Schule mit neuem Mascherl in Wien

2. Februar 2009, 19:31
9 Postings

Bewährter Schulversuch weiterentwickelt, größerer Lehrermangel befürchtet

Wien - "Die Wiener Mittelschule ist die logische Fortsetzung der Kooperativen Mittelschule" , sagt Klaus Herzele. Der Direktor der KMS Kauergasse im 15. Wiener Gemeindebezirk muss es wissen, denn seine Hauptschule führt seit acht Jahren den Schulversuch KMS. Nun soll Herzeles Schule kommendes Jahr ein weiteres Schulexperiment starten und zu einer Wiener Mittelschule werden.

Der Unterschied zwischen den beiden Schulformen: In der Wiener Mittelschule soll nach dem Lehrplan der Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) unterrichtet werden. In der KMS wird sowohl nach dem Lehrplan der Hauptschulen als auch nach jenem der Realgymnasien unterrichtet. Die individuelle Förderung im Unterricht und der Austausch von Lehrern zwischen Gymnasien und Hauptschulen werden in der KMS schon praktiziert. In beiden Modellen braucht es keine "AHS-Reife" , also nur Einser und Zweier im Zeugnis. Das Konzept der KMS wurde 2001 gestartet und ab 2003 schrittweise als flächendeckender Schulversuch übernommen, sodass von 120 Wiener Hauptschulen gleich 119 zu KMS wurden.

Nicht ohne Gymnasien

Nachdem kürzlich die Höchstgrenze von zehn Prozent aufgehoben wurde, die die Zahl der Schulen, die an einemSchulversuch teilnehmen dürfen, beschränkt, könnte die Mittelschule in Wien auch flächendeckend eingeführt werden. Schulstadträtin Grete Laska (SP) will aber den Versuch nicht ausbauen, wenn keine Gymnasien mitmachen. Im Herbst soll der Versuch an 21 Schulen durchgeführt werden, sieben davon sind AHS. "An der Organisation liegt es nicht, dass es die Neue Mittelschule erst jetzt gibt" , sagt Herzele. "Die gemeinsame Schule war immer schon eine Glaubensfrage." Das, und ein Politstreit zwischen SPÖ und ÖVP. Während in den meisten Bundesländern schon 2008 mit der Neuen Mittelschule begonnen wurde, startet sie in Wien erst einJahr später, weil die SPÖ mit der Volkspartei ein eigenes Konzept ausarbeiten wollte. Was ist herausgekommen? Nur das bereits vorhandene Konzept KMS wurde ausgebaut. Der Vorteil sei, laut Rupert Corazza, Bildungsforscher im Wiener Stadtschulrat, die Erfahrung mit dem Lehreraustausch.
Ab 2013 könnte es wegen Pensionierungen in Wien zu einem Lehrermangel kommen. ImStadtschulrat hofft man, dass der Beruf durch die einheitliche Ausbildung attraktiver wird. (Marijana Miljković/DER STANDARD-Printausgabe, 3. Feber 2009)

Share if you care.