ist erst 1992 westlichen Wissenschaftern erstmals unter die Augen gekommen. Die geschätzten 250 bis 300 noch lebenden, bis dahin nur Einheimischen bekannten Tiere finden sich nur in einer bestimmten Bergregion Vietnams. In Wahrheit wissen die westlichen Forscher praktisch nichts über die Tiere: Zwei gefangene Saolas verendeten innerhalb kurzer Zeit, da niemand wusste, womit man sie füttern soll. Gemeinsam mit Regierung und Dorfgemeinschaften wird nun versucht, das Jagdverbot auf die Tiere rigoroser zu kontrollieren.

Als wirtschaftliche Alternative zur Jagd wird auf Terrassenmöbel gesetzt. Genauer: auf solche aus Rattan. Dieses "Nichtholzprodukt", ähnlich wie Bambus, verschafft in Vietnam 400.000 Menschen Arbeit. Vorwiegend wird Naturrattan aus den Wäldern verarbeitet - was teilweise zur Zerstörung der Vorkommen führt. Verliert der Wald so an Wert, kommen rasch Investoren, um ihn abzuholzen und Kautschuk- oder Cashewplantagen anzulegen.

Ein vom WWF-Österreich betreutes und von der EU mit 2,4 Millionen Euro über drei Jahre finanziertes Projekt soll für eine nachhaltigere Rattannutzung sorgen und zunächst 100 Dorfgemeinschaften mehr Geld bringen. Von Anbau und Ernte bis zur Verarbeitung des Rattan soll es eine Bio-Zertifizierung geben. Die soll in den Möbelhäusern Europas einen Aufpreis rechtfertigen. Nicht alles soll zu Sitzgelegenheiten werden: In kleinen Gärtnereien will der WWF Setzlinge ziehen lassen, die anderwertig verbraucht werden können - in Laos sind Rattansprossen Grundnahrungsmittel. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 3.2.2009)

  • Bis 1992 hatten westliche Wissenschafter keine Ahnung, dass es das Saola gibt. Was es frisst, ist immer noch unbekannt.
    foto: wwf

    Bis 1992 hatten westliche Wissenschafter keine Ahnung, dass es das Saola gibt. Was es frisst, ist immer noch unbekannt.

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